Ötzi - ein Stück Tiroler Identität

Der Mann aus dem Eis ist eine wissenschaftliche Sensation, aber mittlerweile auch ein Stück Tiroler Identität. Darüber war man sich bei den 20-Jahr-Feierlichkeiten am Montag in Südtirol einig. Viele erinnerten sich dabei zurück.

Walter Leitner, Archäologe Uni Innsbruck

ORF

Noch heute ist Ötzi für Anton Leitner eine wissenschaftliche Sensation.

Im Vergleich zu den rund 5.300 Jahren, die der Mann aus der Kupferzeit am Hauslabjoch im ewigen Eis begraben lag, sind zwanzig Jahre ein Wimpernschlag. Dennoch hat sich in diesen zwanzig Jahren durch den Mann aus dem Eis einiges verändert. Beispielsweise für die Wissenschaft, wie der Archäologe der Universität Innsbruck, Walter Leitner betont. Noch heute gilt der Ötzi als wissenschaftliche Sensation und hat Forschung zu zahlreichen neuen Erkenntnissen verholfen.

Marketinginstrument und Identitätsstifter

Als ein findiger Journalist seinerzeit den Mann aus dem Eis „Ötzi“ getauft hatte, war ein Glücksfall für das Ötztal. Dieser Name hat sich weltweit durchgesetzt und somit der Region zu zusätzlicher Berühmtheit verholfen. Ebenso als Glücksfall bezeichnet es Reinhold Messner - er war übrigens einer der ersten an der Fundstelle - dass der Mann aus dem Eis letztendlich auf Südtiroler Grund und Boden entdeckt worden war. Nur so war es letztendlich möglich, dass sich in Bozen rund um den Mann aus dem Eis eine vielbesuchte identitätsstiftende Museumskultur entwickeln konnte.

Möglich gemacht hat das jedoch die Tatsache, so Messner, dass die Mumie in der ersten Phase nach dem Fund an der Universität in Innsbruck gelandet und dort untersucht und erforscht worden war: „Wäre der Ötzi nach Padua oder in eine andere italienische Stadt gelangt, hätte ihn Bozen wohl nie wieder gesehen.“

Messner erntete Häme für Ersteinschätzung

Schmunzelnd erinnert sich Messner auch an die ersten Reaktion in Südtirol und Bayern zurück, als er damals mutmaßte, dass es sich bei dem Mann aus dem Eis um einen sehr alten Menschen handeln könnte. Nach dem Yeti will er jetzt auch noch einen tausende Jahre alten Menschen entdeckt haben, hieß es damals nicht selten, erinnert sich der Bergsteiger zurück.

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Bewegte 20 Jahre für die Finderin

Am meisten beeinflusst hat der Ötzifund letztendlich das Leben der Finderin, Erika Simon. Gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann hat sie vor zwanzig Jahren eine Bergwanderung unternommen und war dabei auf die Mumie gestoßen. Enormer Medienrummel und schließlich ein jahrelanger Rechtsstreit um den Finderlohn waren die Folge. „Dabei war es uns nie wirklich ums Geld gegangen, sondern vielmehr um die Anerkennung“, betonte die mittlerweile medienerfahrene Dame am Montag gegenüber Pressevertretern aus dem In- und Ausland. Erhalten hat sie schließlich die Anerkennung in Form von 175.000 Euro und blickt wohl nicht zuletzt auch deshalb gerne auf den 19. September 1991 zurück.

Die Geschichte vom Fund bis zum Finderlohn und weitere Details zum Ötzifund finden Sie in news.ORF.at.

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Museum soll erweitert werden

Am 20. Jahrestag des Fundes der weltbekannten Gletschermumie „Ötzi“ hat die Südtiroler Landesregierung angekündigt, das Archäologiemuseum erweitern zu wollen. „Sollte in Bozen kein Platz für eine Erweiterung sein, könnte die Mumie auch an einem anderen Ort ausgestellt werden“, sagte Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) am Montag nach der Sitzung der Landesregierung. Heute vor zwanzig Jahren wurde der Mann aus dem Eis im Südtiroler Teil der Ötztaler Alpen gefunden.

Der Besucherzustrom im Archäologiemuseum sei nach wie vor ungebrochen und biete Anlass, über eine Erweiterung des Museums nachzudenken, erklärte Durnwalder. Dabei wolle sich die Landesregierung aber nicht auf die Landeshauptstadt fixieren. Zudem habe sich die Landesregierung dafür ausgesprochen, das „Institut für Mumien und den Iceman“ an der Eurac (European Academy) weiterzuführen und den eingeschlagenen Weg zu intensivieren.