Im Beobachtungszeitraum von 2016 bis 2022 hat der WWF über 250 Verdachtsfälle dokumentiert. Es geht um illegale Abschüsse, Vergiftungen und Anwendung von Fallen bei geschützten Wildtieren in ganz Österreich. Viele Tiere geschützter Arten tragen Sender, damit kann ihr Aufenthaltsort genau festgestellt werden – bis sie auf einmal spurlos verschwinden.
Bergamasker-Hündin Lea auf Kadaver-Suche
Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein gemütlicher Waldspaziergang. Aber wenn Lea ihr blaues Suchhalsband angelegt bekommt und sie von der Leine gelassen wird, weiß sie, was ihr Job ist. Hundeführerin Katharina Bergmüller erklärte im ORF-Tirol Interview: „Wir werden vom WWF verständigt, wenn es einen konkreten Verdacht gibt, dass ein geschütztes Tier illegal getötet wurde. Wir haben dann oft ein großes Suchgebiet vor uns, in dem Lea versucht, den Kadaver zu finden.“ Die Überreste können helfen zu erfahren, ob das Tier zum Beispiel illegal geschossen oder vergiftet wurde und ob es Hinweise auf die Täter gibt.
Kadaver ist für den Hund tabu
Hat Lea einen Tierkadaver gefunden, darf sie ihn nicht berühren und schon gar nicht fressen. Sie zeigt an, dass sie etwas gefunden hat, indem sie sich ablegt und auf ihre Hundeführerin wartet. Die dokumentiert den Fund mit Fotos, die sie an den WWF als Auftraggeber weiterleitet. Dort wird entschieden, ob Anzeige bei der Polizei erstattet wird.

Die Ausbildung der Kadaver-Spürhunde und ihrer Hundeführerinnen und Hundeführer sowie die Zertifizierung übernimmt der „Verein Naturschutzhunde“, die Kosten dafür werden vom WWF bezahlt. Katharina Bergmüller, die hauptberuflich als Leiterin von birdLife in Tirol tätig ist, macht die Kadaversuche in ihrer Freizeit.
Im Prinzip eignen sich alle Hunderassen als Suchhunde, denn ihr Geruchssinn ist außergewöhnlich. Katharina Bergmüller sagte über ihre Bergamasker-Hündin: „Grundsätzlich eignen sich Hütehunde sehr gut, weil sie gerne mit dem Menschen zusammenarbeiten und sehr aufmerksam sind. Lea macht die Arbeit als Spürhund sichtlich Spaß und sie will ihre Sache gut machen.“ Natürlich wird sie für jeden Fund mit einem Leckerli belohnt.
Traurige Fälle von Wildtierkriminalität
In den vergangenen Jahren sind immer wieder Fälle von Wildtierkriminalität bekannt geworden. In Tirol wurde 2019 ein illegal erschossener Wolf ohne Kopf in einem Wald gefunden. Großes Aufsehen erregte 2022 auch der Tod des besenderten Kaiseradlers Artemisia im Burgenland, der angeschossen wurde und eingeschläfert werden musste. Der streng geschützte Greifvogel erlangte weltweit Berühmtheit, weil er 15.000 Kilometer durch Europa flog, bevor er in seiner Heimat getötet wurde. In beiden Fällen ermittelten auch die jeweiligen Landeskriminalämter.

In Österreich gab es seit 2016 bereits 250 Verdachtsfälle von illegaler Wildtierkriminalität. Die WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre stellte fest: „Das Töten eines geschützten Wildtiers ist kein Kavaliersdelikt. Es ist ein Straftatbestand, der mit bis zu zwei Jahren Haft bedroht ist.“ Man habe es dabei sogar oft mit einer großen kriminellen Energie zu tun, so Wolf-Petre: „Manche illegal erschossenen Wildtiere werden an Straßen oder Gleisen abgelegt, damit es wie ein Kollisionsunfall aussieht. Da muss man sehr genau hinschauen.“

Besonders oft werden Greifvögel getötet
Die häufigsten Opfer von illegaler Tötung sind laut WWF Greifvögel, allen voran Mäusebussarde, Rotmilane oder Waldeulen, aber auch die besonders seltenen Luchse, sowie Fischotter und Biber.
In Ostösterreich sind mehrere Kadaver- Suchhunde bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Einsatz. In Tirol und ganz Westösterreich sollen nun Lea und Katharina Bergmüller den Kampf gegen die Wildtierkriminalität unterstützen.