Tiertransport durch Südtirol
ORF/phlex film
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Landwirtschaft

Billiges Fleisch fährt durch Tirol und Südtirol

Tiertransporte stehen vermehrt in der Kritik. Rinder werden quer durch Europa verfrachtet. Die Brennerachse spielt dabei eine wichtige Route. Das ORF Magazin „Dok 1“ wirft einen kritischen Blick auf dieses vieldiskutierte Thema.

Bei Tiertransporten spielt das Tierwohl oft eine untergeordnete Rolle. Das ORF-Magazin „Dok 1“ durchleuchtet dieses System und hinterfragt ob es nötig sei, Tiere über weite Strecken von Land zu Land zu transportieren.

Stundenlange Fahrten am Lkw

Tierschützer kritisieren, dass es für Rinder während der stundenlangen Fahrten in den Lkws kaum Trinkpausen gebe. Mit versteckter Kamera hat der Vorarlberger Tierschutzaktivist Tobias Giesinger einen Transport von Salzburg über Norditalien nach Spanien begleitet.

Tiertransport durch Südtirol
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Mitten durch Südtirol verläuft eine der wichtigsten Routen der europäischen Tierindustrie.

Laut Tierschutzgesetz dürfen Kälber maximal 19 Stunden transportiert werden mit einer einstündigen Pause. „Wir haben dann nach 19 Stunden beobachtet, dass der Lkw eine Stunde in einer Pannenbucht stehen geblieben ist. Die Kälber wurden nicht versorgt. Dafür müssten sie ja abgeladen werden, was allerdings nicht passiert ist“, kritisiert der Tierschützer. Für die Tierärztin der Rinderzucht Österreich Simone Steiner ist dieser Vorgang rechtlich so in Ordnung: „Laut Gesetz ist es nicht verpflichtend, dass die Kälber abgeladen werden. Sie machen eine Stunde Pause fahren noch etwa eine Stunde und werden dann für mindestens 24 Stunden abgeladen und versorgt.“

Sendunhgshinweis:

"Dok1: „Tiertransporte – Billiges Fleisch um jeden Preis“, 13.1.2021,
20.15 Uhr, ORF 1

Ein Lkw für bis zu 250 Kälber

Der Weg der Tiere führt seit Jahren auch über den Brenner. In Südtirol erfolge der Transport regelkonform, erklärt Franz Hintner, der Präsident der Südtiroler Tierärztekammer auf Nachfrage: „Die Versorgungspausen der Tiertransporte in Südtirol werden streng kontrolliert. Bisher gab es keine Probleme. Es gibt allerdings auch andere Tiertransporter, die in Südtirol nicht stehen bleiben. Da wir sie nicht kontrolliert können, wissen wir nicht ob sie sich an die gesetzlichen Regeln halten.“

Tiertransport durch Südtirol
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In diesem Lkw werden auf drei Ebenen bis zu 250 Kälber transportiert.

An den Transporten über die Brennerachse ist auch der Südtiroler Moritz Lintner beteiligt. In einem seiner Lkw haben auf drei Ebenen bis zu 250 Tiere Platz. Damit es nicht zu warm werde, sind seine Lkws mit Lüftungsanlagen und Temperatursensoren ausgestattet. Beim Transport von Tieren müsse eine Temperatur zwischen 5 bis 30 Grad eingehalten werden. „In Südländern, wie Spanien, haben wir oft Probleme mit der Wärme. Sollten wir eine Temperaturvorhersage von mehr als 32 Grad zu Mittag erhalten, müssen wir den Transport so planen, dass wir in dieser Zeit nicht unterwegs sind“, erklärt der Südtiroler in der Dokumentation.

Kälber werden im Ausland gemästet

Italien und Spanien sind unter den Hauptabnehmern österreichischer Kälber. In diesen Ländern werden die Tiere dann gemästet. Tierschützer klagen an, dass von Spanien aus einige Rinder weiter in Dritt-Staaten, etwa in den Libanon exportiert werden. Die Bilder von grausamen Schlachtungen von Kälbern im Libanon haben für Entsetzen gesorgt – mehr dazu in Prämie soll Leid von Kälbern verringern .

Das Problem sei, dass außerhalb der EU die Tiere Ihre Rechte verlieren, so der Präsident der Südtiroler Tierärztekammer.