Walter Hasibeder
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Coronavirus

Mediziner fordert landesweiten Lockdown

Intensivmediziner Walter Hasibeder hat sich am Montag für einen österreichweiten Lockdown über zwei Wochen ausgesprochen. Nur so könne man die Infektionszahlen senken, um die Lage in den Krankenhäusern in den Griff zu bekommen.

Walter Hasibeder ist Präsident der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin und Leiter der Intensivmedizin im Krankenhaus St. Vinzenz in Zams. Er berichtete, dass derzeit sämtliche Patienten, die in Zams auf der Intensivstation behandelt werden müssen, mit der britischen Mutante infiziert seien.

In der ersten Welle seien die Patienten durchschnittlich 62 Jahre gewesen, Bei der zweiten Welle seien im Durchschnitt 72 Jahre alt gewesen, außerdem hätten sie etwas mehr Vorerkrankungen gehabt. 12,5 Prozent der Intensivpatienten der ersten Welle seien gestorben, in der zweiten Welle sei dieser Wert bei 36 Prozent gelegen.

Britische Mutante auch schon bei zweiter Welle dominant

Dieser deutlich höhere Wert sei allein durch das gestiegene Alter und die Vorerkrankungen nicht erklärbar gewesen. Er gehe davon aus, dass auch bereits bei der zweiten Welle die britische Mutante der Verursacher der Infektion gewesen sei. Diese Mutante, die zuerst in Großbritannien aufgetreten ist, gilt als viel ansteckender und auch gefährlicher für junge Patientinnen und Patienten.

Er sei zwar kein Epidemiologe, allerdings denke er nicht, dass ein sechstägiger Lockdown angesichts der hohen Infektionszahlen genüge, erklärte Hasibeder. Aus seiner Sicht müsste dieser Lockdown 14 Tage dauern, um die Infektionszahlen und senken und die Intensivstationen zu entlasten.

Exponentieller Anstieg in Krankenhäusern erwartet

Derzeit sei die Lage in den Intensivstationen vor allem im Osten angespannt, es sei jedoch nur eine Frage der Zeit, bis dies in ganz Österreich der Fall sei, so Hasibeder.

Patient in Intensivstation
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Mit Stand Montagvormittag wurden in den Tiroler Krankenhäusern 157 CoV-Patienten betreut, 28 brauchten eine intensivmedizinische Behandlung. Damit sei die Lage in den Tiroler Krankenhäusern und den Intensivstationen trotz zuletzt gestiegener Infektionszahlen einigermaßen konstant, das würde sich aber bald ändern, sagte Hasibeder. Der Anstieg würde dann exponentiell verlaufen.

Appell an Bevölkerung

Er appelliere daher sich nicht mit zu vielen Personen zu treffen und jedenfalls sich testen zu lassen, FFP2-Maske zu tragen und Abstand zu halten. Er hoffe, dass in zwei oder drei Monaten ausreichend viele Menschen durch die Impfung geschützt seien, dass die Lage wieder im Griff sei.