Grenzkontrolle am Walserberg in Fahrtrichtung Salzburg
APA/BARBARA GINDL
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Chronik

Weniger illegale Migration wegen Pandemie

Die illegale Migration ist in Tirol im Jahr 2020 deutlich eingebremst worden. Man verzeichnete einen Rückgang von 4,7 Prozent. Grund ist die verstärkte Polizeipräsenz an den Tiroler Grenzen wegen der Pandemie, so die Fremdenpolizei am Donnerstag.

Die Fremdenpolizei hat Bilanz zum Jahr 2020 gezogen. Demnach wollten 3.288 Menschen – vorwiegend Männer – illegal nach Tirol gelangen, um 4,7 Prozent weniger als noch 2019.

Die meisten wollen nach Deutschland

Das sei bemerkenswert, so Landespolizeidirektor Edelbert Kohler, denn die Zahlen der Aufgriffe von illegal Einreisenden sei im Coronavirus-Jahr im österreichweiten Vergleich nicht rückläufig gewesen sind: „Wir glauben, dass einerseits die Grenzkontrollen, die im Frühjahr stattgefunden haben und andererseits die Gesundheitskontrollen, die auch jetzt noch stattfinden, ein Grund für den Rückgang sind. Und natürlich spielen die Grenzkontrollen in Deutschland auch eine ganz große Rolle, weil viele der Menschen, die nach Norden wollen, das Zielland Deutschland vor Augen haben.“

Schild für Grenzkontrolle auf Bundesstraße am Brenner
ORF
Wegen der Kontrollen an Grenzen und in grenznahen Gebieten wurden letztes Jahr vermehrt illegale Migranten zurückgewiesen.

Deutlich weniger Asylanträge in Tirol

Auch bei den Asylanträgen in Tirol gab es 2020 einen Rückgang im Vergleich zum Jahr 2019 von 27 Prozent. Was ebenfalls im Gegensatz zum österreichweiten Trend stehe, so Kohler. Österreichweit habe es bei den Aufgriffen nämlich eine Steigerung um zwölf Prozent und bei den Asylanträgen um zehn Prozent gegeben.

Die Zahlen würden aber nicht den Schluss zulassen, dass weniger Menschen über Fluchtrouten Richtung Europa kommen. Die Zahl jener, die etwa in Lampedusa oder in anderen Teilen Italiens an Land gehen, habe sich seit Jahresbeginn verdoppelt. Auf der westlichen Mittelmeerroute habe sich die Zahl der Flüchtlinge verdreifacht, ebenso auf der Balkanroute, stellte Landespolizeidirektor Kohler fest.

Kräftiger Anstieg für heuer erwartet

Die seit der Pandemie noch schlechtere Wirtschaftslage in den Herkunftsländern und die Hoffnung auf bessere Wirtschafts- und Gesundheitssysteme in Europa seien Gründe dafür. Dieser Trend werde sich laut Tiroler Fremdenpolizei auch heuer fortsetzen. Auch Harald Baumgartner, Leiter der Fremden- und Grenzpolizeilichen Abteilung, meinte: „Wir gehen davon aus, dass wir 2021 mit den doppelten Zahlen wie im letzten Jahr rechnen könnten“, meinte Baumgartner und fügte hinzu: „Wir werden sehr wachsam sein müssen in den nachfolgenden Wochen und vor allem auch wenn die gesundheitsbehördlichen Kontrollen pandemiebedingt nachlassen.“ Dann werde man wieder deutlich mehr Migrationsdruck von Süden her spüren.