Michael Mayr war der erste Bundeskanzler Österreichs
Sturmberger, aus dem Privatarchiv von Maria Postlmayr
Sturmberger, aus dem Privatarchiv von Maria Postlmayr
Politik

100. Todestag des ersten Bundeskanzlers

Am 21. Mai jährt sich der Todestag von Michael Mayr zum 100. Mal. Der gebürtige Oberösterreicher war nicht nur der erste Bundeskanzler Österreichs, sondern auch Landesarchivar und Landtagsabgeordneter mit langzeitigem Lebensmittelpunkt in Tirol.

Anlässlich des Jahrestages erinnerte das Land Tirol an seine Verdienste im Rahmen der Entstehung der Bundesverfassung und somit auch auf die wesentliche Rolle Mayrs in der Entwicklung der Tiroler Landesordnung (TLO). Bis heute bildet die TLO in ihrer aktuellen Fassung das Fundament für das Zusammenleben in Tirol, betonte das Land in einer Aussendung.

„Michael Mayr ist es mit zu verdanken, dass Tirol Teil der Österreichischen Republik geblieben ist und heute eingebettet in die Bundesverfassung und die Europäische Union als Modell für regionale Partnerschaft im vereinten Europa steht“, betonte LH Günther Platter (ÖVP).

Michael Mayr
unbekannt
Michael Mayr wurde am 10. November 1920 erster Bundeskanzler Österreichs

Die Tiroler Landesordnung bilde den Rahmen der Ausschuss- und Plenarsitzungen sowie die Grundlage für die Entwicklung von Gesetzesentwürfen. Sie sei ein wichtiges Instrument und wäre ohne die Vermittlungsstärke von Michael Mayr in dieser Form wahrscheinlich nicht zustande gekommen, würdigt Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann (ÖVP) die Rolle des ehemaligen Abgeordneten Michael Mayr.

Beginn der politischen Karriere im Tiroler Landtag

Michael Mayr kam 1864 in Adlwang in Oberösterreich auf die Welt, zunächst studierte er Geschichte und Geographie an der Universität Wien und übernahm später die Leitung des heutigen Tiroler Landesarchivs. Überdies wurde der Historiker zum außerordentlichen Professor für Neuere Geschichte mit Schwerpunkt Tiroler Geschichte an der Universität Innsbruck ernannt und begann seine politische Karriere als Abgeordneter der Christlichsozialen im Tiroler Landtag.

Michael Mayr war der erste Bundeskanzler Österreichs
Sturmberger, aus dem Privatarchiv von Maria Postlmayr
Michael Mayr

Als Diplomat und Gesandter Tirols in der Schweiz unterwegs wurde er kurze Zeit später in die Nationalversammlung, dem damaligen österreichischen Parlament, entsandt. Als Staatssekretär unter der Regierung Renner III leitete er die Arbeitsgruppe, die für die Ausarbeitung der Verfassungs- und Verwaltungsreform zuständig war.

Am 10. November zum Bundeskanzler ernannt

Wie das Land in einer Aussendung betonte, fungierte Michael Mayr somit als Bindeglied zwischen dem Bund und den Ländern und förderte als Grundlage der Bundesverfassung letztendlich auch eine vermittelnde Lösung. Für die endgültige Entwicklung des Bundes-Verfassungsgesetzes (B-VG) hatte der „Privatentwurf Mayr“, mit dem er durch die Landeshauptstädte reiste und die Länder schlussendlich überzeugen konnte, eine sehr große Bedeutung.

Unmittelbar nach Inkrafttreten des B-VG im Jahr 1920 wurde Mayr am 10. November zum ersten Bundeskanzler der Republik Österreich ernannt, nachdem er nach Karl Renner von Juli bis November 1920 bereits als Staatskanzler diente. Er amtierte bis zum 1. Juni 1921.

Amtszeit geprägt von Anschlussbestrebungen

Wie der Direktor des Tiroler Landesarchivs, Christoph Haidacher, erklärte, sei Mayrs kurze Amtszeit von nicht einmal einem Jahr auch geprägt von starren Anschlussbestrebungen an Deutschland. Dies war jedoch der jungen Republik im Friedensvertrag von St. Germain verboten worden.

Als nach erfolgreichen Abstimmungen in Tirol und Salzburg eine weitere in der Steiermark stattfinden sollte, habe Michael Mayr, der in Paris und London um Auslandskredite für den maroden Staatshaushalt geworben hatte, sein politisches Schicksal mit dieser Frage verbunden. „Die Enttäuschung über die Haltung seiner Parteifreunde, die an dieser Abstimmung festhielten, veranlasste Michael Mayr im Juni 1921 als Bundeskanzler zurückzutreten“, erklärt Haidacher.

Mit 58 Jahren in Oberösterreich gestorben

Daraufhin wurde Mayr vom Bundesrat zum Mitglied des Verfassungsgerichtshofes gewählt, bevor er im Mai des Folgejahres mit nur 58 Jahren im Waldneukirchen in Oberösterreich im Kreise seiner Verwandtschaft verstarb.