Zugspitze mit Schneeferner und Höllentalferner von Osten
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Vor 200 Jahren Erstbesteigung der Zugspitze

Der Tiroler Josef Naus hat am 27. August 1820 als erster Mensch die Zugspitze bestiegen. Der damals 27-jährige Außerferner musste für den bayerischen König Maximilian I. die genaue Höhe des höchsten Berges Deutschlands ermitteln.

Der aus dem Außerfern stammende Naus – er wurde in Lechaschau bei Reutte geboren – stand als Vermessungstechniker in Diensten des bayerischen Königs Maximilian I. Dieser ließ einen topografischen Atlas von Bayern erstellen, wofür die exakte Höhe der Zugspitze ermittelt werden musste. Mit dieser Aufgabe wurde der damals 27-jährige Naus betraut, der sich Mitte Juni 1820 mit einem kleinen Team und entsprechenden Gerätschaften an die Umsetzung machte.

Zeichnung von H. v. Aggenstein zeigt Josef Naus
Toni Hiebeler

„Gipfel nach einigen Lebensgefahren erreicht“

Nach mehrwöchigen Erkundungen vor Ort gelangte die Gruppe – bestehend aus Naus, Bergführer Johann Georg Tausch und einem Gehilfen – zunächst über das Reintal südlich von Garmisch-Partenkirchen zur Reintalangerhütte, die seinerzeit eine einfache Bleibe für Hirten war und den Männern als Nachtlager diente.

Nach einer qualvoll kurzen Nachtruhe – wie Josef Naus in seinem Tagebuch berichtete, wurde er von Flöhen gepeinigt – starteten die Männer um 4.00 Uhr mit der eigentlichen Tour. Über das Zugspitzplatt und den Schneeferner erreichten sie kurz vor Mittag den 2.962 Meter hohen Gipfel – „nach einigen Lebensgefahren und außerordentlichen Mühen“, wie Naus in seinen Aufzeichnungen anmerkte.

Schwieriger Abstieg nach Gipfelsieg

Zum Beweis für den Gipfelsieg versah Naus seinen Bergstock mit einem roten Sacktuch und pflanzte diesen in den Fels. Wenige Minuten später brach ein Unwetter los. Bei Blitz und Donner machten sich Naus und seine Begleiter schleunigst an den Abstieg, wobei der Regen in Schneegestöber überging. Außerdem kam Nebel auf, was die Orientierung erschwerte.

Zugspitze:

Das Zugspitzmassiv liegt südwestlich von Garmisch-Partenkirchen in Bayern und im Norden Tirols. Über ihren Westgipfel verläuft die Grenze zwischen Deutschland und Österreich.

Vorsorglich hatte die Gruppe beim Anstieg den Weg markiert, was sich jetzt als äußerst hilfreich erwies. Er habe dennoch mehrmals gezweifelt, „mein Leben erhalten zu können“, vertraute Naus seinem Tagebuch an. Erst gegen 21.00 Uhr waren die erschöpften Bergsteiger zurück in Partenkirchen. Naus machte in weiterer Folge beim bayerischen Militär Karriere und ging als Generalmajor in den Ruhestand.

Am 22. September 1853 stand mit Karoline Pitzner die erste Frau auf der Zugspitze.

Jubiläumsfeiern wegen Pandemie verkleinert

Ursprünglich hätte das 200-Jahr-Jubiläum seines „Gipfelsturms“ in der Zugspitzregion groß gefeiert werden sollen. Coronabedingt mussten die Festivitäten sowohl in Bayern als auch auf der Tiroler Seite der Zugspitze etwas zurückgeschraubt werden.

In Garmisch-Partenkirchen findet Ende August eine mehrtägige Veranstaltungsreihe statt, für die ein eigenes Tourenprogramm entwickelt wurde.

Weltrekordversuch zum Jubiläum geplant

In Tirol planten ein Ehrwalder Bergführer und eine Instagramerin einen Weltrekordversuch. Sie wollen gemeinsam eine Bank auf die Zugspitze tragen und mit der Leistung „Schwerstes auf einen Berg getragenes und dort aufgebautes Möbelstück“ eine Eintragung in den Rekordbüchern erwirken.

Heute gibt es drei für halbwegs geübte Alpinisten zu bezwingende Routen auf die Zugspitze, eine von Ehrwald in Tirol, zwei von bayerischer Seite aus. Außerdem ist der Berg mit drei Seilbahnen erschlossen.

Mehrere Auffahrtsmöglichkeiten auf die Zugspitze

Die Tiroler Zugspitzbahn wurde nach 14 Monaten Bauzeit 1926 fertiggestellt und endete in 2.805 Metern Höhe, sodass mit ihr der Gipfel nicht direkt erreicht werden konnte. Um Skifahrer auf das Zugspitzplatt zu befördern, war ein Tunnel nötig. Er wurde zwischen 1927 und 1929 gebaut und war 700 Meter lang.

Fotostrecke mit 6 Bildern

Tiroler Zugspitzbahn mit einer Stütze in der Nähe der Wiener-Neustädter-Hütte
Kabine der Tiroler Zugspitzbahn mit einer Stütze in der Nähe der Wiener-Neustädter-Hütte
Wagen der Bayerischen Zugspitzbahn
Die Zugspitzbahn beim Einfahren in die Haltestelle Eibsee unterhalb der Zugspitze
Nostalgiezug der Bayerischen Zugspitzbahn
Nostalgiezug der Bayerischen Zugspitzbahn
Aufnahme der Eibseeseilbahn aus dem Jahr 2009
Die Eibseeseilbahn zwischen dem Gipfel und Eibsee – aufgenommen im Jahr 2009
Kabine der Seilbahn Zugspitze
Die Seilbahn Zugspitze ersetzte 2017 die Eibseeseilbahn. Sie hat nur eine Seilbahnstütze und überwindet in einer Sektion 1.945 Meter Höhe.
Seilbahnstütze der Zugspitzbahn
Die einzige Seilbahnstütze ist 127 Meter hoch.

Die Bayerische Zugspitzbahn wurde am 8. Juli 1930 eröffnet, das Hotel Schneefernerhaus am Bahnhof Zugspitzplatt sowie die Gipfelseilbahn am 20. Januar 1931. Die Zahnradbahn wurde 1977 zu einer Großkabinenbahn ausgebaut und 1992 erneut modernisiert. Sie fährt zum Großteil in Tunneln zum Zugspitzplatt einige hundert Meter unterhalb der Zugspitze, von dort aus führt eine weitere Luftseilbahn zur Zugspitze.

Die Eibseeseilbahn nahm nach einigen Problemen am 15. Mai 1963 ihren Betrieb auf. 2017 wurde sie durch die Seilbahn Zugspitze ersetzt. Die Pendelbahn überwindet dabei mit knapp 2000 Metern von allen Pendelbahnen der Welt den größten Höhenunterschied innerhalb einer Sektion.

Sendeanlage für Radio und Fernsehen

Für den ORF dient der Sender auf der Zugspitze mit der offiziellen Bezeichnung „EHRWALD 1“ zur Versorgung zahlreicher Füllsender in Nordtirol. er wurde im Jahr 1971 errichtet. Als Antennenträger dient ein freistehender Stahlfachwerkturm. Wegen der äußerst exponierten Lage auf dem höchsten Berg Deutschlands kann er jedoch auch Richtung Norden im Alpenvorland, im Allgäu und selbst auf der Schwäbischen Alb noch empfangen werden.

Die Telekom Austria betreibt am Zugspitzmassiv zwei Richtfunkstationen. Die ältere Station wurde 1958 auf dem Zugspitzplatt oberhalb der ehemaligen Bergstation der Tiroler Zugspitzbahn errichtet. Sie dient noch heute der Richtfunkversorgung auf der Weststrecke mit Gegenstationen auf dem Patscherkofel und der Valluga.