Strom wird kommendes Jahr etwas teurer

Nach sechs Jahren Strompreissenkung wird Tiwag-Strom im kommenden Jahr um rund fünf Prozent teurer. Seitens des Landesenergieversorgers reagiert man damit auf die internationale Strompreisentwicklung. Ein Anbieterwechsel ist bedingt interessant.

Die Preise an der Strombörse haben kräftig angezogen. Deshalb muss ein durchschnittlicher Haushalt im kommenden Jahr monatlich rund drei Euro mehr für den Strom berappen. Das ist eine Preissteigerung von rund fünf Prozent, so Erich Entstrasser, Vorstandsvorsitzender der Tiwag gegenüber ORF Tirol.

Auch Strommarkttrennung trägt zu Teuerung bei

Grund für die Teuerung beim Strompreis ist einerseits die steigende Nachfrage, andererseits die seit 1. Oktober geltende Strommarkttrennung. Das heißt, dass ein Stromaustausch zwischen Österreich und Deutschland nur mehr begrenzt möglich ist - mehr dazu in Scheidung am Strommarkt wird kosten.

Wesentlich auf den Strompreis wirken sich laut Entstrasser aber auch die CO2-Zertifikate aus, die man braucht, wenn man Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken gewinnt. Weil Tirol nach wie vor auf den Zukauf von Strom angewiesen ist, wirke sich das eben auch hierzulande auf den Strompreis aus.

Strompreis zieht international

Tiwag-Chef Erich Entstrasser erklärt, weshalb die Strompreise am internationalen Markt zuletzt deutlich angezogen haben.

Im österreichweiten Vergleich im Spitzenfeld

Die letzte Energiepreiserhöhung habe es seitens der Tiwag 2011 gegeben, erinnert Entstrasser. Seitdem seien die Preise für die Kunden jährlich gesunken, 2016 sogar um sieben Prozent. Innerhalb Österreichs gebe es beim Strompreis ein Ost-West-Gefälle. Im Osten müssten Kunden zum Teil bis zu 35 Prozent höhere Energiekosten berappen als etwa in Tirol und Vorarlberg.

Anbieterwechsel will gut überlegt sein

Seit der Strommarktliberalisierung ist es möglich, beim Strom den Anbieter zu wechseln. Die Westösterreicher nutzen diese Gelegenheit österreichweit am wenigsten. Der Wechsel des Anbieters kann via Internet verhältnismäßig unbürokratisch durchgeführt werden. Es gebe aber einiges zu beachten, warnt Roland Rödlich von der AK Tirol.

Viele Anbieter würden etwa im ersten Jahr mit Rabattangeboten locken. Versäumt man es, rechtzeitig wieder zu wechseln, kann der Strompreis im zweiten Jahr um hunderte Euro in die Höhe schnellen. Es sei wichtig, sich nach einem Anbieterwechsel rechtzeitig zu erkundigen, wie sich die Preise im kommenden Jahr entwickeln. Die Kündigungsfrist von sechs Wochen sei ebenfalls zu berücksichtigen.

Anbieterwechsel hat Vor- und Nachteile

Wer den Stromanbieter wechselt, muss sich bewusst sein, dass er den Strommarkt immer im Auge behalten muss, so AK-Experte Roland Rödlich.

Gute Aussichten für Pumpspeicherkraftwerke

Mittelfristig sieht man seitens der Tiwag, die einige Pumpspeicherkraftwerke betreibt, positiv in die Zukunft. Durch die Zunahme von Wind- und Photovaltaikanlagen in Österreich genauso wie in Deutschland steige die Bedeutung der Pumpspeicherkraftwerke - einerseits zum Speichern von Stromüberschüssen und andererseits zum Ausgleichen, wenn zu wenig Strom erzeugt wird, erklärt Entstrasser.

Nach wie vor sei die Erzeugung von Spitzenstrom für die Tiwag, die zu 100 Prozent im Eigentum des Landes Tirol steht, ein gewinnbringendes Geschäft. Entweder wird dieser Spitzenstrom verkauft oder gegen Bandenergie, die Tirol zu wenig hat, eingetauscht.

Stefan Lindner; tirol.ORF.at