Obdachloser
ORF
ORF
Coronavirus

Großer Cluster in der Obdachlosen-Szene

In Innsbruck hat sich ein großer Cluster unter obdachlosen Menschen gebildet. 59 Personen sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Quarantäne werde von dieser Personengruppe mitunter nicht eingehalten. Fünf Menschen wurden in die Justizanstalt gebracht.

In der Notschlafstelle Schusterbergweg in Innsbruck sind derzeit 30 obdachlose Menschen in Quarantäne. Auch im Alphotel sowie in weiteren Einrichtungen sind Infizierte untergebracht. Dazu kommen 50 Menschen, die als Kontaktperson (K1) gelten und ebenfalls in Quarantäne bleiben müssen.

Julius Weiskopf
ORF
Julius Weiskopf, Corona-Beauftragter in Innsbruck

Hohe Mobilität

Die Behörden gehen davon aus, dass es mehrere Infektionsquellen gibt. Zwei Quellen konnten ausfindig gemacht werden. Diese Personengruppe sei sehr mobil und schwer überschaubar, sagte der Corona-Beauftragte der Stadt Innsbruck, Julius Weiskopf. Nach den ersten Fällen habe man mit umfassenden Testungen unter den Obdachlosen begonnen. Es habe 19 Massenscreenings in dem Bereich gegeben, dazu freiwillige Testungen.

Immer wieder Spaziergänge trotz Quarantäne

„Diese Gruppe ist quer durch Innsbruck unterwegs, deshalb ist der Cluster auch so groß“, führt Weiskopf aus. Dennoch müssen sich auch diese Betroffenen an die Quarantäne halten, was nicht immer einfach ist. „Wir wollen niemanden einsperren“, sagt er. Immer wieder werden Personen außerhalb der Unterkunft angetroffen, bzw. bei Kontrollen in der Unterkunft nicht angetroffen – mehr dazu in Nach Corona-Spaziergang ins Gefängnis.

Am Montag wurden deshalb zwei Männer, die zum zweiten Mal gegen den Absonderungsbescheid verstoßen haben, in die Justizanstalt überstellt. Drei weitere Personen aus ihrem Umfeld waren wegen Verstößen gegen die Absonderungsbescheide bereits dort. Sie dürfen die Justizanstalt erst wieder verlassen, wenn ihr Corona-Test negativ ist. Die Obdachlosen-Szene in Innsbruck umfasst 200 bis 250 Personen.