Symboldbild: Weibliche Lehrlinge
APA/HANS KLAUS TECHT
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Wirtschaft

Girls’ Day: ÖGB für mehr Frauen in Technik

Zum Girls’ Day am Donnerstag verlangen die Frauen des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) Tirol eine stärkere Förderung von Frauen in technischen Berufen. Geschlechterklischees und Stereotype im Arbeitsbereich müssten weiter aufgebrochen werden.

Der jährliche Girls’ Day am 27. April bietet Mädchen Einblicke in technische Berufe. Der sogenannte MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ist nach wie vor von Männern dominiert. Dabei soll der Aktionstag die vorherrschenden Klischees aufbrechen, die Ausbildungswege für Mädchen leichter zugänglich machen und Frauen in diesem Bereich fördern, so der ÖGB Tirol.

Obwohl mehr Frauen studieren, seien sie in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert. Im MINT-Bereich sei hierzulande nur ein Viertel der hochqualifizierten Wissenschafts- und Technikjobs von Frauen besetzt. Deshalb brauche es Voraussetzungen für echte Gleichberechtigung, fordert ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied.

Gezielte Aufnahme von weiblichen Lehrlingen

Aktuell würden sich junge Frauen bei der Wahl eines Lehrberufs vor allem für den Einzelhandel, die Ausbildung zur Bürokauffrau oder zur Friseurin entscheiden. Die Einkommen seien darin eher niedrig, während sie in der MINT-Branche deutlich höher seien. Warum sich viele Frauen gegen einen MINT-Beruf entscheiden, liege an mehreren Faktoren. Mit der Förderung von Mädchen in technischen Berufen müsse man auf allen Ausbildungsebenen ansetzen – von der Elementarpädagogik bis zur Universität.

Sonja Föger-Kalchschmied
ÖGB
Laut Sonja Föger-Kalchschmied, ÖGB-Landesfrauenvorsitzende, braucht es mehr Anerkennung für die Fähigkeiten von Frauen

Darüber hinaus müssten die Jobchancen verbessert werden. „Das erreichen wir mit der gezielten Aufnahme von weiblichen Lehrlingen, der Anstellung weiblicher Fach- und Führungskräfte bis hin zu familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen“, sagt Föger-Kalchscmied. Das seien wichtige Schritte, damit Frauen in Zukunft stärker in Forschung und Entwicklung im Digitalisierungsbereich mitgestalten können. Wichtig sei auch, Frauen in den Betrieben mehr Möglichkeiten für Mitsprache zu ermöglichen.

Ruf nach mehr Vorbildern

Zusätzlich wollen die ÖGB-Frauen die Anerkennung und das Bewusstsein für die Fähigkeiten von Mädchen in MINT-Berufen und handwerklichen Tätigkeiten stärken. Junge Frauen bräuchten Vorbilder, um ermutigt zu werden, sich selbst in Führungspositionen zuzutrauen. Trotz der guten Jobaussichten würden sich rund 20 Prozent weniger junge Frauen als Männer für MINT-Berufe interessieren.

„Mit guten Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, starker Signalwirkung in Form von Vorbildern und Instrumenten, um strukturelle Benachteiligung aufbrechen zu können, schaffen wir echte Gleichberechtigung“, so die ÖGB-Landesfrauenvorsitzende. Initiativen wie der Girls’ Day seien der richtige Ansatz dafür. Für ein echtes und nachhaltiges Aufbrechen traditioneller Rollenbilder brauche es aber mehrere Maßnahmen.

Das bedeute schließlich auch eine Aufwertung von schlechter bezahlten Berufen, etwa in der Pflegebranche oder im Dienstleistungssektor. „Die ‚Arbeit am Menschen‘ muss deutlich aufgewertet werden.“ Es könne nicht sein, dass systemrelevante Berufe einhergehen mit niedrigen Einkommen, gerade bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die das Land am Laufen halten. Dafür brauche es definitiv eine bessere Bezahlung und eine Neubewertung von Arbeit.