Felipe übernimmt Partei interimistisch

Nach dem Rückzug von Eva Glawischnig aus der Politik übernehmen ihre Stellvertreter Ingrid Felipe und Werner Kogler ab sofort interimistisch die Leitung der Grünen. Wie es personell weitergehen soll, berät morgen, Freitag, der erweiterte Bundesvorstand in Salzburg.

Ob es da schon eine Empfehlung für die Parteichef-Kür am Bundeskongress voraussichtlich im Juni gibt, war am Donnerstag noch offen.

Felipe gilt als eine der Favoriten

Als potenzielle neue Bundessprecherinnen gelten unter anderem Felipe selbst sowie EU-Mandatarin Ulrike Lunacek. Auch die Salzburger Landessprecherin Astrid Rössler wurde genannt. Van der Bellens Wahlkampfleiter Lothar Lockl hat am Donnerstag bereits abgewunken.

Vorübergehende Bundessprecherin

Der Rücktritt von Eva Glawischnig komme für sie überraschend, so Felipe. Sie werde vorläufig gemeinsam mit Werner Kogler die Funktion des Bundessprechers übernehmen.

LHStvin. Ingrid Felipe hat sich nach dem Rückzug von Eva Glawischnig vorerst nicht dazu geäußert, ob sie deren Nachfolgerin an der Parteispitze werden will. Man habe „eine Reihe geeigneter NachfolgerInnen“, postete Felipe auf Facebook. Sie verwies auf den am Freitag stattfindenden Bundesvorstand der Grünen.

Bundeskongress voraussichtlich in Linz

Festlegen wird man jedenfalls den Termin für den Bundeskongress, der formell über die Funktion des Bundessprechers sowie über die Bundesliste für die Nationalratswahl und damit auch die Spitzenkandidatur entscheidet. Wäre die Neuwahl nicht auf 15. Oktober 2017 vorgezogen worden, hätte das höchste Gremium der Grünen erst im November getagt. Nun wird vorverlegt, im Gespräch ist der 25. Juni. Tagungsort ist voraussichtlich Linz.

Ihr Nationalratsmandat legt Glawischnig erst mit der nächsten Plenarsitzung zurück, die am 7. Juni angesetzt ist. Wer für sie nachrückt und vor allem wer Klubchef wird, ist noch offen. Stellvertretende Klubchefs sind Gabi Moser und Albert Steinhauser.

„Wir werden gemeinsam entscheiden, wer am geeignetsten ist, im Herbst ein starkes Gegenstück zu den nach rechts driftenden Parteien zu sein“, meinte die 38-Jährige, die auch stellvertretende Bundessprecherin ist. An „Spekulationen und Gerüchten“ werden sich die Tiroler Grünen nicht beteiligen, hieß es indes in einer Aussendung der Landespartei.

Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen

Bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstagvormittag nannte Glawischnig gesundheitliche Gründe für ihren Rücktritt. Sie war allerdings nach dem ausbleibenden Aufschwung nach der Bundespräsidentenwahl, aber auch nach dem Rausschmiss der Jungen Grünen aus der Bundespartei parteiintern unter Druck geraten. Glawischnig legte am Donnerstagvormittag alle Funktionen zurück, jene als Bundessprecherin, als Klubobfrau und ihr Nationalratsmandat - mehr dazu in Grünen-Chefin Glawischnig tritt zurück.

Tiroler Modell als Referenz für Bundesgrüne

Ingrid Felipe sicherte der Partei 2013 eine Regierungsbeteiligung in Tirol. Seither gilt das „Tiroler Modell“ den Bundesgrünen vielfach als Referenz. Unter der studierten Betriebswirtin legten die Grünen bei der Landtagswahl im Jahr 2013 1,86 Prozentpunkte zu und landeten mit 12,59 Prozent auf dem dritten Platz. Zudem gewannen die Grünen ein zusätzliches Mandat. Einziger Wermutstropfen war, dass ihr das beste Ergebnis in der Geschichte der Tiroler Grünen verwehrt blieb. Dies holte die Öko-Partei unter ihrem Urgestein Georg Willi bei der Landtagswahl 2003 mit 15,59 Prozent, was bis dato den größten Sieg bei Landes- oder Bundeswahlen bedeutete.

Konziliant gegenüber der ÖVP

In lediglich drei Sondierungsrunden führte Felipe das Grüne Verhandlungsteam in Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP. Als Ernte wurden zwei grüne Landesräte und die Agenden Umwelt- und Klimaschutz, Verkehr, Frauen, Soziales und Integration eingefahren. Zupass kam Felipe freilich, dass sie im Wahlkampf kein Porzellan zerbrochen hatte, und gegenüber der ÖVP einigermaßen konziliant auftrat.

LHStv Felipe, LH Platter

Land Tirol/Schwarz

Felipe wird ein gutes Verhältnis zu LH Platter (ÖVP) nachgesagt.

Das setzte die 38-Jährige, die letztlich wohl doch eher der „Realo“-als der „Fundi“-Fraktion zuzurechnen ist, auch in der Regierungsarbeit fort. Ihr Verhältnis zu Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) gilt als ausgezeichnet und ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Prekäre Themen umschiffte man in der Koalition einmütig. An der Seite von Platter wurde ihr Auftreten auch bei öffentlichen Auftritten nach und nach souveräner. Bis auf verhaltene Kritik hie und da wurde die Regierungsarbeit auch in der Grünen Basis durchaus mit Wohlwollen aufgenommen.

1978 in Hall geboren

Felipe wurde am 22. August 1978 in Hall in Tirol geboren. 1997 legte die 38-Jährige die Matura an der Handelsakademie in Innsbruck ab. Danach absolvierte die langjährige Handball-Spielerin das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Innsbruck und arbeitete unter anderem im Projektmanagement bei diversen Veranstaltungen des Tiroler Handballverbandes sowie als Büromanagerin in einem Architekturbüro.

Von 2005 bis 2010 fungierte die Mutter eines Sohnes als Finanzreferentin der Grünen. Seit November 2009 bekleidet sie das Amt der Partei-Landessprecherin. Im Mai 2012 zog Felipe als Nachfolgerin der aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Abgeordneten Maria Scheiber in den Tiroler Landtag ein. Im Mai 2013 wurde sie vom Tiroler Landtag zur LHStv. und Landesrätin unter anderem für Umwelt- und Klimaschutz sowie Verkehr gewählt. Seit Februar 2016 ist sie auch stv. Bundessprecherin, damals folgte sie der Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou in diesem Amt nach. Innerhalb der Partei gilt Felipe, die sich laut eigenen Angaben unter anderem von Bert Brecht, Victor Hugo, Maria Ebner-Eschenbach und Richard David Precht inspirieren lässt, durchaus als gute Netzwerkerin.

Lob für Glawischnig aus Tirol

Die stellvertretende Bundessprecherin Ingrid Felipe, Landessprecher Hubert Weiler-Auer und Klubobmann Gebi Mair zollten Eva Glawischnig nach ihrem verkündeten Rückzug Respekt. Eva Glawischnig habe die Grünen fast ein Jahrzehnt lang vorbildlich geführt. „Sie hat uns europaweit zur erfolgreichsten Grünen Partei gemacht“. Sie habe als Feministin, als Umweltaktivistin und als Menschenrechtlerin wesentlich dazu beigetragen, dass diese Themen in der österreichischen Innenpolitik einen zentrale Rolle spielen. Zuletzt habe sie das mit ihrem Kampf gegen Hass im Netz gezeigt.

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