Reh im Wald
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Umwelt

Das Wild hat keine Ruhe mehr im Wald

Das heimische Wild hat kaum mehr Ruhezeiten. Zu diesem Schluss kamen Experten bei einer Wildtiertagung am Freitag in Osttirol. Schuld seien zahlreiche Hobbysportler, die im Wald und auf dem Berg unterwegs sind. Die Waldtiere lebten deshalb in einer Landschaft der Furcht.

Hatten die Menschen früher hauptsächlich nur am Wochenende Zeit zum Mountainbiken, Wandern oder Berglaufen, so sei jetzt die ganze Woche und auch in den Abendstunden Bewegung im Wald. Die Waldtiere kämen nicht mehr zur Ruhe, stellen die Experten fest.

Downhiller
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Die Action im Wald ist für den Menschen eine tolle Herausforderung. Für die Waldtiere bedeutet sie Stress.

Andauernder Zustand der Angst

Der Stress werde für Wildtiere immer größer, meinte etwa der Nationalpark-Biologe Gunther Gressmann: „Jetzt gehen die Leute noch kurz vor der Arbeit sporteln, am Abend noch ein Waldlauf oder die Nachtskitour mit der Stirnlampe.“ In St. Jakob im Osttiroler Defereggental befasste sich eine Tagung des Nationalparks Hohe Tauern mit der Problematik.

Es bedeute Stress, wenn Tiere in einem andauernden Zustand der Angst leben müssen, sagte die Tierärztin Ulrike Gissing: „Stress ist vor allem, dass das Wildtier ein Vermeidungsverhalten zeigt. Es verlässt im Notfall die Äsungsfläche und flüchtet. Und dann versucht es eine Raum-Zeitstruktur zu entwickeln. Es lernt, dass um diese Zeit Menschen im Wald unterwegs sind. Und dann wird das immer unkalkulierbarer für das Tier, weil der Mensch den Lebensraum des Tiers immer intensiver nutzt.“

Auch Jäger dringen in Ruhezeiten ein

Waldtiere seien zwar gewöhnt auf der Hut zu sein, aber nicht nur Hobbysportler, sondern auch die Jäger stellten ein Problem dar, so Thomas Huber, der selbst Jäger ist, dazu Landwirt und Wildökologe: „Die Zielfernrohre werden immer stärker, es gibt Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras. Das heißt, wir Jäger bewegen uns genauso in dem Bereich, in den Wildtiere noch ausweichen und das ist die Nacht.“

Wildtiertagung St. Jakob in Defreggen
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An der Wildtiermanagement-Tagung nahmen 60 Expertinnen und Experten aus Bayern, Südtirol und Österreich teil.

Mensch muss Rücksicht nehmen

Das Wild ziehe sich damit immer weiter in den Wald zurück, das Problem des Verbisses im Wald werde damit größer. Noch sei nicht ausdiskutiert, ob ausgewiesene Ruhegebiete notwendig oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein können, so Martina Just vom Tiroler Jägerverband: „Wenn wir nicht anfangen, gewisse Gebiete zu schützen, dann haben unsere Wildtiere gar keinen Lebensraum mehr. Und da müssen wir einfach Rücksicht nehmen und nicht überall und immer zu jeder Zeit sein.“ Die 26. Wildtiermanagement-Tagung dauerte zwei Tage.