Stefan Melmer Schrankwärter bei der Arbeit
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Chronik

Letzter Schrankenwärter muss Technik weichen

In Imsterberg geht diese Woche eine Ära zu Ende: Stefan Melmer, der letzte Schrankenwärter auf der Westbahnstrecke zwischen Bregenz und Wien, muss der modernen Technik weichen. Durch einen umfangreichen Umbau der Haltestelle wurden die Schrankenanlagen automatisiert.

Wenn in der Haltestelle Imsterberg das Telefon klingelt, ist der nächste Zug nicht mehr weit. Stefan Melmer ist gefragt: 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr war die Haltestelle bzw. Eisenbahnkreuzung Imsterberg zuletzt besetzt. Der händisch zu öffnende Schranken „40“ hat jetzt allerdings ausgedient, wird ersetzt und künftig durch den Fahrdienstleiter in Imst-Pitztal überwacht. Stefan Melmer, der letzte Schrankenwärter auf der Weststrecke, ist damit Geschichte.

Schranken, Kugelschreiber und Werkzeug

Der Zammer blickt auf unfallfreie und schöne Jahre zurück. Humorvoll und verantwortungsbewusst hatte er rund 130 Züge pro Tag bzw. Nacht im Blick. Handschriftlich wurde über jeden ein-, ab- bzw. durchfahrenden Zug Notiz geführt. Das Wichtigste dabei: „Kugelschreiber und Werkzeug, um im Notfall die Schrankenkurbel zu reparieren“, schmunzelt Melmer. Und natürlich der Schranken, den der Oberländer „Vierzig“ nennt. Der Name ergibt sich aus Nummerierung der Schranken von Innsbruck in Richtung Arlberg. Als Schrankenwärter ist der 50-Jährige in Imsterberg weit und breit bekannt. Der Kontakt zu den Einheimischen und auch zu den Lokführern war ein fixer Bestandteil des Berufsalltags.

Schrankenwärter Stefan Melmer am Bahnsteig
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Stefan Melmer, an seiner Wirkungsstätte, der Haltestelle Imsterberg

Höhere Zugdichte machte Automatisierung notwendig

Vor allem das Mehr an Zügen macht eine Modernisierung der Bahnanlagen auf der eingleisigen Strecke notwendig. Der neue Schranken schließe exakt so, dass die Wartezeiten für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer auf das absolut notwendige Minimum reduziert werden. Nach den umfangreichen Bauarbeiten ist der Bahnhof jetzt barrierefrei und mit optischen und akustischen Informationsanlagen und Beleuchtung ausgestattet.

Die Erinnerungsstücke aus der Haltestelle Imsterberg werden ausgestellt und gehen damit nicht verloren. Und auch der letzte Schrankenwärter der Westbahnstrecke, Stefan Melmer, bleibt den ÖBB erhalten. Nach einer Schulung Anfang Jänner wird er im Innendienst als Einsatzleiter tätig sein.