Rote Vernebelungsmaschine
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Wirtschaft

Desinfektion mit Salz und Wasser

Beim Bekämpfen von Keimen und Viren setzt eine Unternehmen aus Hall in Tirol auf ein alkoholfreies Desinfektionsmittel aus Salz und Wasser. Mit einem mobilen Desinfektionsgerät, das an einen Staubsauger erinnert, können auch Viren wie SARS-CoV-2 getötet werden.

Raumluft und Oberflächen bakterien-, keim- und virenfrei zu machen ist schon seit langer Zeit ein lukratives Geschäftsfeld. Das Coronavirus rückte diese Technologien jetzt in das öffentliche Interesse. Einige Hersteller setzen dabei auf Luftfilter, andere auf UV-Licht oder auf Vernebelung, wie es das Unterländer Unternehmen Ökopur macht.

Wasser und Salz werden in Bestandteile zerlegt

„Wir zerlegen Wasser und Salz durch eine Elektrolyse in ihre Bestandteile. Dann bauen wir das wieder so zusammen, dass dadurch aktives Chlor entsteht, das dann mit Bakterien und Viren reagiert“, erklärt Firmengründer Michael Forster die Herstellung des Wirkstoffs.

Bei dem eingesetzten Wirkstoff handelt es sich im Endeffekt um Natriumhypochlorit, das auch im menschlichen Körper vorkommt. Dort wird es von den Weißen Blutkörperchen produziert, um Viren oder Keime zu bekämpfen.

Feiner Nebel wird durch Düsen in Raumluft verteilt

Mit einer Art umgekehrten Staubsauger wird das Desinfektionsmittel in Form eines feinen Nebels in die Luft gesprüht. Dieser Nebel verteilt sich in der Raumluft und kann so in Ritzen und Ecken hineinkriechen, die mit einer normalen Wischdesinfektion nicht erreicht werden. Das Desinfektionsmittel kann so auch zielgenau – etwa direkt auf Türgriffe oder Tischoberflächen – verteilt werden.

Mann verwendet das mobile Desinfektionsgerät
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Mit einer Vernebelungsmaschine wird das Desinfektionsmittel im Raum verteilt

Alle Viren, die mit dem Mittel in Berührung kommen, werden in kurzer Zeit eliminiert, erklärt Forster. Das würden mehrere Labortests bestätigen. Für die Desinfektion durch Vernebelung wird der Wirkstoff in einer sehr niedrigen Konzentration verwendet, ergänzt Thomas Steinmüller, der ebenfalls Firmengründer ist.

„Covid-19 ist uns dazwischengekommen“

Die Grundidee dazu sei vor drei Jahren entstanden. Dabei sei jedoch nicht die Entwicklung von Hygieneprodukten für Menschen, sondern die Behandlung von Pflanzen und Tieren im Vordergrund gestanden, schildert Firmengründer Michael Forster: "Covid-19 ist uns eigentlich dazwischengekommen. Wegen der hohen Nachfrage mussten wir entsprechend reagieren, und wir konnten das.“

Daher wurde in Hall in Tirol vor wenigen Monaten ein eigenes Unternehmen, die Ökopur Austria gegründet, dort wird das Desinfektionsmittel namens Salopur hergestellt und abgefüllt.

Für Büros, Kindergärten, Haushalte und Schulen

Der mögliche Einsatzbereich der Flächendesinfektion ist breit gefächert. Jeder Raum und jede Fläche, die hygienisch rein werden soll und wo eine rückstandsfreie Desinfektion im Vordergrund steht, kann damit behandelt werden. „Wir haben es schon in Schulen eingesetzt, um dort eine Raumdesinfektion durchzuführen“, erläutert Forster. In Kindergärten seien Spielsachen desinfiziert worden, es sei auch in Büros im Einsatz. Dort könnten Räume nach Besprechungen schnell gereinigt werden.

Pro Kubikmeter Raumluft sind rund fünf Gramm des Desinfektionsmittels nötig. Da die Räume nicht immer gleich stark durch Keime belastet sind, kann die eingesetzte Menge durchaus auch reduziert werden, sagt Firmengründer Thomas Steinmüller. „Waren nur wenige Personen im Raum, gibt es auch weniger Luftkeime.“

Räume können bald wieder betreten werden

Da das Desinfektionsmittel im menschlichen Immunsystem vorkommt, ist es in dieser niedrigen Konzentration für Menschen komplett ungefährlich, betont Forster. Gereinigte Räume könnten zudem nach kurzer Zeit wieder verwendet werden.

Thomas Steinmüller und Michael Forster stehen vor einem geöffneten Kleintransporter
Ökopur
Die beiden Firmengründer Thomas Steinmüller und Michael Forster können das Desinfektionsmittel auch vor Ort herstellen

Mobile Produktionsanlage in Kleintransporter

Die Unterländer betreiben zusätzlich eine mobile Produktionsanlage, so können sie große Menge Desinfektionsmittel vor Ort herstellen. Das sei besonders für Großverbraucher – etwa Gemeinden – ein Thema. Produziert werde das Desinfektionsmittel in einem 1.000-Liter-Tank. Hier spiele auch der Umweltgedanke eine Rolle, da so Müll vermieden wird, erklärt Forster.