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Handbremse soll schwere Unfälle verhindern

Mit einer Handbremse an Rodeln will Rodelbauer Paul Steiner aus Weer (Bezirk Schwaz) schwere Unfälle verhindern. Jedes Jahr verunglücken hunderte Tirolerinnen und Tiroler beim Rodeln, da sie auf glatten Rodelbahnen nicht rechtzeitig abbremsen können.

Rodeln gilt in Tirol als Volkssport und wird von Jungen und Alten gleichermaßen gern betrieben. Im ganzen Land gibt es mehr als 750 Kilometer präparierte Rodelbahnen, teilweise sind sie mehrere Kilometer lang und auch in der Nacht beleuchtet.

Da ist es nur wenig verwunderlich, dass es in Tirol auch viele Rodelbauer gibt. Einer von ihnen ist Paul Steiner aus Weer. Er bezeichnet sich selbst als begeisterten Rodler und kam vor rund zwölf Jahren auf die Idee, selbst eine Rodel zu bauen, da seine nicht gut lenkbar war, sagt Steiner.

Paul Steiner baut eine Rodel zusammen
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Paul Steiner hat sein Hobby zum Beruf gemacht

Schwere Verletzungen bei Unfällen auf glatter Rodelbahn

Rodeln macht nicht nur Spaß sondern ist auch ein gefährlicher Sport. Stürze und Kollisionen mit Hindernissen auf oder neben den Rodelbahnen sind bei eisigem Untergrund oft nicht vermeidbar. Nach Angaben des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) verletzen sich in Österreich pro Jahr durchschnittlich mehr als 2.200 Menschen bei Rodelunfällen. In vielen Fällen kommt es dabei zu Kopfverletzungen und Knochenbrüchen. In der Rodelsaison 2019/20 starben fünf Menschen nach Unfällen.

Um solche Unfälle möglichst verhindern zu können, entwickelte Steiner ein spezielles Bremssystem für Rodeln. Dabei kann man die Rodel noch mit einer Hand am Riemen halten und mit der anderen durch Ziehen einer Handbremse auch auf einer eisigen Rodelbahn zum Stehen bringen.

Paul Steiner zeigt die Funktionsweise der Bremse an seiner Rodel

Langes Tüfteln bis zur Rodel nach Wunsch

Früher arbeitete Paaul Steiner in einem anderen Bereich, doch mit Holz habe er schon immer gerne gearbeitet. Die erste, zusammen mit einem Freund gebaute Rodel sei ihnen nicht wirklich gut gelungen, gesteht Steiner. Sie änderten daraufhin den Kufenradius und die Kufenneigung, auch das Material für die Schienen wurde gewechselt. Nach sechs Jahren Tüftlerei hatte Steiner schließlich eine Rodel entwickelt, mit der er zufrieden war.

Paul Steiner baut eine Rodel zusammen
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Für seine Rodeln verwendet Paul Steiner ausschließlich Eschenholz

Für die vier Größenmodelle seiner Rodeln, die er allesamt in Handarbeit herstellt, verwendet Paul Steiner ausschließlich Eschenholz, da es seiner Meinung nach nicht nur gut aussieht, sondern es sich auch sehr gut biegen lässt, wie er betont.

Jede Rodel aus seiner Werkstatt ist ein Unikat

Doch auch jetzt tüftelt Paul Steiner beinahe Tag und Nacht an der perfekten Rodel – an der optimalen Bauweise, der perfekten Biegung des Holzes, den besten Kufen und vor allem an einem schönen Design.

In seiner Werkstatt gibt es keine Rodel von der Stange. Jede Rodel ist unverwechselbar – nicht zuletzt wegen der speziellen Sitzflächen. Die Kunden können sich dafür ihr eigenes Motiv aussuchen. Das kann ein Foto, ein Spruch, ein Logo oder ein Schriftzug sein.

Individuell gestaltete Sitzflächen bei Rodeln
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Individuell gestaltete Sitzflächen bei Rodeln

Man sitzt nicht auf sondern in der Rodel

Da der Schwerpunkt seiner Rodeln tiefer ist als bei anderen, sitzt man eher in als auf der Rodel, sagt der Rodelbauer. Dadurch lassen sich seine Rodeln jedoch besser lenken. So könne man nur durch Gewichtsverlagerung und Druck auf die entsprechende Kufe, sowie durch Ziehen am Lenkriemen die Rodelkufen so verändern, dass die Rodel in die gewünschte Richtung fährt. Den Fuß könne man dabei auf der Rodel lassen und so den ganzen Schwung mitnehmen, erklärt Steiner.

Über den Sommer will sich der Rodlebauer einer speeziellen Aufgabe widmen. Die Bremse aus Metall macht die Rodel naturgemäß schwerer. Doch Steiner zeigt sich zuversichtlich, dass er dafür eine Lösung finden und eine leichtere Bremse entwickeln wird.