90 Prozent des Innsbrucker Trinkwassers stammen aus dem Inneren der Nordkette. Es ist das Wasser der Mühlauer Quelle, das sich viele Jahre den Weg durch das Gestein sucht und mit 1.600 Litern pro Sekunde aus dem Berg schießt. Die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) leiten das Quellwasser aus, sammeln es und transportieren es in die Haushalte. Der über 70 Jahre alte Stollen birgt aber Gefahren.
Gefahr des Eintritts von Oberflächenwasser
Oberflächenwasser könnte eintreten, erklärt Robert Gschleiner, IKB-Geschäftsbereichsleiter Wasser. Oberflächenwasser sei kein Trinkwasser und habe eine bräunliche Färbung. Man habe schon Vorkehrungen getroffen, wenn dieser Fall auftrete, um den Quellzulauf sofort zu stoppen. Aber das sei eine riskante Situation, so Gschleiner, denn Starkregenereignisse können über Stunden andauern, und dann habe man länger kein Wasser aus der Mühlauer Quelle. Da die Quelle über 90 Prozent des Innsbrucker Trinkwassers liefere, sei es dringend notwendig gewesen, diese Situation zu bereinigen.
In etwa zwei Wochen geschieht der Wassertransport über einen neuen und viel größeren Trinkwasserstollen. Zudem wurde eine neue Quelle mit 430 Liter Trinkwasser pro Sekunde erschlossen. Dieses Wasser möchten die IKB auch zur Stromerzeugung nutzen. Die IKB nennen es ihr Jahrhundertprojekt, es ist allerdings auch das teuerste, denn die Kostenprognosen stiegen sukzessive.
Kosten haben sich mehr als verdreifacht
Zu Projektbeginn 2021 waren es 13,3 Millionen Euro. Dann stiegen die Kosten auf 17,7 Millionen und Ende 2021 auf 25,9 Millionen. Letztes Frühjahr musste auf 30 Millionen erhöht werden. Diesen Herbst genehmigte der Aufsichtsrat schließlich 43 Millionen Euro. Somit ist das mehr als eine Verdreifachung der Kosten.
Schlechteres Gestein als von Experten prognostiziert
Obwohl das Projekt von Geologen und Hydrogeologen stets begleitet wurde, kam es zu Problemen, sagt Bereichsleiter Gschleiner. Beim Vortrieb habe man nach 50 bis 100 Metern ein Gestein angetroffen, das nicht dem entsprochen habe, was von den Experten prognostiziert worden sei. Statt auf Fels sei man auf den Mühlauer Mergel gestoßen, der sehr lehmig und nicht standfest sei.
Massive Sicherungsmaßnahmen nötig
Man habe den weiteren Vortrieb nicht wie geplant gestalten können, sondern in kürzeren Abständen sprengen und den Tunnel massiv auskleiden müssen. Dadurch habe man viel mehr Zeit benötigt, um voranzukommen. Zudem wurde die Tunneltrasse geändert, ehe man dann endlich auf Fels und auch auf neues Quellwasser stieß. Doch es drohte zu viel Wassereintritt, sodass die Behörde im Sommer 2023 den Baustellenbetrieb kurzzeitig stoppte.
Kostensteigerung wurde analysiert
All das sorgte für eine Kostenexplosion, die Teuerung tat ihr Übriges, so Gschleiner. Im Sommer wurde beschlossen, die Kostensteigerung von einem technischen Büro außerhalb Tirols analysieren zu lassen. Auch die Konzernrevision ist eingebunden. Am Freitag ist eine Sitzung geplant, dann soll das Gutachten präsentiert werden. Davor wollen sich auf ORF-Anfrage die IKB-Vorstände dazu nicht äußern.