Volksschüler im Klassenzimmer
ORF.at/Carina Kainz
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Bildung

Kein akuter Lehrermangel für Herbst erwartet

In allen Bundesländern fehlen momentan die Lehrkräfte. Die Situation ist nicht neu. Bereits seit Jahren gibt es in einigen Fächern zu wenige Lehrerinnen und Lehrer. Auch in Tirol sei die Situation leicht angespannt, meldet die Bildungsdirektion. Sie zeigt sich aber optimistisch.

Bis zum Herbst werde man alle noch offenen Lehrstellen besetzt haben, versicherte Tirols Bildungsdirektor Paul Gappmaier gegenüber ORF Tirol. An den Pflichtschulen gilt es momentan noch 179 Stellen zu füllen, 40 sind es bei den weiterführenden Bundesschulen. Diese Zahlen würden sich momentan aber täglich ändern, hieß es. Die Situation hierzulande schaue in Tirol quasi „ganz gut“ aus im Vergleich zu anderen Bundesländern.

Früher heiß umkämpfte Jobs

Trotzdem steht fest: Die Zeiten, als man deutlich mehr Bewerberinnen und Bewerber als freie Stellen zur Verfügung hatte, sind schon viele Jahre her: „Inzwischen müssen wir alles gut im Auge haben, weil wir diese Reserven von damals leider längst nicht mehr haben“, bestätigte Gappmaier.

Schülerin löst Mathematik-Aufgabe
APA/Hans Punz
Mathematik-Lehrerinnen und -Lehrer sind auch in Tirol Mangelware

Lücken bei den „MINT“-Fächern

Für bestimmte Fächer ist es jedes Jahr aufs Neue schwer, Personal zu finden – vor allem die MINT-Fächer könnten mehr Lehrende gebrauchen, also etwa Chemie, Physik, Mathematik, oder Informatik. Wenige Lehrerinnen und Lehrer gibt es aber auch regelmäßig für Musik oder technisches und textiles Werken.

MINT-Fächer

Der Begriff „MINT“ ist ein Akronym aus den Worten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Fast alle Bundesländer berichten in diesen Bereichen von einem Mangel an Lehrpersonal.

Bei anderen Fächern bestehen hingegen keine Probleme: „Für manche haben wir sehr viele Bewerber, zum Beispiel für Englisch, Geschichte, Geographie oder Deutsch. Da haben wir sogar einen Überschuss an Anwärterinnen und Anwärtern“, erörterte Gappmaier.

Dass bestimmte Fächer beliebter seien als andere, sei schon längere Zeit so: „Es ist interessant, dass viele immer wieder diese Fächer wählen, obwohl man weiß, dass es dann schwieriger ist, eine Stelle zu finden“, wunderte sich der Bildungsdirektor. Er möchte das mit den Hochschulen und Universitäten besprechen, die für die Ausbildung zuständig sind: „Vielleicht braucht es da mehr Aufklärung und Informationsveranstaltungen, sodass man schon im Vorfeld ein wenig lenkend in die Fächerauswahl eingreift.“

Mittelschule in Kufstein
ORF
Eine Mittelschule in Kufstein: In der Stadt bräuchte es durchaus mehr Lehrerinnen und Lehrer

Lehrermangel außerhalb von Innsbruck

Oft sind es auch bestimmte Gegenden, wo regelmäßig Lehrernachwuchs gesucht wird. Im Pflichtschulbereich sei die Situation im Tiroler Oberland etwa deutlich besser, da es im Stams eine Ausbildungseinrichtung gebe, wie Paul Gappmaier erklärte. Prinzipiell sei es aber fast überall außerhalb von Innsbruck tendenziell schwieriger: „Bei den weiterführenden Schulen haben wir in Reutte ein Problem, Lehrpersonen zu finden, aber auch im Unterland, etwa in Kitzbühel, Kufstein, Schwaz“, so Gappmaier.

Studierende können in so einem Fall mit Sonderverträgen an den Schulen eingesetzt werden, ehe sie ihr Studium beendet haben. Da die angehenden Lehrerinnen und Lehrer neben dem Unterricht ihre eigene Ausbildung absolvieren, führe diese Option zu vielen geringfügig Beschäftigten, was auch nicht optimal sei, hieß es.

Job und Ausbildung sollen besser vereinbar werden

Haben Studierende nach vier Jahren Ausbildung bereits ihren Lehramtsbachelor, können sie den Master anschließend überhaupt berufsbegleitend absolvieren. Das schafften aber nicht alle, gab Gappmaier zu bedenken. Viele würden lieber ihr gesamtes Studium fertigmachen, ehe sie selbst an einer Schule unterrichten. Weniger Lehrkräfte seien die Folge.

Lehrerin mit Schüler
APA/Harald Schneider
Am Vormittag Uni, am Nachmittag selbst unterrichten: Der Arbeitsalltag vieler Junglehrerinnen und -lehrer

Der Bildungsdirektor will jetzt mit den Hochschulen sprechen, um Ausbildung und Lehrtätigkeit besser zu vereinen: „Es wäre hilfreich, wenn gewisse Lehrveranstaltungen in geblockter Form am Nachmittag stattfinden, damit junge Pädagoginnen und Pädagogen am Vormittag an den Schulen unterrichten können. Damit könnte man die Stellensituation zukünftig verbessern.“

Es gebe zu diesem Vorhaben bereits positive Signale von der pädagogischen Hochschule in Innsbruck, zeigte sich der Tiroler Bildungsdirektor optimistisch. Auch Studiendekane der Universität Innsbruck hätten in der Vergangenheit durchaus Verständnis für die Situation signalisiert. Dass das berufsbegleitende Lehramt-Masterstudium gut klappe, sei jedenfalls dringend notwendig.

Lehrende müssen Abstriche machen

Die Tiroler Bildungsdirektion behilft sich derzeit auch damit, von Lehrenden Mehrstunden zu verlangen oder sie zu bitten, auf optionale Dinge wie ein Sabbatical verzichten, um den momentanen Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern auf diese Weise zu decken.

„Überall dort, wo kein Rechtsanspruch besteht, ist man dann halt strenger in der Gewährung solcher Dinge. Damit können wir es ganz gut austarieren“, erklärte der Bildungsdirektor. Es dürfte sich durch solche eher unbeliebten Maßnahmen also auch heuer wieder ausgehen, dass es nach den Sommerferien gerade genug Lehrpersonal in Tirol geben wird.