Die neuronalen Verbindungen im Gehirn
ORF
ORF
Wissenschaft

Verbesserte Prognose bei Multipler Sklerose

Im Rahmen einer Beobachtungsstudie haben Innsbrucker Forscher einen Biomarker entdeckt, der genauere Prognosen über den Krankheitsverlauf bei Multipler Sklerose ermöglicht. Das sei ein Schritt zu besser abgestimmten Behandlungsmethoden.

Bei dem neu entdeckten Biomarker handelt es sich um ein Protein, das in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit nachweisbar ist. Es handelt sich dabei um sogenannte „kappa-freie Leichtketten (kappa free light chain)“. Patienten mit einem hohen Index dieses Proteins haben ein vierfach erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf von Multiple Sklerose.

Bei den Patientinnen und Patienten der Innsbrucker Studie wurde festgestellt, dass Betroffene mit erhöhtem Wert des Biomarkers innerhalb eines Jahres einen zweiten Krankheitsschub hatten. Bei Studienteilnehmern mit geringerem Index trat der zweite Multiple-Sklerose-Schub dagegen durchschnittlich erst nach drei Jahren auf.

Genauere Einschätzung kann Behandlung verbessern

Auch unter Berücksichtigung anderer Prognosefaktoren wie Alter oder Geschlecht erwies sich der Biomarker-Index als Signal, „mit dem Patientinnen und Patienten mit höherer Krankheitsaktivität früh identifiziert und damit der für sie geeigneten Therapie zugeführt werden können“, unterstrich Neuroimmunologe Harald Hegen von der Innsbrucker Medizin-Uni. Damit könnte auch eine auf die Betroffenen zugeschnittene MS-Behandlung näher rücken, verwiesen die Forscher auf den Nutzen der Beobachtungsstudie mit 88 Teilnehmern.

Der Neuroimmunologe Harald Hegen von der Medizin Universität Innsbruck
Martin Vandory
Der Neuroimmunologe Harald Hegen forscht seit zehn Jahren in Innsbruck über Multiple Sklerose

„Der neue Biomarker birgt einen zusätzlichen Nutzen zu bereits etablierten Risikofaktoren und bringt uns einen Schritt näher zur individualisierten Behandlung von MS“, so Hegen in einer Aussendung. Wie lange Betroffene ab Beginn der Erkrankung ohne Einschränkungen bleiben oder wann der nächste Krankheitsschub auftritt, sei bisher kaum verlässlich vorherzusehen gewesen. „Um den Nutzen gegen die Risiken der verschiedenen Immuntherapien im Einzelfall abzuwägen, ist aber die Erstellung einer individuellen Prognose notwendig“, erklärte der Neuroimmunologe. Gemeinsam mit Kollegen aus Wien und Graz sei es gelungen, dafür den Biomarker in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit zu identifizieren.