Caritas-Chef kritisiert „schäbige Politik“

Harte und klare Worte in Richtung Politik findet der Chef der Caritas Tirol Georg Schärmer. Schärmer befürchtet einen weiteren spürbaren Rückgang sozialer Leistungen und fordert von der Politik eine Umkehr.

Den Focus im neuen Jahr will die Caritas Tirol auf die Situation der pflegenden Angehörigen legen. „Diese Menschen brauchen Entlastung, Beratung, Begleitung und Wertschätzung“, so Schärmer: „Wir haben 5.000 Kinder im Land, die selber pflegende Angehörige von ihren Eltern sind. Die brauchen Unterstützung“ - mehr dazu in Caritas fordert Unterstützung für Pflegende.

Familienhilfe wieder installieren

Zudem fordert er die Politik auf, die „soziale Berufsfeuerwehr“, die Familienhilfe, wieder ins Leben zu rufen. Die Familienhilfe wurde 2009 eingestellt und von der Caritas Tirol zumindest in Innsbruck und in Osttirol weitergeführt. Diese Form der Unterstützung müsse für das ganze Land wieder angeboten werden, so Schärmer.

Gegen Populismus und Hetze

Der Caritas-Chef macht im „Tirol heute“-Interview unverblümt die Politik dafür verantwortlich, dass Neid und Hetze wieder Platz gefunden haben.

„Ich erwarte mir von der Politik, dass sie nicht den Spalt in der Gesellschaft fördert, nicht Neid, Missgunst oder gar Angst hervorruft, sondern den Zusammenhalt fördert. Es gibt keine soziale Kälte im Land. Es gibt große Solidarität.“

Politik verhält sich „schäbig“

Dass bereits jetzt jene Menschen, die nichts oder wenig zum Sozialsystem beitragen, gebrandmarkt werden, hält Schärmer für „schäbig“: „Dass Arme gegen Arme aufgehetzt werden, ist eines der unwürdigsten Spiele, die die Politik manchmal betreibt. Politik hat die Aufgabe, Lösungen anzubieten, die Menschen zu versorgen und nicht zu entsorgen.“

Wunsch nach Solidarität

Im Vorfeld der Tiroler Landtagswahl wünscht sich der Caritas-Chef, dass jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch macht: „Wer kein Interesse am Gemeinwohl hat, ist einer, von dem die alten Griechen gesagt haben, er ist ein Idiot. Die Zeit der Versprechen der Politik ist vorbei, wir müssen alle an einem Strang ziehen. Wir brauchen Verbindlichkeit und das Angehen von großen Problemen und das ist etwa die Pflege von alten Menschen und die Unterstützung der pflegenden Angehörigen.“

Am Montag hat der neue Bischof der Diözese Innsbruck Hermann Glettler im ORF Tirol ebenfalls vor zu viel sozialer Kälte gewarnt. Vor allem Fluchtreisende und Sozialhilfeempfänger drohten unter die Räder zu kommen - mehr dazu in Glettler warnt vor zu viel sozialer Kälte.

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