Ärztin bei der Untersuchung mit einem Stetoskop
APA/Helmut Fohringer
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Gesundheit

Warnung vor mehr Geschlechtskrankheiten

Obwohl in der Coronavirus-Pandemie aufgrund zahlreicher Lockdowns die zwischenmenschlichen Kontakte abgenommen haben, warnen Mediziner der Med-Uni Innsbruck vor einer Zunahme von Geschlechtskrankheiten. Vorsorgeuntersuchungen würden derzeit seltener wahrgenommen.

2020 seien deutlich weniger Personen zur Vorsorgeuntersuchung gekommen, erklärte Mario Sarcletti, leitender Oberarzt an der Spezialambulanz für HIV und Geschlechtskrankheiten im Gespräch mit der APA. Der Mediziner betonte zudem auch die Wichtigkeit, Test- und Behandlungsangebote auch im Lockdown vollständig zur Verfügung zu stellen.

In Italien belegen Zahlen eine Zunahme

Zahlen aus der Lombardei und aus Mailand hätten gezeigt, dass die Anzahl von Tripper (Gonorrhö) und hartem Schanker (Syphilis) sowie genitalen Mykoplasmen im Vergleich von 2019 auf 2020 trotz Lockdowns zugenommen habe. Auch in Deutschland würden aus manchen Regionen ähnliche Zahlen vorliegen. Und auch an der Spezialambulanz der Klinik für Dermatologie in Innsbruck habe die Anzahl der HIV-negativen Personen im Jahr 2020 abgenommen, bei gleichbleibender Zahl der HIV-positiven. Dies würde zeigen, dass weniger Personen zur Vorsorge kamen, um sich testen zu lassen, sagte Sarcletti.

Mario Sarcletti
Hermann Hammer
Mario Sarcletti appelliert, Untersuchungen wahrzunehmen

Krankheiten werden oft nicht rechtzeitig entdeckt

Bei Geschlechtskrankheiten sei es besonders gefährlich, nicht zur Untersuchung zu gehen, weil die Krankheiten, nicht rechtzeitig entdeckt, oft weitergegeben werden. Deshalb appellierte der Mediziner an alle, trotz Lockdowns die Untersuchungen wahrzunehmen.

Ein Hauptproblem sei auch gewesen, dass die Angebote für Screenings oftmals runtergefahren wurden. Bei einem verringerten Angebot sei, nach einer Hochrechnung der Emroy Universität in Atlanta, mit einer noch massiveren Zunahme von Geschlechtskrankheiten nach Lockerung der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen zu rechnen.

Weniger Patienten aber gleich viele Diagnosen

In der Sprechstunde für sexuelle Gesundheit der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie sei auch während der Lockdown-Phasen stets der Zugang sowohl für die Diagnose als auch für Screenings gewährleistet gewesen, betonte Sarcletti. Obwohl auch hier weniger Patienten, unter anderem mit Verdacht auf Geschlechtskrankheiten vorstellig wurden, sei die Anzahl an Chlamydien-Diagnosen fast gleich geblieben.

Tendenz zu mehr Geschlechtskrankheiten

Es gebe auch in Österreich in den vergangenen Jahren insbesondere bei Männern generell eine Tendenz zur Zunahme bei Geschlechtskrankheiten, meinte Sarcletti. Dies liege unter anderem am geringeren Respekt vor der inzwischen behandelbaren HIV Infektion, an unvorsichtigen Sexualpraktiken, an vermehrten Sex unter Stimulanzen-Einfluss (Chemsex) und – zumindest vor der Coronaviruspandemie – einer zunehmenden internationalen Mobilität und Reisetätigkeit.

Auffallend sei auch, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Symptome von Geschlechtskrankheiten teilweise milder wurden. Mittlerweile gebe es viele Patienten mit nur milden oder überhaupt keinen Symptomen, sagte der Mediziner. Umso wichtiger sei es, regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen.