Luchs im Alpenzoo Innsbruck
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Tiere

Luchse: Rückkehr auf leisen Pfoten

Das Jahr 2022 ist das Jahr der Luchse. In ganz Europa wurde der einst weit verbreitete Eurasische Luchs so gut wie ausgerottet. Sehr langsam kehren die Luchse zurück. Auch in Tirol gibt es vereinzelt Nachweise. Die Botschafter ihrer Art leben aber in unseren Zoos.

Wenn der Luchs als größte Raubkatze Europas etwas noch besser kann als Hören, Riechen und Sehen – dann ist es, sich auf leisen Pfoten unsichtbar zu machen. Wir Menschen in Tirol können sie meist nur im Innsbrucker Alpenzoo oder im Wildpark in Aurach bei Kitzbühel bewundern. Aber kurz vor Weihnachten tappte ein Luchs im Ötztal in eine Fotofalle. Modernste Technik kam ihm auf die Spur. Auch ein DNA-Nachweis wurde an einer gerissenen Gams gefunden. Wieder angesiedelt ist die extrem scheue Raubkatze in Tirol aber noch lange nicht.

Luchs im Innsbrucker Alpenzoo
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Heimliche Grenzgänger

Der Direktor des Innsbrucker Alpenzoos, André Stadler sagte bei unserem Besuch: „Erst durch Wiederansiedelungsprojekte vor allem in der Schweiz kommen die Luchse langsam zurück. Derzeit haben wir etwa 20 bis 30 Tiere in ganz Österreich.“ Eine fixe Population ist das nicht. Die Luchse, die vielleicht einmal in der Aufnahme einer Wildkamera zu sehen waren, sind Grenzgänger aus der Schweiz, aus Bayern, Slowenien oder Tschechien. Auch im Nationalpark Kalkalpen tauchen sie vereinzelt wieder auf.

Ihr natürlicher Lebensraum sind große, zusammenhängende Waldgebiete. In der Dämmerung und im Dunkel der Nacht jagen sie kleine Säugetiere wie Mäuse und Hasen, aber auch größere wie Rotwild. Ihre Beute hetzen sie nicht. Vielmehr verlassen sie sich auf ihren sprichwörtlichen Hörsinn und ihre Fähigkeit, sich fast lautlos zu bewegen. „Bei einem Raubtier ist nur jede 10. Jagd erfolgreich,“ erklärte Stadler.

In der Literatur wird beschrieben, dass sie eine Maus auf eine Entfernung von 50 Metern hören können. Nicht von ungefähr hat sich in unserem Sprachgebrauch der Satz eingeprägt: „Hören wie ein Luchs“ Die für Luchse so typischen Ohrenpinsel, die jedes Kind kennt, sind Tasthaare. Mit ihnen kann sich die große Katze sicher und schnell im Dunkeln des Waldes bewegen.

Junger Luchs im Alpenzoo Innsbruck
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Botschafter ihrer Art bleiben im Zoo

Ein Luchs-Paar und zwei im Juli geborene Jungen sind derzeit im Innsbrucker Alpenzoo zu sehen. Mit 15 bis 20 Kilogramm Gewicht sind die Elterntiere beeindruckend groß, wenn man ihnen so nahe kommt. Ausgewildert werden die beiden Jungtiere nicht. „Unsere Luchse werden von Menschenhand gefüttert und sie sind an uns gewöhnt. Sie haben Futter mit Menschen verbunden, in der Wildnis würde es dadurch Probleme geben. Die Luchse würden in die Dörfer gehen und dort nach Futter suchen. Das wollen wir natürlich nicht.“ Die Jungtiere werden im Rahmen von Artenschutzprogrammen an andere Zoos weitergegeben.

Streng geschützte Großkatze

Die Tiere im Alpenzoo sieht Stadler als Botschafter ihrer Art. Nur wer ihre Einzigartigkeit, ihre Schönheit und ihren Wert für die Natur erkennt, wird sie mit offenen Armen auch wieder in der Wildnis begrüßen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg für die streng geschützten Luchse, die in Tirol bis zu ihrer Ausrottung heimisch waren. 1887 wurde in Tirol der letzte Luchs abgeschossen.

„Natürlich gibt es auch heute noch in Einzelfällen illegale Abschüsse von Luchsen. Das größte Problem sind aber die Straßen und Bauten der Menschen, die die ursprünglichen Lebensräume der Wildtiere zerschnitten haben. Die wenigen Luchse, die es in Österreich gibt, können nicht zusammenkommen.“ Gegen Straßen und Bahnen haben Luchse keine Chance. Erst im vergangenen Jahr wurde ein Luchs in Fließ im Oberland überfahren.

Luchs im Innsbrucker Alpenzoo
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Überleben in aller Stille

Luchse sind Einzelgänger. Sie jagen im Schutz der Dämmerung und in der Dunkelheit ihre Beute. Sie hetzen sie nicht, sondern schleichen sich an. Gefressen wird meist auf einem Baum oder an einer besonders geschützten Stelle. Außer den Menschen sind Wölfe ihre natürlichen Feinde.

Luchse sind stille Wanderer. Sie brauchen große Reviere von 100 bis 450 Quadratkilometern, je nach Futterangebot. Einen Luchs in freier Wildbahn zu sehen, sei ein unglaubliches Glück, sagt der Alpenzoo-Direktor. Er wünscht sich für ihre Zukunft: „Wir sollten uns freuen, wenn sie zurückkommen und keine Angst vor ihnen haben. Wir werden sie nicht zu Gesicht bekommen, denn sie haben uns schon lange vorher bemerkt und ziehen sich dann zurück. Sie wollen nicht entdeckt werden, denn das ist ihre Überlebensstrategie.“