Die Scheinwerfer sind erloschen, das Gesicht ist abgeschminkt, von Alkohol und Zigaretten gezeichnet blickt Romy Schneider am Beginn der Innsbrucker Inszenierung auf ihr Leben zurück, voller Erfolge aber auch voller tragischer Momente. Der Choreograf Enrique Gasa Valga lässt die labile Diva von einem tanzenden Schatten begleiten, der das Schicksal verkörpert.

Verhasstes Sissi-Image
Mit der Rolle der Kaiserin Sissi wird die junge Schauspielerin Rosemarie Albach-Retty als Romy Schneider 1955 über Nacht berühmt. In Deutschland sehen mehr als sechs Millionen Zuschauer jede der drei Sissi-Folgen. Sogar Hollywood macht dem Jungstar Angebote. Nur schwer gelingt es der Schauspielerin später, das Image vom süßen Wiener Mädel wieder loszuwerden.
Als Sinnbild für das verhasste Sissi-Image lässt Bühnenbildner Helfried Lauckner das typische, weiße Kleid der Kaiserin aus Theaterpapier auf der Bühne live in Flammen aufgehen. Er entwirft ein kühles, leeres Filmstudio, um die Einsamkeit des gefeierten aber unglücklichen Stars zu vermitteln.
Choreograf Gasa Valga spart auch die Nähe von Romys Mutter, Magda Schneider zum Nationalsozialismus nicht aus. Er zeigt die Familie auf einem der legendären Filmbälle. Magda Schneider ist eine gefragte Filmschauspielerin der UFA. Sie versucht ihre Tochter um jeden Preis zu vermarkten, Romy löst sich nur schwer aus der familiären Umarmung.
Die erst 25-jährige Camilla Danesi von der Tanzcompany Innsbruck übernimmt ihre erste Hauptrolle. Davor habe sie noch nie etwas von Romy Schneider gehört, schmunzelt die aus Carrara stammende Ballerina, doch ihre Mutter sei begeistert, dass sie das Leben des Filmstars tanzen wird.
Die jugendlichen Szenen und die große Liebe zu Alain Delon in Paris darzustellen, würde ihr leichter fallen, so Danesi. Eine schauspielerische Herausforderung sei es für sie, die tragischen Momente, etwa den Schock nach dem Selbstmord des Exmannes Harry Meyen oder die Trauer nach dem tragischen Unfalltod des erst 14-jährigen Sohnes David überzeugend auf die Bühne zu bringen, gibt die junge Tänzerin offen zu.

Sendungshinweis
Österreich-Bild
„Getanzte Geschichten
Die Tanzcompany Innsbruck“
Sonntag, 10. Oktober,
18.25 Uhr, ORF 2
Geschichten, die Gänsehaut erzeugen
Der Choreograf Enrique Gasa Valga leitet die Tanzcompany Innsbruck seit 2009. Ihm geht es in seinen Stücken weniger um abstrakte oder experimentelle Bilder, er will Geschichten erzählen, die unter die Haut gehen. Das abwechslungsreiche Leben von Romy Schneider würde die perfekte Mischung für ein Tanztheater bieten, so Gasa Valga, alles sei enthalten, Lebenslust, Drama und Liebe.
Film und Wirklichkeit verschwimmen
Eindrucksvoll zeigt Gasa Valga die Dreharbeiten zu Schneiders skandalumwitterten Film „Nachtblende“ auf der Bühne des Tiroler Landestheaters. Darin spielt sie eine gescheiterte Schauspielerin, die den Anweisungen der Regisseurin nicht mehr folgen kann. Für diese Rolle gewinnt Romy Schneider 1975 den César als beste Schauspielerin. Im Grunde habe sie sich damals stellenweise selbst gespielt, resümiert Gasa Valga.

„Lasst Romy endlich in Ruhe“
Der Choreograf hat sich intensiv mit der Biografie von Romy Schneider beschäftigt. Ihn berührt vor allem, wie gnadenlos der Star von der Klatschpresse gejagt wird. Nach dem Unfalltod des Sohnes David versuchen Paparazzi eine Großaufnahme der weinenden Mutter zu schießen. Ihr Leben wird ausgeschlachtet.
„Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren“, schreibt Romy Schneider ein Jahr vor ihrem Tod. Am 29. Mai 1982 stirbt sie in ihrer Pariser Wohnung, angeblich an Herzversagen. Mit der berührenden Ballade „Heaven stood still“ von Willy DeVille beendet Gasa Valga seine Darstellung der Ikone.