Kinder auf einer Straße in Thaur
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Ukraine-Krieg

3.000 Vertriebene suchen Schutz in Tirol

Zwei Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs haben 3.000 Geflüchtete in Tirol Schutz gesucht und sich registrieren lassen. Darunter sind auch 700 Kinder, die hier in die Schule gehen. Das Land sieht sich auch für eine deutlich höhere Zahl an Flüchtenden gerüstet.

Die Zahl der Kinder, Frauen und Männer, die aus der Ukraine fliehen und nach Tirol kommen und sich hier registrieren lassen, ist seit einiger Zeit konstant niedrig, sagt Bernd Noggler, Koordinator des Sonderstabs Ukraine des Landes. 20 bis 30 Personen würden sich derzeit täglich im Haus Marillac in Innsbruck registrieren lassen.

Insgesamt flüchteten seit Ausbruch des Krieges mehr als sieben Millionen Personen aus der Ukraine. Rund 280.000 Personen suchten – zumindest vorübergehend – Zuflucht in Österreich, allerdings reiste der Großteil in andere Länder weiter.

Nur 17 Prozent seien in Österreich geblieben, davon würden sich derzeit etwas mehr als 3.000 Geflüchtete in Tirol aufhalten, informierte Noggler. Dazu zählen auch die rund 250 Jugendlichen aus ukrainischen Kinderheimen, die hier Zuflucht finden – mehr dazu in 250 Heimkinder aus der Ukraine in Tirol.

Bernd Noggler
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Bernd Noggler leitet den Sonderstab Ukraine des Landes

„Haus Marillac mit hervorragender Infrastruktur“

70 Prozent der in Tirol registrierten Geflüchteten seien Frauen. „45 Prozent der Personen sind jünger als 17 Jahre, sechs Prozent älter als 64 Jahre“, sagt Noggler. Das Haus Marillac in Innsbruck habe sich seiner Meinung nach als Ankunftszentrum bewährt – mehr dazu in Ankunftszentrum für Geflüchtete in Innsbruck.

Das Haus biete eine hervorragende Infrastruktur für die ganzen Abläufe, die bei diesen Erfassungsschritten nötig seien – die medizinische Versorgung, die polizeiliche Erfassung, die medizinischen Checks oder die Ausstattung mit Sachgütern, die die Geflüchteten nach einer Einreise brauchen. Das Haus verfüge darüber hinaus über Ruheräume und biete Privatsphäre. Dass das Haus Marillac eine sehr angenehme Umgebung sei, würden auch die nach Innsbruck Geflüchteten bestätigen, sagt Noggler.

Haus Marillac
APA/EXPA/Johann Groder
Das Haus Marillac in Innsbruck ist derzeit das einzige Ankunftszentrum in Tirol

Sollte die Zahl der Personen, die aus der Ukraine nach Tirol kommen, deutlich steigen, könne man ab dem Ende der nächsten Woche auch das frühere Hotel Europa in Innsbruck nutzen. Die Adaptierungsmaßnahmen seien mittlerweile abgeschlossen, so Noggler. Dies sei jedoch nur dann nötig, wenn die Zahl der Flüchtenden auf deutlich mehr als 100 pro Tag steige.

Zusätzlich laufen nach wie vor Planungen auch in Kufstein in Bahnhofsnähe ein Ankunftszentrum zu installieren. Das würde aber noch dauern.

Hotel Europa in Innsbruck
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Das frühere Hotel Europa wurde zu einem Ankunftszentrum umgebaut

Genügend Unterkünfte in Tirol vorhanden

Sollte es nötig sein, könne man in Tirol sofort einige hundert Unterkünfte für Geflüchtete bereitstellen, erklärte Bernd Noggler. Seit einiger Zeit würden zudem private Unterkünfte begutachtet und beurteilt, wer sie benützen könne. Da gäbe es deutlich mehr als 1.000, die man relativ schnell aktivieren könnte.

Es gebe somit weder bei der Registrierung noch bei der Verteilung der Personen in die Unterkünfte logistische Probleme. „Wir sind in der Planung, in der Vorbereitung einen Schritt voraus, und das ist für diese Situation sehr wichtig“, betont der Koordinator des Sonderstabs Ukraine.

Knapp 700 Kinder aus der Ukraine lernen in Tirol

Aktuell seien rund 590 ukrainische Kinder an Tiroler Schulen zugeteilt, teilte die Bildungsdirektion mit. 38 Kinder seien noch keiner Schule zugeteilt, 65 verfolgen in Form von Distance Learning weiter ihre ukrainische Ausbildung.

Im mittleren und höheren Schulbereich seien derzeit keine Lehrerinnen und Lehrer mit ukrainischen Sprachkenntnisssen tätig, teilte Bernhard Deflorian von der Bildungsdirektion mit. Im Pflichtschulbereich würden derzeit 15 ukrainischsprachige Lehrerinnen und Lehrer eingesetzt.