Wirtschaft

Imst-Haiming: Ein „sinnvolles“ Kraftwerk

Der Tiroler Energieversorger TIWAG will in Haiming ein weiteres Kraftwerk mit Wasser aus dem Inn errichten. Das UVP-Verfahren ist mittlerweile in der Genehmigungsphase. Fischerei und Umweltanwalt sprechen grundsätzlich von einem sinnvollen Projekt, haben aber dringende Verbesserungswünsche.

Beim neuen Kraftwerk Imst-Haiming soll bereits abgearbeitetes Inn-Wasser neuerlich durch Turbinen zur Stromgewinnung geschickt werden. Seit Jahrzehnten wird der Inn bei Fließ (Bezirk Landeck) aufgestaut und Wasser durch eine unterirdische Leitung ins Kraftwerk Imsterberg geschickt. Dieses Wasser soll jetzt anstatt zurück in den Inn weiter unterirdisch nach Haming geleitet und dort nochmals zur Stromgewinnung verwendet werden, ehe es über ein Ausgleichsbecken zurück in den Inn kommt.

KW Imst-Haiming Grafik
ORF
Das von der Runserau abgeleitete und in Imsterberg verarbeitete Wasser soll in einem weiteren Kraftwerk bei Haiming erneut durch Turbinen geschickt werden. Das verbessert grundsätzlich auch den Zustand des Inn bis Haiming.

Offenbar keine Verbesserung des Inn-Zustandes

Dieses Wasser erneut zur Energiegewinnung zu verwenden sei grundsätzlich sinnvoll, sagt Tirols Landesumweltanwalt Walter Tschon. Weil dadurch auch die für die Fischfauna günstige Restwasserstrecke von Fließ bis Haiming verlängert wird, ergänzt Zacharias Schähle vom Tiroler Fischereiverband. So wie das Projekt aber derzeit geplant sei und betrieben werden soll, gäbe es keine markante ökologische Verbesserung für den Inn, sind sich beide einig.

Vor allem weil seitens der Tiwag geplant sei, gerade im Mai und September – also in Monaten, die für das Aufkommen von Jungfischen besonders wichtig sind – mehrmals künstliche Schwälle für die Rafter zu erzeugen, so Tschon. Diese Schwälle und der damit verbundene Sunk führe dazu, dass Jungfische zu tausenden verenden, weil sie mit den sich unnatürlich rasch ändernden Pegelständen nicht zurechtkommen, ergänzt Schäle.

Sunk-Schwall-Problematik

Das Öffnen von Schleusen bei Kraftwerken lässt den Pegel des Inn unnatürlich rasch steigen, das nennt man Schwall. Werden die Schleusen geschlossen, kommt es zum raschen Sunk, von dem viele Jungfische, die sich meist in Ufernähe aufhalten, überrascht werden, stranden und verenden.

Ab Haiming bleibt Sunk-Schwall-Problematik

In Haiming soll das abgearbeitete Wasser wieder zurück in den Inn geleitet werden. Dafür plant man seitens der Tiwag ein Ausgleichsbecken von rund 200.000 Kubikmetern. Seitens des Landesumweltanwaltes und auch der Fischerei wünscht man sich hier ein größeres Ausgleichsbecken, weil damit die Sunk-Schwall-Problematik Inn-abwärts besser reguliert werden könne.

Seitens des Fischereiverbandes hofft man, dass die zuständige Behörde im Landhaus in ihrem Bescheid eine Verbesserung des Inn-Zustandes anstrebt. Es gibt gesetzlich gesehen bei Kraftwerksneubauten ein Verschlechterungsverbot und ein Verbesserungsgebot, erklärt Schähle. Diese Chance einer Verbesserung jetzt nicht zu nutzen, wäre aus seiner Sicht fatal.

Jungäschen
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Künstlich erzeugte Schwall-Sunk Ereignisse können solchen Jungäschen zum Verhängnis werden.

Ähnlich sieht das auch der Landesumweltanwalt. Er hofft, dass es noch weitere Gespräche diesbezüglich gibt: „Es fehlt bei diesem Projekt nur wenig, damit es zu einer Win-Win-Situation kommt. Ich hoffe darauf, dass hier auch der neue Aufsichtsratschef der Tiwag, Anton Mattle, positiv vermitteln kann“, so Tschon. Man könne den Landesfluss Inn durchaus als Energiespender nutzen, müsse ihm aber auch dafür etwas Natur zurückgeben, ergänzt Schähle.

UW-Becken Haiming
TIWAG
So soll das Ausgleichsbecken in Haiming in etwa aussehen. Laut Umweltanwalt könnte es deutlich größer sein, um die Sunk-Schwall Problematik im Inn ab Haiming abzufedern.

Tiwag spricht von ausgewogenem Projekt

Seitens der Tiwag zeigt man Verständnis für die Verbesserungswünsche verweist aber auch darauf, dass man in Summe insgesamt 180 Millionen Euro zur Verbesserung der Sunk-Schwall-Problematik am Inn investiert. Neben dem geplanten Ausgleichsbecken in Haiming werde auch in Silz ein Ausgleichsbecken entstehen und das GKI-Kraftwerk im Grenzbereich zur Schweiz verbessere den Sunk-Schwall bis Prutz wesentlich, so Tiwag-Vorstand Johann Herdina.

Beim geplanten Kraftwerk Imst-Haiming galt es für die Tiwag nicht nur die ökologischen Interessen, sondern auch jene der Raftingunternehmen zu berücksichtigen. „Wir glauben hier ein sehr ausgewogenes Projekt zur Einreichung gebracht zu haben. Was die künstlichen Schwälle im Mai und September für die Rafter betrifft, werden diese sehr langsam ausgelöst und wieder zurückgefahren“, so Herdina im ORF-Interview. Letztendlich sei jetzt aber die Behörde am Zug.

UVP-Behörde ist am Zug

Das UVP-Verfahren ist mittlerweile abgeschlossen, jetzt heißt es warten auf eine Entscheidung in erster Instanz. Diese wird von der UVP-Behörde im Landhaus gefällt.

Was einen möglichen Einspruch und ein damit verbundenes längeres Genehmigungsverfahren betrifft, sei dieses seitens der Tiwag im Zeitplan mit einkalkuliert, so der Bauvorstand des Tiroler Energieversorgers.