Hektor, der kleine Przewalski-Hengst

Im August ist er ein Jahr alt geworden. Hektor ist das erste Przewalski-Pferd, das in Tirol geboren wurde. Weil ein internationales Zuchtprogramm über die Zukunft dieser rückgezüchteten Urwildpferde entscheidet, wird er nicht mehr lange in Tirol bleiben können.

Noch ist er im Ötzi Dorf in Umhausen zu sehen. Hier wurde er am 8. August 2013 geboren. Hektor hat sich prächtig entwickelt, vom Fohlen zu einem schönen Jährling. Darüber sind sich sowohl die Besucher des Ötzi Dorfes in Umhausen als auch die Fachleute einig.

Das Przwalskifohlen Hektor wenige Tage nach seiner Geburt

Thomas Ploder

So klein und schon ein Urwildpferd: Hektor wenige Tage nach seiner Geburt am 8.8.2013.

Kleines Wildpferd ohne Eile

Es hat sich gelohnt, auf den Nachwuchs drei Jahre lang zu warten. Hieronymus, der Hengst aus dem Münchner Zoo und Roxane aus Salzburg haben letztlich die Erwartungen doch erfüllt. Um ein Haar hätte das Ötzi Dorf sich vom offenbar unfruchtbaren Hengst getrennt. Geschäftsführer Leonhard Falkner ist noch heute erleichtert, dass er entgegen aller negativen Prognosen doch noch zugewartet hat. „Als bei Roxane dann die ersten Anzeichen ihrer Trächtigkeit zu sehen waren, haben wir das erst einmal für uns behalten“, schmunzelt Leonhard Falkner.

Przwalski-Hengst, Stute und Fohlen im Ötzidorf

Thomas Ploder

Familienidylle im Ötzi Dorf: Hengst Hieronymus, Jährling Hektor und Stute Roxane.

Gut behütet wie ein wertvoller Besitz

Jetzt ist der kleine Hektor Teil eines großen internationalen Zuchtprogramms, sagt Dirk Ullrich, der als Koordinator im Innsbrucker Alpenzoo über das künftige Schicksal von Hektor wacht. Denn der Alpenzoo hat die Patronanz über die kleine Tiroler Przewalski-Herde. Aus Platzgründen ist das Ötzi Dorf in Sachen Urwildpferde quasi seine Außenstelle. Voraussetzung für die Zusammenarbeit in Sachen Urwildpferde war das ausreichend große Gehege und die gute Betreuung der Tiere. „Dass es ihnen im Ötztal gut geht, sieht jeder, der sie beobachtet,“ bestätigt Dirk Ullrich. Die Besucher haben Hektor vom ersten Tag an ins Herz geschlossen. „Wir verschweigen gar nicht, dass er uns ordentliche Besucherzuwächse eingebracht hat,“ sagt Leonhard Falkner.

Kinder beim Gehege der Urwildpferde im Ötzidorf.

Thomas Ploder

Andrang beim Gehege der Przewalski-Pferde im Ötzi Dorf. Kinder lieben Hektor und seine Familie. „Das sind die Psche... wie?“

Familienleben im Ötzi Dorf

Mit seinem einen Jahr ist Hektor ein freundlicher und vertrauensvoller Jüngling geworden. Darf man ausnahmsweise und in Begleitung seines ständigen Pflegers Gebhard das Wildpferde-Gehege betreten, kommt er neugierig daher und lässt sich gerne kraulen. Mutter Roxane lässt das zu. Mit dem Hengst Hieronymus ist allerdings nicht zu spaßen. Er nimmt seine Aufgabe als Chef im Gehege und Beschützer seiner kleinen Herde sehr ernst. Mit angelegten Ohren und vorgestrecktem Hals geht er auf Eindringlinge los. Dann ist besser Rückzug angesagt.

Die relativ hohe Aggressivität und das ausgeprägte Kampfverhalten gelten übrigens als typisch für Przewalski-Hengste. Viele Zoos und Parks, die diese rückgezüchteten Urwildpferde halten, haben immer wieder ihre liebe Not mit den selbstbewussten Herdenchefs.

Przwalskihengst vor der ORF Kamera

Thomas Ploder

Hengst Hieronymus im Tirol heute Interview.

Zum Glück ist Hektor noch nicht auf einen Rangordnungskampf mit seinem Vater aus. Im Gegenteil, fast möchte man ihn noch ein echtes Muttersöhnchen nennen. Wie ein Fohlen folgt er Roxane bei Fuß, manchmal darf er sogar noch einen Schluck Milch von ihr haben, obwohl er natürlich längst selbst Gras und Heu frisst.

Zu Besuch bei Hektor, dem Przwalskifohlen

Thomas Ploder

„Hallo Hektor, ich bin Deine Patin!“ „Ach ja? Und wo ist das Geschenk mit den Karotten?“

Wissenswertes:

* als einziges, ursprüngliches Wildpferd erhalten geblieben.
* Ende der 60iger Jahre galten sie in freier Wildbahn als ausgestorben.
* sie haben 66 Chromosomen, Hauspferde 64
* die ersten Abbildungen von Wildpferden sind 20.000 Jahre alt.

Hektors Zukunft ist noch ungewiss

Sobald die beiden Hengste im Gehege im Ötzi Dorf anfangen zu rangeln, wird Hektor vorerst Abschied von Tirol nehmen müssen. Er wird in einen anderen Zoo oder Wildpark kommen, dorthin, wo gerade ein junger Hengst gebraucht wird. Diese Entscheidung trifft die für Europa zuständige Zuchtbuchstelle der Przewalski-Pferde in Köln, sagt Dirk Ullrich vom Innsbrucker Alpenzoo.

Ötzi Dorf Geschäftsführer Leonhard Falkner hofft, dass Hektor zumindest in der Nähe bleiben wird. Am liebsten würde man ihn nach München oder Salzburg geben. Aber wie gesagt, entschieden wird in Köln. Hektor ist eben Teil des internationalen Zucht- und Erhaltungsprogrammes für Przewalski-Pferde in ganz Europa. Eine Entscheidung ist bis Ende August noch nicht getroffen.

Drei Przwalskipferde fressen Heu

Thomas Ploder

Nicht mehr allzu lange wird die kleine Herde vollzählig im Ötzi Dorf zu bewundern sein.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
30. 8. 2014 ab 10.00 Uhr

Zuchtprogramm der Przewalski Pferde

Etwa 750 Przewalski-Pferde in über 70 Zoos, Wild- und Nationalparks werden in Europa gehalten. Dass sie großflächig und in kleinen Herden verteilt sind, ist eine Vorsichtsmaßnahme zur Erhaltung dieser bereits einmal ausgestorbenen Ur-Wildpferderasse. So sollen Krankheiten und Seuchen nicht größere Bestände der rückgezüchteten Wildpferde gefährden können.

Die größten Herden leben mit etwa 90 Urwildpferden in einem ungarischen Nationalpark, etwa 130 völlig wild in der Mongolei. Weltweit gibt es derzeit etwa 1.000 bis 2.000 Tiere. "Das ist ein extrem kleiner und immer noch stark gefährdeter Genpool,“ sagt Dirk Ullrich vom Alpenzoo.
Deshalb ist jedes einzelne Tier so wichtig und jedes Fohlen eine kleine Sensation.

Hoffen auf weiteren Nachwuchs

Vielleicht kann das Ötzi Dorf erneut zur Erhaltung der Urwildpferderasse beitragen. Wenn alles nach Wunsch verläuft, sollen Roxane und Hieronymus wieder ein Fohlen bekommen. Und auch mit Hektor soll weiter gezüchtet werden. Geht es nach dem Wunsch des Ötzi Dorfes, wird er früher oder später wieder nach Tirol zurückkehren - als erstes hier geborenes Przewalski-Pferd.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

Links: