Katzen in bester Gesellschaft

Katzen gelten zwar als Einzelgänger, werden in vielen Haushalten aber auch gemeinsam gehalten. Ganz ohne Konflikte geht das selten ab. Damit Katzen sich unter ihresgleichen wohl fühlen, sollten einige Voraussetzungen erfüllt werden.

Vor allem für Wohnungskatzen ohne Ausgang ins Freie ist die Überlegung nach Gesellschaft sinnvoll. Sie sind oft den ganzen Tag allein daheim und führen sonst ein einsames Dasein. Außerdem kann auch der liebevollste Mensch einen Artgenossen nicht ersetzen. Welche Katze dazu genommen wird, bedarf aber guter Vorbereitung. Damit der Katzen-Haussegen später nicht schief hängt. „Am besten vertragen sich auch langfristig gleichgeschlechtliche Geschwister aus einem Wurf,“ sagt die Katzenverhaltensberaterin Gaby Bunde, die ihre Ausbildung mit Schwerpunkt Katzen-Psychologie in der Schweiz absolviert hat.

Drei Katzen vor einem Tisch

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„Hallo Frauli, was gibt´s denn heute Feines?“ Diese drei scheinen sich auch bei Tisch sehr gut zu verstehen.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Gleiches Geschlecht, gleiches Alter und ein möglichst gleicher Charakter, so funktioniert der Mehrkatzenhaushalt am besten. Bei unterschiedlichen Geschlechtern eines Wurfs kann es nach einigen Jahren plötzlich Probleme geben," sagt Gaby Bunde. Das kann auch bei Mutter-Kinder-Beziehungen passieren. Eine Garantie, dass das Zusammenleben auch langfristig immer harmonisch bleibt, gibt es also nicht.

drei Katzen am Fenster in ihren Körbchen

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Sonnenkinder am Fenster. Wer mehrere Katzen hält, braucht für jede einzelne ein Lieblingsplätzchen.

Eine Katze aus dem Tierheim dazu holen?

Viele Katzenfreunde überlegen, sich zu ihrem Liebling einen Artgenossen aus dem Tierheim zu holen. Vom Tierschutzgedanken her sicher eine gute Idee, aber ob das Zusammenleben dann auch klappt? Auch hier gilt es am besten nach Geschlecht, Alter und ähnlichen Charakterzügen auszusuchen, wenn das möglich ist. Außerdem sollte es im gemeinsamen Katzenhaushalt genug Platz geben, damit die Stubentiger sich auch einmal aus dem Weg gehen können. „Als Faustregel gilt: So viele Zimmer zur Verfügung stehen, so viele Katzen kann man halten." Klo und Abstellraum werden nicht mitgezählt,“ empfiehlt die Katzenverhaltensberaterin.

Alte Diva und frecher Jungspund

Keine gute Idee ist es, zu einer schon älteren Katze plötzlich eine junge dazu zu holen. Die Jungen rücken den Gesetzteren meist zu sehr auf den Pelz, wollen spielen und bringen aus Sicht des Seniors Unruhe und Stress in den Katzenhaushalt. „Wenn ich Gesellschaft zu einer alten Katze bringen will, dann sollten Sie am besten gleich zwei junge Tiere nehmen. Die können dann nach Herzenslust herumtollen und die alte Katze schaut gerne zu.“

Zwei Katzen sitzen übereinander in einem Regal

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Zu zweit und trotzdem jede in ihrem eigenen Reich: so funktioniert das Zusammenleben gut.

Erst mal beschnuppern lassen

Wenn eine neue Katze ins Haus kommt, ist eine Übergangszeit zum Kennenlernen wichtig, empfiehlt Gaby Bunde. "Die meisten Menschen machen den Fehler, die neue Katze einfach direkt zu den anderen zu setzen. Der Neuankömmling wird dann meist wenig freundlich begrüßt, denn für die bisherigen Bewohner ist er ein Eindringling. Besser ist es, die neue Katze zunächst in ein eigenes Zimmer mit Futter, Wasser und Toilette zu bringen. So kann sie sich vom Transportstress erholen und erst einmal ankommen. Anschließend trennt Gaby Bunde die Tiere durch ein Netz an der Zimmertür. So können sich die Katzen erst einmal sehen und beschnuppern, ohne dass sie sich zu nahe kommen. Wenn der Empfang freundlich ausfällt, werden die Tiere zusammen gelassen.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
21. 11. 2015 ab 10.00 Uhr.

Mobbing im Katzenhaushalt

Katzen, die sich nicht vertragen, können ihrem Gegenüber ziemlich zusetzen. Übertragen auf menschliche Maßstäbe würde man sogar von Mobbing sprechen. "Das ist bei Katzen viel häufiger der Fall als die meisten Menschen annehmen,“ sagt Gaby Bunde. „Nicht immer werden Zähne und Krallen eingesetzt. Mobbing geht viel subtiler. So darf die betroffene Katze zum Beispiel nicht zur Katzentoilette, zum Futternapf oder zur Wasserstelle, weil sie vom Rivalen immer wieder vertrieben wird.“ Hier müssen die Katzenfreunde aufpassen, dass nicht ein Mitglied der Katzenfamilie untergeht. Verängstigte Katzen verkriechen sich, meiden Kontakte, sie leiden sehr an der Situation. Hier muss das Familienoberhaupt, also der Mensch eingreifen.

Manchmal geben sich Konflikte unter Katzen von selbst wieder, so wie im menschlichen Zusammenleben auch. Manchmal braucht es viel Kopfzerbrechen, um herauszufinden, warum die Harmonie im Haushalt gestört ist. In seltenen Fällen ist es nicht mehr möglich, die Katzen zusammen zu halten. Hier beginnt für die Besitzer eine schwierige Suche nach einem neuen, geeigneten Platz.

Katzenverhaltensberaterin Gaby Bunde

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Katzenverhaltensberaterin Gaby Bunde mit einem ihrer Stubentiger.

Mehrere Katzen: mehr Arbeit, höhere Kosten

Wer einen Mehrkatzenhaushalt führen möchte, sollte sich auch überlegen, wer in der Urlaubszeit oder im Krankheitsfall die Tiere versorgt und die Kistchen reinigt. Es ist schließlich ein Unterschied, ob jemand eine Katzentoilette sauber halten muss oder drei oder vier. Auch die Kosten sind zu berücksichtigen. Hochwertiges Katzenfutter und Streu sind teuer, dazu kommen notwendige Besuche beim Tierarzt für Impfungen, Zahnkontrollen oder bei Krankheiten.

Unbedingt kastrieren

Bei Katzen, die Freilauf haben, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass sie kastriert werden. Und zwar sowohl Männchen als auch Weibchen, sagt Gaby Bunde. Viel Katzenleid könnte verhindert werden, wenn Katzenbesitzer verantwortungsvoller handeln würden, ist sie überzeugt. Auch im Zusammenleben in der Wohnung sollten alle Katzen und Kater kastriert sein. Unerwünschtes Markieren oder Urinieren, Stress und Aggressionen lassen sich dadurch deutlich reduzieren.

Dass ein Mehrkatzenhaushalt funktionieren kann, weiß Gaby Bunde aus eigener Erfahrung am besten. Sie hält immerhin sechs Katzen. Nicht immer, aber meistens ist es ein buntes und friedliches Zusammenleben, das Zwei- und Vierbeiner gemeinsam genießen.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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