Journalistin steht in Schulklasse
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Bildung

Rektorin warnt vor zu frühem Berufseinstieg

Tirols angehende Lehrerinnen und Lehrer sollen frühestens am Ende des Bachelorstudiums vor der Klasse stehen. Dazu rät die neue Rektorin der Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT) Regine Mathies. In ihrer Amtszeit als Rektorin möchte sie die Hochschule außerdem digitaler, nachhaltiger und internationaler machen.

„In Tirol findet in allen Schulen der reguläre Unterricht statt“, so die Bildungsdirektion angesichts des aktuellen Lehrermangels. Von unbesetzten Stellen könne deshalb nicht gesprochen werden. Personelle Engpässe werden durch Überstunden und ein höheres Beschäftigungsausmaß von Teilzeitkräften ausgeglichen.

Auch Studentinnen und Studenten kommen zum Einsatz. An den Pflichtschulen unterrichten 85 Lehramtsstudierende und 21 Personen in einem Bachelor- oder Masterstudium ohne Lehramt, an weiterführenden Schulen sind es 28 Lehramtsstudierende.

Die Rektorin der Pädagogischen Hochschule Tirol Regine Mathies
Lichterspiel
Regine Mathies leitet die PHT seit 1. Oktober

Doppelbelastung für Studierende vermeiden

Die neue PHT-Rektorin Regine Mathies beurteilt den Einsatz von Studierenden an Tirols Schulen grundsätzlich positiv, denn dadurch werde Theorie und Praxis parallel ermöglicht. Sie wendet allerdings ein: „Die Frage, die sich da immer stellt, ab welchem Zeitpunkt erfolgt der Schritt ins Berufsleben und in unmittelbarer Folge, wie erfolgt er?“ Das sei entscheidend für den weiteren Berufsweg Lehrerinnen und Lehrer.

Frühestens ab dem 7. oder 8. Semester des Bachelorstudiums sollte der Berufseinstieg erfolgen, so die gebürtige Vorarlbergerin. „Das bedeutet natürlich eine Doppelbelastung für die jungen Menschen und nimmt uns als Ausbildungsinstitution in die Pflicht, dass wir das Studium so gut es geht berufsermöglichend anbieten“, sagt Mathies.

Digitalisierung der Ausbildung

Gelingen soll das unter anderem durch digitale Angebote – von aufgezeichneten Vorträgen über Webinare bis hin zu abwechselnden Lehrveranstaltungen vor Ort und online. Wichtig sei hier die enge Abstimmung mit der Bildungsdirektion. Mathies sieht es als eine ihrer zentralen Aufgaben, die Zusammenarbeit zu verstärken, um für die Studierenden bzw. Lehrenden eine Balance zwischen Beruf, Ausbildung und Privatleben zu finden.

„Klasse Job“

Mit der Lehrkräfteoffensive „Klasse Job“ soll dem Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) zufolge die „Erzählung Schule“ modernisiert werden. Um den Lehrkräftemangel abzufedern, sollen auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger gewonnen werden. Für sie ist ein begleitender Hochschullehrgang vorgesehen – mehr dazu dazu in Polaschek startet Lehrkräfteoffensive.

PHT-Rektorin Mathies steht Quereinsteigern an Schulen positiv gegenüber, „weil sie für Buntheit sorgen im Lehrkörper“. Sie betont allerdings, dass für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger eine institutionalisierte Weiterbildung im pädagogischen Bereich notwendig sei.

Ziele für die Hochschule

Als weitere Ziele gibt die neue Rektorin neben dem Ausbau der Digitalisierung die Themen Internationalität und Nachhaltigkeit an. „Es ist dringend notwendig, die internationale Perspektive in den Blick zu nehmen. Wir können viel lernen“, so Mathies. Dabei möchte sie auch in Richtung nicht-deutschsprachige Länder blicken und beispielsweise Expertinnen und Experten einladen.

Eine Nachhaltigkeitsstrategie liege bereits auf dem Tisch, jetzt gehe es um die Umsetzung, so Mathies. Sie reicht von der Vermittlung von Kompetenzen im Bereich Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Lehre bis hin zur Photovoltaikanlage auf dem Dach der Hochschule.

Expertin neu im Amt

Seit 1999 arbeitet die 50-Jährige im Haus und war damit an der Vorgängerinstitution der PHT, der Berufspädagogischen Akademie (Pädak) als Lehrende tätig. Des weiteren war Mathies Studiengangsleiterin, Leiterin des Instituts für Berufspädagogik und vor ihrem Wechsel in den Rektorinnensessel leitete sie das Team Berufsbildungsforschung. Mathies ist die erste Frau, die dieses Amt bekleidet.