Personen gehen mit Skischuhen
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Coronavirus

Ischgl beendet vorzeitig die Wintersaison

Nachdem in den vergangenen Tagen viele Fälle von Coronavirus-Infektionen aus dem Wintersportort Ischgl bekannt geworden sind, wird nun die Wintersaison vorzeitig beendet. Das wurde am Donnerstag bekanntgegeben. 35 der 81 bestätigten Tiroler CoV-Fälle haben einen direkten oder indirekten Bezug zu Ischgl.

Die Behörden hatten bereits eine Schließung für zwei Wochen angeordnet. Am Freitag werde der letzte Tag mit Skibetrieb sein, gab TVB-Geschäftsführer Andreas Steibl im Gespräch mit der APA bekannt: „Wir tragen die Entscheidung der Behörden zur Gänze mit. Die Gesundheit der Einheimischen und der Gäste hat oberste Priorität", meinte Steibl. Man könne derzeit nicht davon ausgehen, dass der Betrieb nach der zweiwöchigen, angeordneten Schließung wieder normal weiter gelaufen wäre, deshalb habe man diesen Schritt gesetzt.“

Bar „Kitzloch“ dürfte Ausgangspunkt gewesen sein

In Ischgl seien 19 Personen positiv getestet worden, 16 weitere positiv Getestete standen in Bezug zu dem Skiort, so Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) am Donnerstag. Zuletzt wurde am Mittwoch der Fall eines 29-Jährigen bekannt, der in Ischgl die mittlerweile behördlich gesperrte Bar „Kitzloch“ besucht hatte – mehr dazu in – Milde Symptome bei 15 neuen Fällen.

Auch in der angrenzenden Gemeinde Kappl waren zuletzt neun Personen positiv getestet worden. Ursprünglich dürfte die Infektionskette von der Bar „Kitzloch“ ausgegangen sein. Zunächst hatte man bei einem Barmitarbeiter das Virus nachgewiesen. Ausgehend davon wurden dann auch enge Kontaktpersonen des Barkeepers und Besucher des „Kitzloch“ positiv getestet. Auch eine isländische Reisegruppe, die erst in Island positiv getestet worden war, könnte sich in der Bar infiziert haben.

Ischl im Winter
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In Ischgl wird bis Samstag wohl der Großteil der Gäste abreisen.

Guttage für verlorene Skitage

An die verbliebenen Gäste ging auf dem Tourismusportal zudem die Information, dass für Skipässe, die länger als bis zum Samstag gültig gewesen wären, Guttage erstattet werden. Für Fragen zur Unterkunft müsse man sich an den jeweiligen Unterkunftgeber wenden. Angesagt wurde außerdem das Konzert am 2. Mai von Eros Ramazotti auf der Idalpe. Am Mittwoch hatte das Land den Skibetrieb in Ischgl für zwei Wochen untersagt. Zudem gab es Sperren für sämtliche Apres-Skilokale.

Die wirtschaftlichen Verluste, die durch die vorzeitige Beendigung der Wintersaison, entstehen werden, seien noch nicht abschätzbar, so der TVB-Geschäftsführer. „Wir sind einer der tourismusintensivsten Orte in ganz Österreich, mit einer der längsten Saisonen, da sind Verluste vorgegeben“, fügte Steibl hinzu. Die Betriebe seien aber gut aufgestellt und man wolle in der nächsten Wintersaison wieder voll durchstarten.

Paznauner Skigebiete werden vermutlich nachziehen

Ob auch die restlichen Skigebiete im Paznauntal die Wintersaison vorzeitig beenden werden, sei noch nicht restlos geklärt, Steibl ging aber davon aus. „Es wäre nicht glaubwürdig, wenn ein Skigebiet schließt und der Betrieb in den Nachbarskigebieten normal weiter geht“, erklärte der TVB-Geschäftsführer. Er ging davon aus, dass österreich- bzw. tirolweit auch noch weitere Skigebiete ihren Betrieb vorzeitig einstellen werden müssen.

Positive Reaktionen und Enttäuschung

Die Urlauber würden unterschiedlich auf die Nachricht der Schließung reagieren. „Zum Großteil reagieren sie positiv“, so Steibl. Gäste, die erst nach der verordneten Schließung von zwei Wochen ihren Urlaub geplant hätten, seien enttäuscht, aber nicht verärgert. „Sie glauben, dass es in zwei Wochen vielleicht wieder gegangen wäre, aber davon können wir nicht ausgehen“, meinte der Touristiker.

Wenig Verständnis von Günther Aloys

Generell wenig Verständnis für Coronavirus-Restriktionen in Ischgl hat hingegen Promi-Hotelier Günther Aloys. „Wir haben ganz wenige Fälle. Die Leute sind sensibel, passen auf. Das ist ja nichts anderes als eine Grippe, die für die allermeisten nicht tödlich ist“, sagte Aloys der APA. Besser wäre die Saison einfach so weiterlaufen zu lassen. Nichtsdestotrotz begrüßte Aloys die Entscheidung des Tourismusverbandes, die Saison gleich vorzeitig zu beenden. Die Zwei Wochen-Schließung sei hingegen ein „Blödsinn“ gewesen, weil die Gäste ohnehin verloren gewesen wären. Mit Stand Donnerstagmittag gibt es 79 bestätigte Coronavirus-Fälle in Tirol.