Lettenbichler, Schramböck
WB Kitzbühel
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Politik

Lettenbichler zieht Kandidatur zurück

Die Listenerstellung für die Nationalratswahl im Herbst hat für die Tiroler Volkspartei ein weiteres Nachspiel. Nach massiver Kritik des Arbeitnehmerflügels vergangene Woche hat jetzt Noch-Nationalrat Josef Lettenbichler seine Kandidatur zurückgezogen.

Lettenbichler war im Wahlkreis Unterland Spitzenkandidat für die Bezirksliste der ÖVP. Als solcher hätte er eigentlich sein Mandat fix, wäre da nicht auch Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger auf der Liste. Ihm wird zugetraut, dass er mit den Vorzugsstimmen – dafür sind im Wahlkreis 14 Prozent notwendig – den Einzug in den Nationalrat schaffen und damit Lettenbichler verdrängen könnte. Ebenfalls auf dieser Bezirksliste kandidiert der Spitzenkandidat der JVP Michael Riedhardt, Stadtparteiobmann in Wörgl.

Lettenbichler, Schramböck
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Wäre gerne wieder mit Margarete Schramböck im Parlament vertreten gewesen – Josef Lettenbichler.

Vorzugsstimmen-Wahlkampf nicht förderlich

Die Kandidatur dieser beiden und der vorprogrammierte Vorzugsstimmen-Wahlkampf im Unterland, sind der Hauptgrund für den Rückzug Lettenbichlers, wie er in einer schriftlichen Stellungnahme mitteilt. Er selbst scheue einen solchen Wahlkampf nicht, es diene aber nicht der Sache, argumentiert Lettenbichler.

Er erwarte sich nämlich einen „Vorzugsstimmen-Wahlkampf der Extra-Klasse“: „Für diese politischen Hahnenkämpfe und den wohl unvermeidbar kommenden Verwerfungen auf Wahlkreisebene – dies zeigte uns bereits die Vergangenheit – stehe ich jedoch nicht mehr zur Verfügung!“

Offenbar nicht im Sinne der Bundes-ÖVP

Laut Lettenbichler habe es seitens der Parteispitze in Wien klar die Botschaft gegeben, dass er wieder im Nationalrat vertreten sein sollte. Ein Vorzugsstimmenwahlkampf bei dieser Nationalratswahl sei generell nicht im Sinne der Volkspartei, weil es darum gehe, die Kräfte für Sebastian Kurz zu bündeln, schreibt Lettenbichler in seiner Rückzugserklärung.

Er ziehe ohne Groll aber doch mit Wehmut seine Kandidatur zurück. Als Energiesprecher der ÖVP hätte er auch in Zukunft gerne Zukunftsprojekte wie den Ausbau erneuerbarer Energie aktiv mitgestaltet.

Parteispitze reagiert gelassen

In der Parteispitze der Tiroler ÖVP reagierte man auf Lettenbichlers Rückzug gelassen. „Da ist seine persönliche Entscheidung. Wenn einem die Motivation fehlt, hat man es schwer in einem Wahlkampf“, sagte Landesgeschäftsführer Martin Malaun der APA. Die Entscheidung komme vielleicht „etwas spät“, ließ Malaun leichte Kritik durchklingen. „Aber besser jetzt als noch später“, fügte er hinzu.

Der Kritik Lettenbichlers an einem sich abzeichnenden internen „Hahnenkampf“ kann der enge Vertraute von Landeshauptmann und ÖVP-Chef Günther Platter nichts abgewinnen. Wahlkampf bedeute nun einmal kämpfen, und die Partei könne ja den Bauernbund ja nicht daran hindern, einen bestimmten Kandidaten aufzustellen.