Blick auf Siedlung in Gnadenwald
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Politik

Konflikt rund um heikle Baulandwidmung

In Gnadenwald und im Land Tirol sorgt ein heikler Fall einer geplanten Baulandwidmung für Unmut. Die Gemeinde möchte 4.000 Quadratmeter Grund im Naturschutzgebiet Karwendel in Bauland umwandeln und pocht auf eine Entscheidung. Der Fall liegt schon länger beim Land.

Die Umweltabteilung des Landes sieht sich mit einer nicht alltäglichen Beschwerde konfrontiert: Die Gemeinde Gnadenwald wartet seit zehn Monaten auf einen Bescheid, um im angrenzenden Natura-2000-Schutzgebiet Bauland widmen zu können.

Blick auf Siedlung in Gnadenwald
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Die für Baulandwidmung vorgesehene Fläche befindet sich im Natura-2000-Gebiet

Bürgermeisterin Heidi Profeta zeigt sich sauer. Es sei klar gewesen, dass man sich im Natura-2000-Gebiet befinde und es einer Umweltprüfung bedürfe, so Profeta. Nach der Verhandlung habe man einen positiven Bescheid erwartet. Es scheine, als werde das liegen gelassen, kritisierte die Bürgermeisterin.

Landwirt will Baugrund für sein Kind

Der Fall hängt schon lange bei der Gemeinde. Ein Gnadenwalder Landwirt will seit mehreren Jahren für sein Kind einen Bauplatz gewidmet haben. Sein bewaldetes Grundstück befindet sich allerdings im Naturpark Karwendel oberhalb einer bereits bestehenden Siedlung.

Ein Grundstück ist natürlich zu wenig, so wurden rund 4.000 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Die Hälfte soll dabei dem sozialen Wohnbau dienen. Damit ist kein Einzelinteresse, sondern ein öffentliches Interesse gegeben. Die Gemeinde möchte neben anderen Flächen auch diese im Naturschutzgebiet in Bauland widmen.

Felipe will Präzedenzfall vermeiden

Für Naturschutzlandesrätin Ingrid Felipe (Grüne) ist das ein Präzedenzfall, den sie nicht zulassen will. Wenn man anfange, Schutzgebiete anzutasten, obwohl man gewidmetes Bauland im Gemeindegebiet habe, dann mache man sich Tür und Tor auf, dass Schutzgebiete überall angeknabbert werden, „und diesen Präzedenzfall will ich vermeiden“.

Raumordnungslandesrat Johannes Tratter (ÖVP) unterstützt dagegen das Vorhaben der Gemeinde. Die Gemeinde erhob inzwischen Säumnisbeschwerde, der Fall wandert deshalb zum Landesverwaltungsgericht. Für Felipe „ist das gut so“. Über die Umwidmung in Naturschutzgebiet entscheiden damit die Verwaltungsrichter.