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APA/HANS KLAUS TECHT
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Gesundheit

Pflegekräftemangel spitzt sich zu

Dass am 12.Mai 2024 Muttertag und internationaler Tag der Pflege zusammen fallen, sei von hoher Symbolkraft. Das sagen Organisationen, die die Herausforderungen der Pflege für die kommenden Jahre und Jahrzehnte steigen sehen. Dafür gebe es viel zu wenige Pflegekräfte.

Was es heißt, pflegebedürftige Menschen zu umsorgen, wird vielen erst bewusst, wenn ein Fall in der eigenen Familie auftritt. In Tirol werden immer noch 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zu Hause gepflegt. Eine große Belastung für Angehörige, aber auch ausgebildete Pflegekräfte haben zum Teil ihre Belastungsgrenze schon überschritten.

Arbeitsbedingungen als Schlüssel zum Erfolg

Gründe sind häufig schlechte Arbeitsbedingungen, zu geringe Bezahlung und zu wenig Wertschätzung. Die Drop-Out-Quote ist nicht umsonst überdurchschnittlich hoch. „Bevor wir um Arbeitskräfte aus dem Ausland feilschen, müssen bei uns die Arbeitsbedingungen verbessert werden“, hielt Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth anlässlich des Tags der Pflege am 12. Mai fest und betonte gleichzeitig: „Die Personalnot wird immer größer. Solange die Arbeitsbedingungen nicht besser werden, verpufft die Wirkung von kurzfristigen Maßnahmen.“ Bis zum Jahr 2050 würden rund 200.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Zwar seien einzelne Maßnahmen zur Verbesserung der Situation auf den Weg gebracht, aber ein systemisches Konzept von Seiten der Bundesregierung stehe noch aus.

Pflege durch Angehörige kann Altersarmut verstärken

Am Sonntag fallen der Tag der Pflege und der Muttertag zusammen. “Symbolhaft für unsere Gesellschaft", meinte die AK-Rätin und Ergotherapeutin Evi Kofler der Gewerkschaftlichen Linken (GL): “In Österreich wird 80 Prozent der Pflege und Betreuung immer noch im Familienverband und dort großteils von Frauen getragen. Kofler warnt in diesem Zusammenhang einmal mehr vor Armut im Alter durch geringere Pensionsbeiträge.

Viele Aufgaben – große Hilfe

Auch die Johanniter meldeten sich zu den Herausforderungen der Pflegeaufgaben zu Wort. Insbesondere am Johanniter-Standort in Tirol sei die Gesundheits-und Krankenpflege einer der größten Dienstleistungsbereiche. Die Unterstützung werde dabei ganz auf die individuellen Bedürfnisse, Ressourcen und Ansprüche der zu Pflegenden abgestimmt. Petra Grell-Kunzinger, Bundesgeschäftsführerin der Johanniter Österreich: „Oft kann durch die Hauskrankenpflege ein Krankenhausaufenthalt verkürzt oder sogar verhindert werden, wenn Tätigkeiten wie die Versorgung von Wunden, die Verabreichung von Medikamenten und Injektionen oder das Setzen eines Katheters von einem professionellen Pflegedienst übernommen werden.“ Unterstützend werden auch Einkaufs- und Besuchsdienste sowie Fahrdienste angeboten. Zudem informieren die Johanniter über Pflegegeld, Essen auf Rädern und andere Dienstleistungen.

Schnellere Berufszulassung für ausländische Pflegerinnen

Auch die ARGE der Ordensspitäler Österreich forderte Verbesserungen für Pflegekräfte. Sie verlangte von der Politik finanzielle Vollzeit-Anreize, eine bundesweite Migrationsstrategie und eine Beschleunigung der Berufszulassung. Peter Bohynik, Leiter der ARGE: "Wir brauchen eine klare und rechtssichere Zuwanderungsstrategie, die es uns ermöglicht, mehr Arbeitskräfte nach Österreich zu holen. Wichtig ist es, diese Menschen möglichst rasch in den Arbeitsprozess zu integrieren und ein attraktives Umfeld zu schaffen. Deutschland holt jährlich 20.000 Pflegekräfte ins Land, wir schaffen im Schnitt nur 130.“

Die 23 Ordensspitäler Österreichs betreuen jährlich bis zu zwei Millionen Patientinnen und Patienten und stellen damit eine weitere bedeutende Säule des österreichischen Gesundheitswesens dar.