Kaninchen im Tierheim
Tierschutzverein Tirol
Tierschutzverein Tirol
Tiere

Tierheime verlangen Aufnahmegebühr

Seit 1. April werden in den Tierheimen des Tiroler Tierschutzvereins in Innsbruck, Wörgl, Schwaz und Reutte Gebühren bei der Abgabe von Tieren verlangt. Der Tierschutzverein begründete diese Entscheidung damit, die hohen Kosten der Versorgung ihrer Schützlinge durch Spendengelder allein nicht mehr decken zu können.

Was in Tirol nun neu eingeführt wurde, wird in anderen Bundesländern schon seit Jahren so gehandhabt. Jetzt wird eine solche Grundaufnahmegebühr für alle Tiere eingehoben, die in einem Tierheim in Tirol abgegeben werden. Für einen Hund etwa 110 Euro – ist er nicht gechippt, nicht geimpft und nicht kastriert auch mehr. Das sind die Kosten, die das Tierheim sonst aufbringen müsste, begründete die Geschäftsführerin des Tierschutzvereins für Tirol, Kristin Müller den Schritt.

Großer weißer Hund im Zwinger im Tierheim Mentlberg
ORF
Wer einen Hund im Tierheim abgibt, muss seit dem 1. April eine Grundaufnahmegebühr bezahlen

Immer mehr kranke Tiere werden abgegeben

Zunehmend würden zum Beispiel Hunde abgegeben, die trotz einer Impf- und Chippflicht in Österreich weder geimpft noch gechippt sind. Die Vermutung liegt nahe, dass solche Tiere noch nie tierärztlich betreut wurden. Viele wurden vermutlich illegal nach Österreich eingeführt, der Handel mit Welpen erlebt gerade wieder einmal einen regelrechten Boom.

Entsprechend schlecht sei häufig auch der Gesundheitszustand, sagte Kristin Müller auf Nachfrage des ORF Tirol. „Immer mehr Tiere, die bei uns abgegeben werden, sind krank oder verhaltensauffällig. Tierarzt-Trainer- und Personalkosten sind in den letzten Jahren ständig gestiegen und steigen weiter.“ Die Aufnahmegebühren decken nicht zu hundert Prozent die Kosten, aber sie unterstützen den Verein, damit er weiterhin für die hohe Anzahl der zu betreuenden Tiere da sein könne. „Damit können wir unseren Schützlingen die tierärztliche Versorgung bieten, die sie oft dringend benötigen.“ Profit werde mit dem Geld nicht gemacht, stellte Kristin Müller klar.

Kaninchen vor Holzhaus
ORF
Glück gehabt und ein neues Zuhause gefunden hat dieses Kaninchen

Noch mehr ausgesetzte Tiere?

Kritiker befürchten, dass durch die Gebühr die Tiere gar nicht mehr in den Tiroler Tierheimen abgegeben, sondern ausgesetzt oder anderweitig „entsorgt“ werden. Vor allem bei Kleintieren wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamstern oder Chinchillas oder auch Katzen, war das aber bisher schon so, bedauerte Kristin Müller: „Wir haben und hatten diese Angst immer schon. Deshalb haben wir eine solche Gebühr bisher auch nicht eingehoben, obwohl das in den anderen Bundesländern schon lange so gehandhabt wird.“ Sie sei in den vergangenen Monaten in intensivem Kontakt mit den Tierheimen in ganz Österreich gestanden. Dort habe man berichtet, dass die Zahl der ausgesetzten Haustiere nicht weiter zugenommen habe.

Dass Menschen ihre nicht mehr geliebten und gebrauchten Tiere einfach in Schachteln irgendwo abstellen, sie in Mülltonnen leeren oder im Wald aussetzen, sei freilich immer wieder vorgekommen. Auch als für die Abgabe der Tiere noch nichts verlangt wurde, berichtete Müller.

Die Tierklappe bleibt bestehen

Die Arche, eine anonyme Annahmestelle für Tiere in den Tierheimen, bleibe aber aufrecht. In die mit einer automatischen Kamera und Wärmelampe eingerichtete Box können auch weiterhin Heimtiere gebracht werden. Meistens werden die Tiere in der Nacht gebracht. „Natürlich immer nur ein Tier auf einmal,“ betonte Müller und wollte damit ausdrücken, dass nicht etwa eine Katze zu einem Kaninchen gesetzt wird. In die Arche wurde etwa ein Großteil der rund 30 Kaninchen abgegeben, die in den vergangenen Wochen in einem Tiroler Tierheim gelandet sind. Das waren die Weihnachtsgeschenke für die Kinder, vermutete man beim Tiroler Tierschutzverein.