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Politik

Debatte um Kurzarbeit für Industrie

Der neue Tiroler Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (ÖVP) drängt auf die Gewährung von Kurzarbeitsanträgen für Tiroler Industriebetriebe. Beim AMS ist man mit der Genehmigung der Kurzarbeit derzeit aber zurückhaltend, weil Fachkräfe dringend benötigt würden.

Laut Gerber würden derzeit „Kurzarbeitsanträge der Reihe nach abgelehnt“, dies sei für ihn „unverständlich“. „Das verschärft die Situation und wird unweigerlich zu Kündigungen führen“, sagte er in einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“ (Montags-Ausgabe). Laut Gerber hätte die Industrie und das produzierende Gewerbe aufgrund der Teuerungsentwicklung und stark gestiegenen Energiepreisen mit immensen Herausforderungen zu kämpfen. Tirols AK-Präsident Erwin Zangerl verwies auf die „Voraussetzungen“ für Betriebe.

AMS prüfe alle Anträge genau

Alle Anträge auf Kurzarbeit wurden abgelehnt, ärgern sich Vertreter der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer. Zusätzlich zur Ablehnung durch das Tiroler Arbeitsmarktservice (AMS) komme der Hinweis an die Betriebe, dass man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kündigen solle. Von Seiten des Tiroler AMS hieß es Ende letzter Woche, dass man erst zwei Ansuchen auf Kurzarbeit bekommen hätte. Neben der wirtschaftlichen Prüfung jedes einzelnen Antrags würde auch die Situation am Arbeitsmarkt berücksichtigt.

Da Fachkräfte derzeit dringend benötigt werden und vermutlich rasch einen neuen Arbeitsplatz finden, sei man bei der Genehmigung von Kurzarbeit sehr zurückhaltend, hieß es beim AMS. Tirols schwarzer AK-Chef Zangerl meinte, dass es „natürlich keinen pauschalen Anspruch“ auf Kurzarbeit geben dürfe, immerhin würde die Unterstützung von den Steuerzahlern finanziert. „Andererseits kann es nicht sein, dass das Modell der Kurzarbeit gefordert wird, aber jene Unternehmen, die von der Krise profitieren und hohe Gewinne einfahren, mit Samthandschuhen angefasst werden“, sagte Zangerl.

FPÖ spricht von „Planlosigkeit“

Kritik an der Forderung Gerbers kam indes prompt von der FPÖ, die „Planlosigkeit und Klientelpolitik“ beim Landesrat ortete. „Anstatt den anstehenden Problemen entschieden entgegenzutreten und an deren Lösung zu arbeiten, sucht er die Schuld lieber bei anderen und holt schon mal das Sparschwein für die bevorstehende Geldverteilung“, sagte FPÖ-Tourismussprecher LAbg. Alexander Gamper in Richtung Gerber.

Dieser agiere „aus der Sicht eines Lobbyisten der Großhoteliers, Seilbahner und einiger Industrieller in Tirol“, meinte Gamper. Gerber solle sich vielmehr „um die hausgemachte Teuerung im eigenen Einflussbereich bei der Tiwag, Tigas oder der Tourismusabgabe kümmern.“