Christus Skulptur in einer Felsnische
Hubert Gogl
Hubert Gogl
Wandertipp

Von Kramsach zum Herrgottstein

Die Wanderung zum Herrgottstein, einem riesigen überhängenden Stein mit einer Christus-Skulptur, ist bei vielen Kramsachern überaus beliebt. Praktisch das ganze Jahr über pilgern Erholungssuchende den angenehmen Weg zu diesem mystischen Platz mitten im Wald.

Der Felssturz vom Pletzachkogel

Die großen Felsstürze vom Pletzachkogel, nördlich von Kramsach, vor mehreren tausend Jahren gehören zu den großen geologischen Ereignissen in Tirol. Die Ausmaße dieser Felsstürze sind gigantisch: Rund 90 Millionen Kubikmeter Gestein sind ins Inntal über 1000 Höhenmeter heruntergestürzt. Zum Beispiel hat ein bereits dokumentierter Felssturz zur Römerzeit das Inntal verlegt und den Inn gestaut. Der Stausee reichte bis zum Zillertal zurück (Quelle: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, Prof. Gernot Patzelt). Auch in jüngerer Zeit gab es kleinere Felsstürze, wie zum Beispiel 2015. Damals wurde der Wanderweg zum Herrgottstein gesperrt und im Anschluss in einem Abschnitt auch verlegt.

Felssturzgelände am Pletzachkogel
Hubert Gogl
Immer noch ereignen sich hier Felsstürze am Pletzachkogel nördlich von Kramsach

Charakter: problemlose Wanderung auf Forstwegen
Entfernung: 2 Std., 380 Hm ↑↓, 5 km
Ausgangspunkt: Kramsach, Gratis-Parkplatz bei der ehemaligen Sonnwendjochbahn (540 m)
Öffi-Anreise: vom Bahnhof Brixlegg mit dem Regionalbus 4115 zur HST Sonnwendjochbahn

Vom Felssturzrelikt zur Pilgerstätte

Der Herrgottstein ist ein riesiger, überhängender Stein, der vor langer Zeit vom Pletzachkogel gestürzt ist und im Wald aber zum Stillstand gekommen ist. Gut vor Witterung geschützt, wurde irgendwann eine Felsnische mit einer Christus-Figur an den imposanten Felsen angebracht. Die Bauern haben an dieser Stelle sich beim Herrgott für den Segen mit dem Vieh gedankt. Inzwischen ist der Herrgottstein eine kleine Gedenkstätte für Verstorbene. Viele Kramsacher zünden eine Kerze an und bringen die Sterbebildln zum Herrgottstein und gedenken ihrer Verstorbenen Angehörigen.

Der große Herrgottstein mitten im Wald mit einem Wanderer davor
Hubert Gogl
Ein mystischer Platz mitten im Wald – der Herrgottstein (923 m)

Eine genussvolle, kurze Tour

Neben der Pilgerstätte hat sich der Herrgottstein als beliebtes Wanderziel bei den Kramsachern etabliert. Der einstündige Aufstieg ist einfach und wird praktisch das ganze Jahr über von den Einheimischen gemacht. Entweder steigt man ganz problemlos auf der Forststraße auf, oder wählt für einen Teil des Aufstieges einen wunderschönen, allerdings sehr steilen Steig. Dieser Steig ist allerdings nicht ausgeschildert und markiert, lässt sich aber mit den entsprechenden Hinweisen sehr leicht finden.

Von Kramsach übers Kaltwasserbründl zum Herrgottstein

Start an der ehemaligen Sonnwendjochbergbahn

Der große gebührenfreie Parkplatz an der Talstation der ehemaligen Sonnwendjoch-Bergbahn ist der Start der Wanderung zum Herrgottstein. In Kramsach folgt man den Beschilderungen in Richtung Aschau und kommt so zum Ausgangspunkt. Der Regionalbus bleibt ebenfalls dort stehen, womit sich die Wanderung auch bestens mit öffentlicher Anreise eignet. Ein Lob an die Gemeinde: Bei der ehemaligen Talstation sind die Toiletten geöffnet und werden auch gereinigt!

Ein Wanderer trinkt einen Schluck kühles Wasser am gleichnamigen Brunnen.
Hubert Gogl
Ein kühler Schluck am Kaltwasserbründl tut immer gut und ist ein Fixpunkt der Wanderung!

Aufstieg übers „Kalte Wasserl“

Vom Parplatz (543 m) folgt man links ansteigend dem Weg entlang der Schlepplifttrasse. Ein Abzweiger nach rechts auf einen Forstweg gleich zu Beginn wird dabei ignoriert – hier kommt man am Rückweg raus. Am oberen Ende der ehemaligen Piste kommt man auf einen Forstweg, über den es nun im Buchenwald zum „Kaltwasserbründl“ (810 m) geht. Vor Erreichen dieser Zwischenstation erfreuen immer wieder schöne Ausblicke ins Inntal und auch zurück zur Moränenlandschaft mit den Reintaler Seen. Das „Kaltwasserbründl“ (ca. 45 min; ca. 2 km; 270 Hm) ist ein Fixpunkt der Wanderung zum Herrgottstein. Wie der Name vermuten lässt, ist das Quellwasser an den zwei Holzbrunnen auch an heißen Sommertagen eiskalt. Man erreicht vom Bründl in einer weiteren Viertelstunde dann am Forstweg den Herrgottstein (923 m; Gehzeit gesamt ca. 1 Std., 380 Hm).

Ein Wanderer steht besinnlich vor dem Herrgottstein.
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Steilaufstieg auch möglich

Alternativ zum Aufstieg über den Forstweg kann man auch auf einem sehr schönen aber auch sehr steilen Steig zum Herrgottstein aufsteigen. Leider sind keine Beschilderungen für den Steig entlang des Habacher Bach vorhanden. Mit etwas Gespür und einem Blick auf die Karte (siehe Kompass-Karte mit gelber Route) ist der Steig aber leicht zu finden. Kurz nach der Skipiste wird eine Forstweg-Kreuzung erreicht. Hier folgt man nun dem Forstweg nach Westen in Richtung „Grünsbach, Habach“ und nicht rechts bergauf zum Kaltwasserbründl. Der Forstweg erreicht den oberen Rand eines Steinbruchs. Kurz nach dem Steinbruch kommt eine Verzweigung mit drei Wegen – der mittlere Weg ist der Richtige. Es ist der Steig östlich vom Habacher Bach. Sehr steil schraubt sich das Steigl inmitten zahlreicher kleinerer und größerer Steine hinauf zum ganz besonderen Stein – dem Herrgottstein.

Ein Wanderer blickt auf das Inntal mit Kramsach und den Reintaler Seen.
Hubert Gogl
Herrlicher Inntalblick beim Abstieg

Rückweg mit neuen Ausblicken

Beim Abstieg folgt man bis zum Kaltwasserbründl dem bekannten Weg. Kurz danach hält man sich bei der Forstweg-Kreuzung links. Dieser Weg führt oberhalb von Mariatal ausholend (also Richtung vorderes Brandenberger Tal) in einer Schleife zurück zum Startpunkt. Dabei breitet sich das Inntal im Bereich von Kramsach und der Reintaler Seen besonders schön aus. Der Ausblick reicht ostwärts bis zum Wilden Kaiser.
Für den Abstieg benötigt man auch ca. 1 Stunde.

Sendungshinweis:
„Hallo Wochenende“, 30.04.2021

Hubert Gogl wünscht eine schöne Wanderung zum Herrgottstein in Kramsach!