Friedhof
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Soziales

Bestattungen nur im kleinsten Familienkreis

Wie berichtet, gibt es durch das Coronavirus große Einschränkungen bei Begräbnissen. Die Tiroler Bestatter bemühen sich, Lösungen anzubieten. Derzeit dürfen nämlich nur engste Familienangehörige teilnehmen.

Begräbnisse finden derzeit statt, bestätigte das Land. Sie dürfen aber „nur im engsten Familienkreis“ erfolgen. Auf Nachfrage des ORF Tirol, wer dazu zähle, hieß es vonseiten des Landes: „Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Kinder, Enkel und Urenkel, Geschwister, Adoptivkinder sowie EhegattInnen und LebenspartnerInnen.“ Onkel und Tanten, Neffen und Nichten, sowie Cousins und Cousinen oder Freunde sind nicht eingeschlossen.

Zwischenzeitlich waren Gerüchte von einer Grenze von maximal fünf teilnehmenden Personen kursiert. Diese gebe es nicht, widersprach das Land: „Alle engen Familienmitglieder dürfen dabei sein. Unabhängig davon ist auch das notwendige Personal des Bestattungsunternehmens zulässig.“ Zudem seien die Hygieneregeln und ein Mindestabstand von einem Meter einzuhalten.

Unsicherheit unter Bestattern in der Vergangenheit

Unter den Bestattern verschiedener Bundesländer habe es zwischenzeitlich eine „Empfehlung von maximal fünf Teilnehmern“ gegeben, bestätigte der Geschäftsführer der Tiroler Bestatterinnung, Ludwig Kössler gegenüber ORF Tirol. Man sei jedoch froh, dass dies offenbar keine gesetzliche Vorgabe sei, zumal Kernfamilien gerade am Land oft sehr groß seien. Man achte jedenfalls darauf, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden.

Bestatter Bernhard Schöpfer aus dem Tiroler Oberland berichtete von offenen Fragen in der Vergangenheit: Erst seien etwa auch Aufbahrungen noch gestattet gewesen, obwohl das in der derzeitigen Situation „ein Wahnsinn“ sei, so Schöpfer. Auf Nachfragen – sowohl von ihm als auch von der Bestatterinnung – habe die Landessanitätsbehörde schließlich das Aufbahrungsverbot kommuniziert. Neben Aufbahrungen sind momentan auch Begräbnisgottesdienste und Rosenkränze, Weihwasser oder Kondolenzbücher verboten.

Menschen besuchen ein Grab am Friedhof
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Nur die engste Familie darf derzeit auf ein Begräbnis gehen

Wer darf Bestattung beiwohnen?

Berichte, nach denen sich in anderen Bundesländern Menschen bei Begräbnissen mit dem Coronavirus angesteckt hätten, geben auch den Tiroler Bestatterinnen und Bestattern zu denken: „Man hat mehr Respekt“, bestätigte Bernhard Schöpfer. „Jeder weint“, schilderte er, „da ist sozusagen sprichwörtlich ganz viel flüssig.“ Das Ansteckungsrisiko sei dementsprechend erhöht. Es sei schwer, als Bestatter Trauernde darauf hinzuweisen, dass sie zu nahe aneinander stünden.

In der Praxis gestalte sich zudem die Beschränkung auf die engste Familie manchmal schwer. Er spreche daher mit den Hinterbliebenen. Eventuell könne man sich einigen, dass nur eine Person teilnehme und die Feier mitfilme – oder überhaupt alle auf eine persönliche Teilnahme verzichten. Er als Bestatter könne diese Entscheidung aber nicht treffen, so Schöpfer.

Geänderte Bestattungsformalitäten

Die Sicherheitsmaßnahmen beginnen schon bei den Vorbereitungen: Er habe theoretisch die Möglichkeit, bis zu zwei Menschen persönlich zu beraten und danach alles zu desinfizieren, erklärte Schöpfer, biete jedoch stattdessen Kontakte via Telefon, Skype oder Whatsapp an. Ein passwortgeschützter Bereich seiner Website führt zur Sargauswahl. Bei der Abholung einer oder eines Verstorbenen achtet er darauf, dass nur ein Hinterbliebener anwesend ist, um sich und sein Team zu schützen.

Älterer Mann sitzt an einem Laptop
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Über den Computer einer Trauerfeier beizuwohnen, ist teilweise bereits möglich

Digitale Gedenkräume und Andenken

Da Trauergottesdienste und Aufbahrungen derzeit verboten sind, schafft Bernhard Schöpfer Erinnerungsräume: „Ich biete einen halbstündigen Livestream an, an dem alle Hinterbliebenen teilnehmen und innehalten können. Neben mir steht die Urne, daneben ein Bild des Verstorbenen, eine Kerze wird entzündet, man liest etwas vor“, schilderte der Bestatter. Es tue gut, an so einem Ritual teilzunehmen.

Er rät, zudem Andenken zu behalten: „Sei es ein Kleidungsstück, an dem noch der Geruch des geliebten Menschen haftet, oder ein Talisman, etwas, das der Verstorbene gern mochte“, so Schöpfer. Auch viele Tiroler Seelsorge-Einrichtungen sind derzeit bemüht, Hinterbliebene während der Corona-Krise zu begleiten – mehr dazu in Trauern in Zeiten der Isolation.

Die Begleitung auf Distanz widerspreche eigentlich seiner Philosophie, auf Tuchfühlung mit dem Tod zu gehen, die Angst davor abzubauen und nah bei den Menschen zu sein: „Leider ist das momentan nicht möglich. Ich wollte das eigentlich nie, aber momentan müssen die Menschen anders Abschied nehmen“, so Bestatter Bernhard Schöpfer. Die Vernunft gebiete ihm, Dinge jetzt anders zu handhaben.