Terra Baixa
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Erlebnis Österreich

Getanzte Geschichten

Der Choreograf Enrique Gasa Valga erzählt mit Bewegungen Geschichten. Für das „Erlebnis Österreich“ begleiten Teresa Andreae und ihr Team die Tanzcompany Innsbruck. Der Film gibt persönliche Einblicke in eine Traumwelt und spart die Schattenseiten nicht aus – Hier zum Nachsehen.

Die Uraufführungen der Tanztheaterstücke am Tiroler Landestheater von Enrique Gasa Valga sind meist schon vor der Premiere ausverkauft. Derzeit sind gleich drei, während der Pandemie bühnenreif geprobte Produktionen zu sehen.

Erlebnis Österreich: Getanzte Geschichten – Die Tanzcompany Innsbruck

Den Mitgliedern der Tanzcompany Innsbruck gelingt es, mit ihren Körpern ganz persönliche „Getanzte Geschichten“ zu erzählen. Mit einer Mischung aus technisch brillantem Ballett und modernem Tanztheater bringen sie klassische Stücke wie William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ auf die Bühne, sie schildern aber auch das glamouröse Leben der Film-Diva Romy Schneider. Der aus Barcelona stammende, international erfolgreiche Tänzer und Choreograph Enrique Gasa Valga leitet die Tanzcompany Innsbruck seit 2009. Seine Uraufführungen am Tiroler Landestheater sind meist schon lange vor der Premiere ausverkauft. Für das „Erlebnis Österreich“ tanzt der 46-jährige Virtuose, der die Bühne eigentlich schon längst verlassen hat, noch einmal vor der Kamera – das ist ein Erlebnis.

Der Tango ist so bittersüß wie das Leben

Das Tanztheater „Romy Schneider“ erzählt das vielschichtige Leben der legendären österreichischen Schauspielerin, mit „Terra Baixa“ bringt der aus der Nähe von Barcelona stammende, überzeugte Katalane ein Drama aus seiner Heimat auf die Tiroler Bühne und in „Maria de Buenos Aires“ geht es um die Liebe und den Tango. Der ehemals international gefragte Solo-Tänzer und Choreograf leitet die Tanzcompany seit 2009. Ihm geht es weniger um abstrakte Bilder, er will mit dem technisch brillanten Ensemble Geschichten erzählen, die beim Publikum Gänsehaut erzeugen.

Innsbrucker Tanzcompany
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Enrique Gasa Valga, Direktor der Tanzcompany Innsbruck, lässt sich für seine Choreografien von Musik inspirieren

Sendungshinweis

Erlebnis Österreich
„Getanzte Geschichten
Die Tanzcompany Innsbruck“
Hier zum Nachsehen und in der TV-Thek.

Tanz als Therapie

Im Interview mit ORF Tirol erzählt der energiegeladene Südländer, dass seine erfolgreiche Tanzkarriere keineswegs vorgezeichnet gewesen wäre. Er sei ein schwieriges Kind gewesen und habe nicht bereits im Alter von vier Jahren in einer elitären Ballettschule mit dem Training begonnen.

„Ich war hyperaktiv und meine Mutter wusste sich nicht mehr zu helfen“, gesteht Gasa Valga, „ein befreundeter Psychologe hat ihr damals geraten, es mit Tanz zu versuchen. Da konnte ich meinen Bewegungsdrang abreagieren. Als ich dann auf der Bühne stand und den Applaus hörte, da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben“, erklärt er den Auslöser für seine Tanz-Leidenschaft.

1.500 Bewerbungen im Jahr

Das aus 18 Tänzerinnen und Tänzern bestehende Ensemble absolviert bis zu hundert Vorstellungen in einer Saison, das ist wesentlich mehr als an anderen Häusern üblich ist. Für die wenigen freien Stellen bewerben sich 1.500 Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt, doch nur wenige werden zum Vortanzen eingeladen.

Theaterhund Romeo
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Romeo, der Theaterhund

Ein Mitglied aus Österreich sei noch nie dabei gewesen, bedauert die Ballettmeisterin Martine Reyn. „In Österreich schickt man die Kinder lieber zum Schifahren oder zum Fußballtraining als zum Tanzen“, meint die Holländerin. Der einzige waschechte Tiroler ist der Theaterhund Romeo.

Training der Innsbrucker Tanzcompany
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Die junge Spanierin Pilar Fernández ist Teil der 18-köpfigen Tanzcompany Innsbruck.

Traumberuf oder Albtraum?

In sehr persönlichen und offenen Gesprächen erzählen die jungen Tänzerinnen und Tänzer, warum sie weit entfernt von ihren Familien leben und in Tirol ihren Traum verwirklichen. Die aus Frankreich stammende Tänzerin Oumy Cissé fühlt sich auf der Bühne wie in Trance. Addison Ector hat von einer großen Company aus New York nach Innsbruck gewechselt, weil er hier auch individuelle Rollen, etwa den Puck in Shakespeare´s Sommernachtstraum tanzen kann.

Training Innsbrucker Tanzcompany
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Enrique Gasa Valga entwickelt eine Choreografie mit Lara Brandi und Gabriel Marseglia

Täglich mehr als acht Stunden vor dem Spiegel

Auch die Schattenseiten dieses anspruchsvollen Berufs kommen in der Dokumentation zur Sprache. Das Zeitfenster für die Karriere ist nur sehr kurz. Im Alter von dreißig Jahren gehört man schon zum alten Eisen. Der Erfolgsdruck und die internationale Konkurrenz sind groß. Die Atmosphäre in der Tanzcompany Innsbruck sei jedoch familiär, erzählt Oumy Cissé, „wir konkurrieren nicht so sehr untereinander. Der Wettbewerb spielt sich zwischen mir und meinem Spiegelbild ab“, bringt es Cissé auf den Punkt.

Innsbrucker Tanzcompany
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Für das „Erlebnis Österreich“ betritt der Choreograf Gasa Valga noch einmal als Tänzer die Bühne

„Theater ist Poesie, die aus dem Buch steigt…“

Der energiegeladene Company-Chef fordert von sich und seinem Team vollen Einsatz. Während derzeit drei Produktionen am Tiroler Landestheater zu sehen sind, ist er schon mit den Proben für das nächste Stück „Lorca“ über den berühmten spanischen Lyriker Federico Gárcia Lorca beschäftigt.

Enrique Gasa Valga, ein „Theater-Tier“

Früher ist der Ex-Tänzer noch manchmal spontan eingesprungen, wenn einer seiner Tänzer verletzt war. Das würde er heute nicht mehr schaffen, gesteht Gasa Valga, weil er im Alter von 45 Jahren nicht mehr so elastisch sei. Für die ORF-Produktion improvisiert er noch einmal zum Chanson von Charles Aznavour „La Bohème“. Was ihm an Beweglichkeit fehle, erklärt er mit dem charakteristischen spanischen Akzent, das versuche er durch Charme zu kompensieren.

Eine Produktion aus dem ORF Tirol