Containerzug im Inntal auf dem Weg zum Brenner
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Verkehr

Bayern: Brennerzulauf zu 60 Prozent im Tunnel

Die Deutsche Bahn hat am Dienstag die endgültige Trasse für den künftigen Brennerzulauf in Bayern präsentiert. Die deutsche Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel (BBT) soll östlich an Rosenheim vorbeiführen und zu 60 Prozent unterirdisch verlaufen.

Mit der Vorstellung am Dienstag wurde die langjährige Trassensuche in Bayern abgeschlossen. Die Deutsche Bahn kündigte an, dass damit die Vorplanung für die sogenannte „violette“ Variante gestartet werde und in der Folge die Detailplanung erfolgen soll. In Bayern gibt es allerdings auch Widerstand aus der Bevölkerung gegen eine komplett neue Schienenstrecke, betroffene Anrainer befürchten zusätzliche Belastungen. Der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) betonte bei der Präsentation, dass bei Planung und Realisierung der neuen Bahntrasse ein maximaler Schutz für Anwohner und Natur gewährleistet sein muss.

Zuletzt waren nach einer langen Vorauswahl noch vier mögliche Bahntrassen für die Strecke von der Grenze bei Kufstein bis nördlich von Rosenheim übriggeblieben, die farblich gekennzeichnet waren. Die Auswahl fiel auf die violette Variante, die östlich an Rosenheim vorbeiführt. Laut Deutscher Bahn seien die Trassen westlich von Rosenheim nicht realisierbar. Auf die Bedenken aus der Bevölkerung habe man auch mit dem hohen Tunnelanteil und vorgesehenen Lärmschutzbauten reagiert, die die violette Variante auch zur teuersten Trasse machen. Die Kosten wurden von der Deutschen Bahn auf 6,7 bis 7,2 Milliarden Euro beziffert. Jetzt sind weitere Planungen notwendig, bevor der deutsche Bundestag in einigen Jahren die endgültige Entscheidung zu Bau und Finanzierung treffen soll.

Grafik der geplanten Trasse des Nordzulaufs zum Brennerbasistunnel (BBT) in Bayern
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Die violette Trasse wurde für den Neubau des deutschen Bahnzulaufs zum Brennerbasistunnel ausgewählt

Scheuer stellt Bedarf für neue Bahntrasse außer Frage

Der deutsche Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer stellte am Dienstag den Bedarf für eine neue Schienenstrecke in Deutschland für den Nord-Süd-Bahnkorridor über den Brenner außer Frage. Zuletzt hatte ja die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) die Notwendigkeit für den Neubau bezweifelt, weil es noch Kapazitäten auf der bestehenden Strecke gebe. Ihr Parteikollege Scheuer bekräftigte dagegen, dass es langfristig für eine leistungsfähige Bahnverbindung keine Alternative gebe, der Bedarf für den Neubau sei in Deutschland auch gesetzlich verankert.

Nach dem Zeitplan der Deutschen Bahn wird eine Fertigstellung des 54 Kilometer langen BBT-Nordzulaufs in Bayern für das Jahr 2038 angepeilt. Ob dieser Zeitplan angesichts von Widerständen samt rechtlichen Einsprüchen aus der Region halten kann, ist fraglich. Mitte der 2020er Jahre soll der Bundestag den Neubau laut Deutscher Bahn aber endgültig beschließen.

Zulaufstrecke in Bayern erst Jahre nach BBT fertig

Der Bau der Zulaufstrecke in Deutschland wurde von Tiroler Seite seit Jahren mit Vehemenz eingefordert. Das Land befürchtet, dass ohne eine leistungsstarke Bahnstrecke zum Brennerbasistunnel die Verlagerung auf die Schiene nur eingeschränkt möglich ist und es damit kaum Entlastung für die Bevölkerung vom Lkw-Transit gibt.

Trotz der Trassenfestlegung in Deutschland war schon seit langem klar, dass die Zulaufstrecke in Bayern erst Jahre nach dem Brennerbasistunnel fertiggestellt sein wird. Zwar gab es auch beim BBT zuletzt Zweifel am Zeitplan, vor allem wegen der Vertragsauflösung für das Baulos Pfons-Brenner auf Nordtiroler Seite – mehr dazu in BBT: Mindestens ein weiteres Jahr verzögert. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hatte daraufhin eine Fertigstellung des Großprojekts bis 2030 verlangt. Zur Fixierung der neuen Bahntrasse in Bayern meinte Platter am Dienstag, dass jetzt ein erster wichtiger Schritt getan sei. Es liege jetzt an der bayerischen Politik, sich voll hinter das Projekt zu stellen, so der Tiroler Landeshauptmann, der in der Vergangenheit wiederholt die schleppenden Planungen in Deutschland kritisiert hatte.

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Während der Brennerbasistunnel voll im Bau ist, beginnt für die Zulaufstrecke in Bayern erst die Vorplanung der festgelegten Trasse

An Grenze zu Tirol weitgehend unterirdisch

Die geplante Neubaustrecke in Deutschland verläuft an der Grenze zu Tirol fast vollständig unterirdisch. Auf österreichischer Seite soll die Bahnstrecke bei der Verknüpfungsstelle Schaftenau unter der Erde verschwinden und dann in Bayern teilweise parallel zum Inn im Tunnel bis nach Niederaufdorf führen. Nach der dort geplanten Verknüpfungsstelle führt die Trasse dann neuerlich unterirdisch nach Norden Richtung Rosenheim weiter, wobei der Inn im Tunnel unterquert wird. Die beiden größeren Tunnel der Neubaustrecke werden jeweils rund 13 Kilometer lang sein.