Lebensretter Diabetes-Warnhunde

Sie riechen buchstäblich, wenn Gefahr droht. Speziell ausgebildete Hunde können am Körpergeruch eines Menschen erkennen, ob sein Blutzuckerspiegel stark von der Norm abweicht. Damit können Diabetes-Warnhunde Leben retten.

Seit Oktober des vergangenen Jahres hat die dreiköpfige Familie von Heike Wolf vierbeinigen Zuwachs. Wo Heike Wolf ist, ist die zweijährige schwarze Labradorhündin Daphne in ihrer unmittelbaren Nähe. Heike Wolf ist Diabetikern. Seit der Schwangerschaft mit ihrer Tochter Emilia spürt sie nicht mehr rechtzeitig, wenn ihre Blutzuckerwerte zu niedrig oder zu hoch werden. Ohne ihren Warnhund läuft sie ständig Gefahr, das Bewusstsein zu verlieren oder ins Koma zu fallen. Heike Wolf wird zwar über eine kleine Pumpe am Körper mit Insulin versorgt, trotzdem gefährden die Schwankungen des Blutzuckerspiegels ihr Leben.

Heike Wolf mit ihrem Diabetes-Warnhund Daphne

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Egal was Heike Wolf gerade macht, Daphne ist immer an ihrer Seite

Deutliche Signale zur Warnung

Wenn der Blutzuckerspiegel von Heike Wolf bedrohlich wird, zeigt Daphne mit eindeutigen Signalen die Gefahr an. Sie wird unruhig, kratzt mit der Pfote am Hosenbein, bellt oder holt eine bunte Schnur, die zu diesem Zweck in der Küche hängt. In der Nacht schläft sie unmittelbar neben dem Bett und betätigt eine laute Warnglocke. In der kurzen Zeit, die die Hündin nun als Diabetes-Warnhund bei Heike Wolf lebt, hat es bereits mehrere Ernstfälle gegeben. „Sie hat mich mehrfach gewarnt, ohne sie hätte ich rechtzeitig nichts gemerkt. Wenn Daphne Signal gibt, muss ich sofort den Blutzucker messen und dann entweder etwas essen oder Insulin zuführen. Früher bin ich öfter einfach bewusstlos geworden. Davor kann mich der Hund nun bewahren.“

Diabetes Warnhund Daphne betätigt in der Nacht die Glocke

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In der Nacht betätigt Daphne eine laute Alarmglocke

Nach dem Alarm kommt die Belohnung

Nach jeder Alarmierung bekommt Daphne ihr Lieblingsfutter zur Belohnung. „Nassfutter kriegt sie ausschließlich, wenn sie mich vor der Gefahr gewarnt hat. Deshalb ist es ein großer Anreiz für sie, immer aufmerksam und wachsam auf mich aufzupassen. Die Belohnung bekommt sie natürlich auch, wenn es einmal ein Fehlalarm war. Ein Hund ist ja kein Anzeigegerät, sondern ein sensibles Lebewesen, das Anerkennung und Motivation braucht.“

Heike Wolf belohnt Daphne mit Futter

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Daphne liebt Nassfutter, das bekommt sie aber nur, wenn sie Alarm geschlagen hat

Feine Nasen für einen schwierigen Job

Dass Hunde als Diabetes-Warnhunde ausgebildet werden können, liegt an ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit zu riechen. „Tatsächlich nimmt Daphne es an meinem Körpergeruch wahr, wenn mein Blutzuckerspiegel außerhalb der Norm, also zu hoch oder zu niedrig wird. Sie warnt mich in einem Bereich, in dem ich selbst noch reagieren kann. Dafür wurde sie ausgebildet,“ erklärt Heike Wolf.

Prinzipiell eignen sich verschiedenste Rassen für eine Ausbildung als Diabetes-Warnhund. Nur eine besonders gute Nase müssen sie haben. „Ein Boxer wäre ungeeignet, weil er durch seine flache Schnauze weniger gut riecht als andere Rassen.“ Im Animal Training Center wird zum Beispiel auch mit ehemaligen Straßenhunden gearbeitet, erzählt Heike Wolf. Sie müssen einfach sehr wachsam, aufmerksam, gelehrig und intelligent sein.

Diabetes Warnhund Daphne bringt eine Schnur, das bedeutet Alarm

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Daphne bringt eine Schnur, auch das ist ein gelerntes Warnsignal

Lange Ausbildung und ständiges Training

Ausgebildet wurde Daphne vom Animal Training Center in Rohrbach in der Steiermark. Auch die Prüfung zum zertifizierten Diabetes-Warnhund, die inzwischen vorgeschrieben ist, hat sie vor kurzem erfolgreich abgeschlossen. „Die Ausbildung beginnt schon wenige Tage nach der Geburt,“ erzählt Heike Wolf. Nach der Grundausbildung wird das Gelernte in einer Patenfamilie gefestigt. Erst danach kann der Assistenzhund an einen Diabetes-Patienten abgegeben werden. Bis es soweit ist, dauert es mindestens ein Jahr. Etwa 300 Arbeitsstunden stecken in dem Hund.

Natürlich müssen auch die künftigen Besitzer erst intensiv geschult werden. Für manche ist es ja überhaupt der erste Hund. Die Menschen müssen unbedingt auch lernen, welche Bedürfnisse das Tier hat. Außerdem sollen sie mit dem Hund den Grundgehorsam und den täglichen Umgang üben.

Warnhund für Diabetiker

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Diabetes-Warnhunde tragen in der Öffentlichkeit sozusagen Dienstkleidung

Als Warn-Hund darf Daphne mit Heike Wolf auch dorthin überall mit, wo Hunde sonst keinen Zutritt haben. Entsprechend gut erzogen muss sie aber auch sein. In der Öffentlichkeit trägt sie Dienstkleidung, die sie als Assistenzhund erkennbar macht. Auf ihrem grellen Rückengeschirr steht unter anderem: „Nicht stören - ich arbeite“

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
9. 4. 2016 ab 10.00 Uhr

Wertvoll und teuer

Für einen Diabetes-Patienten ist der Warnhund ein Lebensretter und von daher schon besonders wertvoll. Die Ausbildung dauert wie gesagt lange und ist aufwändig. Aus diesem Grund sind Assistenzhunde teuer und schwer zu bekommen. "Daphne hat 25.000 Euro gekostet,“ sagt Heike Wolf. „Da war also auch der finanzielle Aspekt genau abzuwägen.“ Für Assistenzhunde gibt es keine öffentlichen Zuschüsse, sie müssen privat finanziert werden.

Heike Wolf streichelt ihren Diabetes Warnhund Daphne

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Auch wenn Daphne eigentlich immer im Dienst ist, braucht sie wie jeder Hund Zuwendung und Streicheleinheiten

Auch ein Warnhund bleibt ein Hund

Daphne ist für Heike Wolf 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche im Einsatz. Deshalb ist es wichtig, dass sie als Assistenzhund auch Ruhephasen und Rückzugsmöglichkeiten bekommt. „Die Trainer haben mir davon abgeraten, sie auf stundenlange Spaziergänge mitzunehmen. Das wäre für sie zusätzlich zu ihrer Aufgabe zu anstrengend,“ erzählt Heike Wolf. „Wir gehen ausgiebige Runden, aber sie braucht zu Hause auch ihre Ruhe und Erholung, obwohl sie immer an meiner Seite ist“, so Wolf. Kuscheln und Streicheln liebt Daphne, auch dafür muss ausgiebig Zeit sein. Sie ist und bleibt eben einfach ein Hund. Bei Heike Wolf ist sie geliebtes Familienmitglied.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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