Burgenrunde bei Brixlegg

Einen abwechslungsreichen Spaziergang auf historischen Wegen bietet der Burgenweg bei Brixlegg. An keinem Nordtiroler Ort ist die Dichte an Burgen und Schlössern so hoch wie zwischen Brixlegg und St. Gertraudi.

Auf kleinstem Raum stehen zwischen Rattenberg und St. Gertraudi (ein zu Reith im Alpachtal gelegener Weiler knapp vor der Einmündung ins Zillertal) zahlreiche Burgen und Schlösser. Diese, für Nordtirol ungewöhnliche Ansammlung erklärt sich in erster Linie mit einem riesigen Bergsturz. In der Römerzeit, noch vor Christi Geburt, ereignete sich ein riesiger Felssturz bei Kramsach. Vom Pletzachkogel stürzten ungeheure Massen zu Tal. Im Inntal hat sich auf mehreren Quadratkilometern das Gestein aufgetürmt und hat auch den Inn aufgestaut. Dieser Damm, diese natürliche Barriere hat in der Folge zu einer Grenzziehung zwischen Tirol und Bayern geführt.

Burgen Matzen

Hubert Gogl

Schloss Lichtwörth - dahinter der Pletzachkogel

Charakter: einfacher Spaziergang
Entfernung: ca. zwei Stunden, sechs km aber beliebig zu kürzen oder zu verlängern
Ausgangspunkt: Gratisparkplatz am südlichen Ende vom Matzenpark bei Schloss Lipperheide
Öffentliche Anreise: Bushaltestelle St. Gertraudi Schloss Matzen; Busse N. 4119, 4074 ab Schwaz und Brixlegg

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Auch die kirchlichen Grenzen zwischen den Diözesen Salzburg und Brixen finden darin ihren Ursprung. Die zahlreichen Burgen und Schlösser gehen damit auch auf diese Grenze zu Bayern (bis ca. 1500) zurück. Sie wurden als Grenzfestungen und Verwaltungssitze benötigt. Über die vielen Jahrhunderte hinweg sind die sperrenden Gesteinsmassen des Bergsturzes nahezu verschwunden.

Durch den Inn und von Menschen wurde das Gestein abgetragen. Zahlreiche Kirchen und vor allem auch die Burgen wurden mit dem Material errichtet. Teils handelt es sich auch um Marmor (Kramsacher Marmor), der von rötlicher Farbe ist und auch zum Beispiel beim Goldenen Dachl verwendet wurde.

Burgen Matzen

Hubert Gogl

St. Gertraudi und die Burgruine Kropfsberg

Burgen/Ruinen/Schlösser im ehemaligen Grenzbereich: Burg Rattenberg, Schloss Matzen, Schloss Lichtwörth, Schloss Lipperheide (neuzeitlich), Burg Kropfsberg. Die Burg Kropfsberg wurde beispielsweise von Salzburger Erzbischöfen als Sitz des Gerichts und der Verwaltung im 12. Jahrhundert errichtet. Vom Schloss Matzen, dem Matzenpark aus, lässt sich ein wunderschöner, in der Länge variabler Spaziergang zu den Burgen, Schlössern machen.

Sendungshinweis:
„Hallo Wochenende“, 7.12.2018

Startpunkt beim Matzenpark

Als Ausgangspunkt bietet sich der gebührenfreie Parkplatz an der Landesstraße zwischen St. Gertrudi und Brixlegg im Bereich von Schloss Matzen. Der Parkplatz befindet sich am südlichen Ende vom Matzenpark unmittelbar vor dem Schloss Neu-Matzen, besser bekannt als Schloss Lipperheide. Franz von Lipperheide (1838 - 1906) war ein erfolgreicher deutscher Herausgeber einer Modezeitschrift und er hat Tirol, den Bereich um Schloss Matzen, zu seiner zweiten Heimat gemacht. Auf Lipperheide geht unter anderem der, in englischem Stil errichtete, eindrucksvolle Matzenpark.

Burgen Matzen

Hubert Gogl

Einer von vier Teichen im Schlosspark Matzen

Eine genussvolle, einfache Runde

Das erste Ziel ist bereits vom Parkplatz aus jenseits der Straße zu sehen: Schloss Lichtwerth. Man folgt für ca. 200 m der Straße in Richtung Westen, um dort auf die geschotterte Zufahrtsstraße zum Schloss einzubiegen. Hinter Schloss Lichtwerth zeigt sich der Pletzachkogel, dem wir die zahlreichen historischen Bauten in diesem Bereich zu verdanken haben. Auch die Spuren von kleineren Felsstürzen aus jüngster Vergangenheit sind am Pletzachkogel auch für Laien deutlich zu erkennen. Schloss Lichtwerth befindet sich im Privatbesitz und ist bewohnt.

Burgen Matzen

Hubert Gogl

Schloss Matzen - heute als Hotel geführt

Am Innflößerweg nach St. Gertraudi

Links am Schloss vorbei erreicht man nun das Innufer und spaziert am Innflößerweg (auch Radweg) nun dem Inn entlang aufwärts. Bald schon zeigen sich St. Gertraudi und die Burgruine Kropfsberg, der ehemalige Ansitze vom Bistum Salzburg. Noch vor der Runie, dem befestigten Gießen entlang, quert man hinüber in den Weiler St. Gertraudi. Damit ist der westliche Wendepunkt nach 2 km erreicht. Links der Kirche, über die Zufahrtsstraße der wenigen Häuser parallel zur Hauptstraße, gelangt man zum Jakobsweg. Kurz auf einem Wiesensteig, dann am Waldsteig geht’s nun dem Ausgangspunkt wieder entgegen.

Burgen Matzen

Hubert Gogl

Schloss Matzen - am Fuße gibt es eine Einkehrmöglichkeit

Eine Runde durch den Matzenpark als Abschluss

Mit Erreichen des Startpunktes beim Schloss Lipperheide sollte die Wanderung jedoch noch nicht beendet werden. Eine Runde durch den weitläufigen und sehenswerten Matzenpark ist ein Muss. Es ist ein Landschaftsgarten im englischen Stil, ist rund 15 Hektar groß und ein geschütztes Naturdenkmal mit vier Teichen und in etwa 40 Baumarten. Der Park ist eine beliebte Oase der Ruhe. Durch den Park kann auf kurzem Weg das Gasthaus „Gut Matzen“ im nördlichen Bereich am Fuß von Schloss Matzen erreicht werden.

Empfehlenswerter ist es aber am oberen Parkende (es gibt am Eingang eine Übersichtstafel) in Richtung „Jagahäusl“ und Rolandbogen zu gehen und dann auf einer Fahrstraße zu oberen Einfahrt von Schloss Matzen zu gelangen. Leider ist das Schloss-Hotel Matzen nicht zugänglich. Recht unauffällig gelangt man durch einen Durchgang links vom „Gut Matzen“ (Montag, Dienstag hat das Restaurant Ruhetag) in dessen Garten und schließlich durch den Park wieder zum Ausgangspunkt.

Die beschriebene Runde hat eine Länge von ca. sechs Kilometern bei einer Gehzeit von rund zwei Stunden.

Hubert Gogl wünscht einen stimmungsvollen, spätherbstlichen Spaziergang!