Gefängnis Bozen
ORF
ORF
Chronik

Bozen: Sohn von vermisstem Ehepaar in Haft

Im Fall des vermissten Bozner Ehepaares ist der Sohn festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft Bozen bestätigte am Freitagvormittag die Festnahme. Aufgrund welcher Erkenntnisse der Haftbefehl ausgestellt wurde, ist noch unklar.

Seit über drei Wochen ist das Bozner Ehepaar spurlos verschwunden. Trotz intensiver Suche in ganz Südtirol konnten die Eheleute nicht gefunden werden. Seit letzter Woche haben die Ermittler den Sohn im Visier. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zweifache vorsätzliche Tötung und Verbergen der Leichen seiner Eltern zur Last. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde er vorläufig festgenommen. Die Haftprüfung findet kommende Woche statt.

Kein Geständnis

Das Interesse der italienischen Medien um das vermisste Südtiroler Ehepaar ist groß, der Fall wurde als „mysteriös“ beschrieben. Offizielle Informationen seitens der Staatsanwaltschaft oder des Anwalts des Sohnes werden seit Tagen zurückgehalten. Der Verteidiger des Inhaftierten, Flavio Moccia, teilte dem ORF auf Nachfrage schriftlich mit, er wolle die laufenden Ermittlungen nicht gefährden und befolge die Informationssperre. Man wolle bis zur Haftprüfung am kommenden Montag abwarten, heißt es weiter. Seit Freitag befindet sich der Verdächtige im Bozner Gefängnis.

Gefängnis Bozen
ORF
Die Carabinieri haben den Verdächtigen ins Bozner Gefängnis gebracht

Laut dem Südtiroler Online Portal „Stol“ soll es kein Geständnis geben, aber neue belastende Indizien. Spuren, die das Spezial-Labor der Carabinieri in Parma ausgewertet hat, sollen zur Festnahme geführt haben. Die Ermittler vermuten, dass der Sohn seine Eltern am Abend des 4. Jänners getötet und anschließend südlich von Bozen in den Fluss geworfen hat. Für den Sohn gilt die Unschuldsvermutung.

Suchgebiet wurde abgeriegelt

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft und der Polizeibehörden wurde seit Anfang der Woche die Etsch bei Pfatten südlich von Bozen unter jener Brücke abgesucht, an welcher mögliche relevante Blutspuren sicher gestellt worden waren. Das Suchgebiet wurde von den Behörden weiträumig abgeriegelt. Sonargeräte und Taucher der Freiwilligen Feuerwehren waren im Einsatz. Wonach im Fließwasser genau gesucht wurde, wurde nicht bekanntgegeben. Die Ermittler haben auch darüber eine Nachrichtensperre verhängt.

Suche Etsch
ORF
Seit Tagen wird in der Etsch nach Spuren gesucht

Intensive Suche

Seit 4. Jänner ist das Bozner Ehepaar spurlos verschwunden. Der Sohn habe nach eigenen Angaben die Eltern am Handy nicht mehr erreichen können und alarmierte die Carabinieri. Seit dem Verschwinden wurde in alle Richtungen ermittelt. Über zwei Wochen lang suchten die Einsatzkräfte der Feuerwehren, Wasserrettung und Carabinieri intensiv nach dem Ehepaar. Zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung wurde nachgegangen – jedoch ohne Erfolg.

Anfang voriger Woche wendete sich das Blatt bei den Ermittlungen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde das Auto und die Wohnung, in der das Paar mit seinem Sohn zusammenlebte, beschlagnahmt und von der Spezialeinheit der Carabinieri „RIS“ auf Spuren untersucht. Auch das Gebiet zwischen dem Dorf Pfatten und der Stadt Leifers, wenige Kilometer südlich von Bozen, wurde mehrmals untersucht. Kommende Woche sollen die Ermittlungen fortgesetzt werden.