Mayrhofen im Winter mit Touristen
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Wirtschaft

WK-Obmann wettert gegen Reisewarnungen

Der Obmann der Sparte Tourismus in der Tiroler Wirtschaftskammer Mario Gerber bezeichnete am Donnerstag CoV-Reisewarnungen als „moderne Wirtschaftskriegsführung“. Er befürchtet den Tod des Tourismus, sollte die Corona-Ampel auf Rot gestellt werden.

In Tirol ist die Sorge groß, nach Wien ebenfalls auf die Rote Liste des deutschen Robert-Koch-Instituts zu kommen, das für die Einschätzung des Coronavirus-Risikos zuständig ist und die deutsche Bundesregierung berät. Tirol steht unter deutscher Beobachtung.

Belgien hat für Tirol bereits die zweithöchste CoV-Warnstufe ausgegeben, ebenso für Niederösterreich, Oberösterreich, das Burgenland, die Steiermark und Salzburg.

Gerber fordert einheitliche EU-Richtlinien

Die Reisewarnungen würden die Tourismusbranche hart treffen, sagte der neue Obmann der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Mario Gerber am Donnerstag. Auch Tirol drohe ein ähnliches Szenario wie Wien: „Das ist für mich moderne Wirtschaftskriegsführung. Wir brauchen unbedingt eine einheitliche Regelung der EU. Es kann nicht sein, dass verschiedene Länder eine Reisewarnung ausgeben und andere Länder nicht. Wenn man sich die Zahlen von Wien anschaut und jene von München, so hat München in jedem Bezug höhere Infektionszahlen, München wird aber nicht als Risikogebiet eingestuft. Das versteht kein Mensch mehr, die Bevölkerung ist verunsichert, die Wirtschaft leidet extrem, und der Tourismus kämpft um seine Existenz.“

Mario Gerber
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Der Obmann der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Mario Gerber.

Tourismus eng mit restlicher Wirtschaft vernüpft

Gerber appellierte eindringlich an die Tiroler Bevölkerung, sich an die Coronavirus-Maßnahmen zu halten. Die Jungen müssten mit eingebunden werden, denn jeder vierte Arbeitsplatz hänge in Tirol am Tourismus: „Wenn die CoV-Ampel im Winter auf Rot steht, dann ist der Tourismus in dieser Region tot. Und das wird – das ist mir ganz wichtig zu sagen – massive Auswirkungen auf die Bevölkerung und auf den Rest der Wirtschaft haben.“

Gerber fordert Registrierpflicht

Außerdem lässt der WK-Obmann mit einer Forderung nach einer Registrierpflicht in der Gastronomie aufhorchen. Diese gibt es in Deutschland schon länger, wurde aber in Tirol von der Gastronomie wegen des Mehraufwands abgelehnt. Nun würde diese zustimmen, sagte Gerber: „Es funktioniert nicht, dass jedes Mal, wenn wir einen Betrieb mit einem positiven Fall haben, dass wir Aufrufe machen, weil es den Behörden nicht möglich ist, die (CoV-Infektionskette, Anm.d.R.) nachzuvollziehen.“

Für die Wintersaison müsse es bundesweit einheitliche Regelungen gebe, forderte Gerber. Eine dementsprechende Verordnung könnte nächste Woche präsentiert werden.

CoV-Zahlen stabil hoch

Mit Stand Donnerstag (14.00 Uhr) sind in Tirol 666 Personen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. 63 positive Testergebnisse kamen zwischen Dienstagabend und Mittwochnachmittag dazu. Mehr als 80 gelten als wieder genesen. 208 Personen werden in Innsbruck als CoV-positiv verzeichnet, gefolgt vom Bezirk Innsbruck-Land mit 166 Infizierten und dem Bezirk Kufstein mit 132. Seit Dienstag gilt für die Landeshauptstadt und den Bezirk Kufstein Orange – „hohes Risiko“ – auf der CoV-Ampel des Gesundheitsministeriums. Gelb („mittleres Risiko“) gilt für die Bezirke Landeck, Schwaz und Innsbruck-Land – mehr dazu in Ampelsitzung: Mehr Kontrollen und Strafen.

Innsbrucks Bürgermeister nimmt Nachtlokale ins Visier

Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) kündigte nach einer Sitzung mit Vertretern von orangefarbenen Regionen bereits an, die Nachtgastronomie wieder verstärkt ins Visier nehmen zu wollen. Zahlreiche Infektionen seien auf diesen „nicht kontrollierbaren Bereich“ zurückzuführen, meinte auch Vizebürgermeister Johannes Anzengruber (ÖVP). In einem Cluster um ein Innsbrucker Lokal gab es mit Stand Mittwochabend bereits 70 Infizierte – mehr dazu in 56 Infizierte in CoV-Cluster in Nachtlokal.

Von privaten Feiern Abstand nehmen

Private Feiern, bei denen sich das Coronavirus auch nachweislich stark verbreitet, werde die Polizei allerdings nicht kontrollieren, sagte Willi am Mittwoch. Dorthin richtete er aber seinen Appell: „Das Beste ist, keine Party zu machen und diese auf das nächste Jahr zu verschieben. Ich rate dringend davon ab, dass viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen. Denn da passiert die Ausbreitung, wenn eine infizierte Person dabei ist.“

Ab Freitag sind außerdem die sechs städtischen Grillplätze „aus Sicherheitsgründen“ gesperrt, das kündigte die Stadt in einer Aussendung am Donnerstag an.