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Prinoth
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Wirtschaft

Tirol als Zentrum der Wasserstofftechnologie

Was die Zukunftstechnologie mit Wasserstoff betrifft, sollen österreichweit die Fäden in Tirol zusammenlaufen. Das haben das Land, die Standortagentur und das Wirtschaftsministerium am Freitag bekräftigt. Die vielseitige Nutzung von Wasserstoff könne gerade in Tirol sehr gut eingesetzt werden, hieß es in Innsbruck.

Bei der Mobilität auf der Straße vor allem im Schwerverkehr, in der Produktion, der Industrie und als Speichersystem: Wasserstoff ist als Energieform überaus vielfältig und diese Vielfalt solle auch genutzt werden. Die Fäden für Forschung und Anwendung sollen österreichweit in Tirol gebündelt werden, kündigten am Freitag Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Landeshauptmann Günther Platter (beide ÖVP) bei einer Pressekonferenz in Innsbruck an.

Wasserstoff-Batterieantriebssystem, entwickelt von AVL
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Wasserstoffautos gibt es bereits, durchsetzen wird sich die Technologie aber vermutlich mehr im Schwerverkehr für lange Strecken, hieß es am Freitag aus dem Wirtschaftsministerium

Tiroler Firmen setzen bereits auf Wasserstoff

Schon jetzt setzen manche Tiroler Unternehmen auf die Technologie Wasserstoff. Die Tiroler Supermarktkette M-Preis etwa baut in ihrer Zentrale in Völs gerade eine Elektrolyse-Anlage, in der Wasserstoff produziert werden soll. Die Zillertalbahn, die künftig mit Wasserstoff fahren soll ist ein weiteres Beispiel, ebenso das Tiroler Industrieunternehmen Thöni in Telfs, das nicht nur den Transport, sondern auch die Produktion auf Wasserstoff umstellen will. Für die TIWAG als Energieversorger, ist Wasserstoff als Speicher-Medium für Strom interessant. „Wasserstoff ist eine besonders vielseitige Energieform. Er soll ein weiteres Standbein neben der Wasserkraft für die Energiewende sein,“ betonte LHStv. und Energiereferent Josef Geisler (ÖVP) am Freitag.

Zillertalbahn
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Auch die Zillertalbahn, hier eine Aufnahme vor der Pandemie, soll künftig mit Wasserstoff fahren

Wasserstoff im Schwerverkehr

„Wasserstoff wird im Straßenverkehr vor allem für Lkws und Busse eine Rolle spielen, also für die langen Strecken,“ sagte Staatssekretär Magnus Brunner. „Im Individualverkehr werden sich wohl die E-Autos durchsetzen, im Transit- und Busverkehr sei Wasserstoff eine geeignete Alternative.“ Auch mit Wasserstoff betriebene Pistengeräte wurden bereits vorgestellt.

Natürlich müsse die Infrastruktur erst aufgebaut werden. Sie soll für Lkws und Busse im Raum Kufstein entstehen. „Das ist wie mit der Henne und dem Ei,“ meinte Josef Geisler. „Wartet man erst auf die Lkw-Flotten oder baut man zuerst die Ladestationen. Wir wollen jedenfalls die Infrastruktur anbieten.“

Geld fließt in den Wasserstoff

Für Personal und Infrastruktur stehen in den kommenden drei Jahren von Land und Bund rund 900.000 Euro zur Verfügung. Eine Investition auch in den Wirtschaftsstandort Tirol", zeigte sich Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck am Freitag in Innsbruck sicher. Was den Wasserstoff betreffe, solle Tirol hier eine Vorzeigeregion werden, sagte Landeshauptmann Günther Platter.

Standortagentur als Anlaufstelle

Als „Wasserstoff-Knotenpunkt“ soll die Tiroler Standortagentur dienen. Sie soll Anlaufstelle für interessierte Unternehmen sein und werde sie entsprechend vernetzen, erklärte der Geschäftsführer Marcus Hofer. Die Technologie solle so am Standort Tirol weiterentwickelt und ausgebaut werden. Das sei eine große Chance für den Wirtschaftsstandort Tirol, auch im Hinblick auf Arbeitsplätze.

Investition in grünen Wasserstoff

Die Bestrebungen der Bundesregierung zur Energiewende beziehen sich in ihrer nationalen Wasserstoffstrategie auf grünen Wasserstoff. Er wird nicht aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt, wobei für die Elektrolyse ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz kommt, so das Bundesforschungsministerium.

Unabhängig von der gewählten Elektrolysetechnologie erfolgt die Produktion von Wasserstoff CO2-frei, da der eingesetzte Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt und damit CO2-frei ist.

Energie-Effizienz soll noch steigen

Bei der Wasser-Elektrolyse zur Produktion von Wasserstoff mit erneuerbarem Strom liegt die Effizienz bei derzeit rund 60 Prozent. Das heißt: Rund 60 Prozent der Energie, die für die Elektrolyse aufgewendet wird, wird auch in Wasserstoff gebunden. Weil im Bereich der Wasserstoffherstellung derzeit allerdings massiv geforscht wird, ist davon auszugehen, dass sich ihre Effizienz in den kommenden Jahren durch Forschung und Entwicklung noch deutlich steigern lässt. Zudem gilt: Wird die anfallende Wärme der Elektrolyse weiterverwertet, lassen sich weit höhere Wirkungsgrade erzielen.