Vier Seniorinnen und Senioren auf einer Bank in der Sonne
APA/BARBARA GINDL
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Soziales

Frauen bekommen 928 Euro weniger Pension

Tirolerinnen bekommen im Durchschnitt monatlich um 928 Euro weniger Pension als Tiroler. Damit haben Männer bis 23. Juli heuer bereits so viel Pension bekommen wie Frauen bis zum Jahresende. Nur in Vorarlberg und Oberösterreich ist die Pensionslücke zwischen den Geschlechtern noch größer.

Während Männer in Tirol eine durchschnittliche Pension von 2.106 Euro beziehen, seien es bei Frauen lediglich 1.178 Euro – das ist ein Unterschied von 44,1 Prozent. Das teilte das Land Tirol in einer Aussendung mit, angesichts des „Equal Pension Days“. Tirol liegt damit im österreichweiten Vergleich hinter Vorarlberg und Oberösterreich an dritter Stelle, was die Pensionslücke zwischen den Geschlechtern anbelangt.

„Equal Pension Day“ markiert Ungleichheit

Der Equal Pension Day symbolisiert jenen Tag, an dem Männer bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen erst bis zum Jahresende bekommen. In Tirol ist das heuer der 23. Juli. In Österreich fällt der Equal Pension Day erst auf den 4. August und damit zwölf Tage später. Damit liege Tirol deutlich unter dem Bundesschnitt und sogar an drittletzter Stelle im Bundesländervergleich, kritisieren die Tiroler ÖGB-Frauen in einer Aussendung. Vergleiche man die Pensionshöhe von Frauen, liege Tirol sogar auf dem vorletzten Platz.

Nur die Hälfte der Frauen gehe direkt von ihrem Job in die Pension. Die andere Hälfte scheide aufgrund mehrfacher Arbeitsbelastung, Pflege-Arbeit, gesundheitlicher Probleme oder weil Unternehmen keine Jobs für Ältere anbieten würden, schon vorher aus dem Erwerbsleben aus, so die Tiroler ÖGB-Frauen in einer Aussendung.

Eine Seniorin hält zwei Geldscheine in der Hand
APA/HARALD SCHNEIDER
Teilzeitarbeit und Kinderbetreuungszeiten machen sich oft in der Höhe der Pension bemerkbar

Tirol bei Kinderbetreuung hinterher

„Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz“, wird Sonja Föger-Kalchschmied, Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende in einer Aussendung zitiert. Sie vertritt gleichzeitig die SPÖ als Abgeordnete im Tiroler Landtag. Die Regierungsparteien ÖVP und SPÖ haben den Rechtsanspruch auf leistbare, ganztägige und ganzjährige Kinderbetreuung in ihrem Regierungsprogramm verankert. Umgesetzt wurde dieses Vorhaben allerdings noch nicht – mehr dazu: Tirol hinkt bei Kinderbetreuung hinterher.

Weitere Forderungen der ÖGB-Frauenvorsitzenden betreffen eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung. Denn aktuell würden vor allem Frauen unfreiwillig ihre Arbeitszeit verkürzen, um unbezahlter Care-Arbeit nachgehen zu können. Teilzeitarbeit sei einhergehend mit einem „Karriereknick“, Führungspositionen seien damit fast ausgeschlossen. Flexible Familienarbeitszeitmodelle und Jobsplitting nennt Föger-Kalchschmied als Lösung.

Teilzeit hat Altersarmut zur Folge

Die Teilzeitquote von Frauen betrage in Tirol über 50 Prozent, während sie bei Männern bei 13 Prozent liege, so das Land Tirol. Bei acht von zehn Paaren in Österreich gehe der Mann aktuell weder in Karenz noch beziehe er Kinderbetreuungsgeld. Das Land weist deshalb auf verschiedene Modelle der Freistellung für Männer hin – beispielsweise die Väterkarenz, die Elternteilzeit oder den „Papamonat“, sowie die Pflegekarenz und -teilzeit.

Unterbrochene Erwerbszeiten und Teilzeitarbeiten hätten oft Altersarmut zur Folge. Tirols ÖGB-Pensionistinnen- und Pensionistenvorsitzende Johanna Wieser fordert deshalb einen Generalkollektivvertrag mit einem Mindesteinkommen von 2.000 Euro. Zudem brauche es gesunde Arbeitsbedingungen und eine präventive Gesundheitsförderung – insbesondere im Bereich Burnout, so Philip Wohlgemuth, ÖGB-Vorsitzender in Tirol.