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Wirtschaft

Markanter Anstieg bei Zahl der Insolvenzen

Die Zahl der Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist im ersten Halbjahr deutlich angestiegen. Wie der KSV1870 berichtet, sind damit die Zahlen ähnlich denen vor der Coronaviruskrise. Bei den Privatinsolvenzen gab es bundesweit in Tirol den stärksten Anstieg.

Um 65,1 Prozent sind die Privatkonkonkurse im ersten Halbjahr 2022 laut einer Hochrechnung des KSV1870 angestiegen. Damit liegt man deutlich über dem Bundesschnitt von 32,6 Prozent. 312 Insolvenzverfahren von Privatpersonen an Tiroler Bezirksgerichten sei gleichbedeutend mit einer Zunahme um 123 Verfahren im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

Der Kreditschutzverband spricht von einer „Rückkehr zur Normalität“. Vergleiche man die heurige Anzahl der Privatinsolvenzen mit dem Jahr 2019, liege man auf einem ähnlichen Niveau. Ein Nachzieheffekt aufgrund der Möglichkeiten einer günstigeren Entschuldung seit dem Sommer 2021 ist laut dem KSV1870 moderat ausgefallen.

Höhe der Verbindlichkeiten weniger stark gestiegen

Auffallen sei, dass die in den Privatinsolvenzverfahren verzeichneten Passiva im Vergleich zum Vorjahr in Tirol kaum angewachsen sind. Trotz einem Plus von 65,1 Prozent bei der Anzahl der Insolvenzen kam es bei den Verbindlichkeiten lediglich zu einer Steigerung um 8,3 Prozent. Laut dem KSV1870 ist das ein Hinweis darauf, dass vermehrt echte Private und nicht ehemalige Unternehmer, welche im Schnitt deutlich höhere Verbindlichkeiten aufweisen, den Weg in die Schuldenregulierung beschritten haben.

Mehr Menschen werden wirtschaftlich zu kämpfen haben

Was die Zukunft betrifft, ist laut dem KSV1870 zu befürchten, dass in den nächsten Wochen und Monaten auch in Tirol mehr Menschen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben werden. Der Verband erwartet steigende Zahlen bei Privatinsolvenzen, einen Ansturm auf die Bezirksgerichte werde es aber nicht geben.

Schwächelnde Betriebe müssen vermehrt vom Markt gehen

Bei den Unternehmensinsolvenzen verzeichnet der KSV1870 einen Anstieg um 141 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2021. In den ersten sechs Monaten des Jahres seien in Tirol 147 Unternehmen insolvent geworden. In Relation zum Jahr 2019 betrage der Zuwachs aber gerade einmal zwei Prozent. Durch die Stundungen von öffentlichen Abgaben und dem Aussetzen der Insolvenzantragstellungen durch öffentlich-rechtliche Gläubiger habe es in den letzten beiden Jahren kaum insolvente Betriebe gegeben.

Von den Förderungen der öffentlichen Hand in den letzten beiden Jahren hätten gerade schwächelnde Betriebe überproportional stark profitieren können. Man erlebe aktuell, dass viele, seit Jahren wirtschaftlich sehr schwach aufgestellte Unternehmen, aus dem Markt ausscheiden müssen, so Klaus Schaller, Leiter des KSV1870-Standortes in Innsbruck.

Prognose: Weiterer Anstieg bei Firmeninsolvenzen

In den Insolvenzzahlen dieses Jahres bisher nicht abgebildet sind laut Schaller die Preisentwicklungen im Energie- und Rohstoffbereich der letzten Wochen. Klar ist für Schaller, dass die Probleme mit den nicht einwandfrei funktionierenden Lieferketten die heimische Wirtschaft längerfristig in ihrer Entwicklung bremsen werden. „Aus diesen Gründen ist davon auszugehen, dass mittelfristig die Insolvenzzahlen in Tirol doch deutlich anziehen werden“, so Schaller. Der zu erwartende Anstieg werde sich aber in einem durchaus üblichen Rahmen abspielen. Positiv erwähnt man beim KSV, dass in Tirol im Jahr 2022 Großinsolvenzen bisher ausgeblieben sind.