ÖGB: Resolution gegen 12-Stunden-Tag

Die Pläne der schwarz-blauen Regierung zur Arbeitszeitflexibilisierung haben am Dienstag auch in Tirol die Gewerkschaften mobilisiert. Bei einer Betriebsrätekonferenz in Absam wurden „flächendeckende Betriebsversammlungen“ beschlossen.

Mit Trillerpfeifen und Tröten unterstrichen die knapp 600 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter lautstark ihre Ablehnung der Regierungspläne. Die Betriebsräte, Personalvertreter und Jugendvertrauensräte beschlossen eine Resolution, die die beiden arbeitszeitlichen Neuerungen entschieden ablehnt. Flächendeckende Betriebsversammlungen seien in Vorbereitung, hieß es.

Freiwilligkeit wird in Abrede gestellt

Die Veranstaltung im Absamer Veranstaltungszentrum dauerte knapp zwei Stunden, viele der Interessensvertreter mussten stehen. Inhaltlich gab es zwei Schwerpunkte: Der 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche - hier wurde vor allem die Freiwilligkeit in Abrede gestellt - mehr dazu in ÖVP/FPÖ-Einigung zu Arbeitszeitmodell. (news.ORF.at; 14.6.18)

Betriebsrätekonferenz

ÖGB

Der Unmut ist unter den Interessensvertretern groß

ÖAAB-Chefin Palfrader gibt sich angriffig

Es könne nicht sein, so ÖAAB-Chefin Beate Palfrader in Richtung Bundesregierung, „dass sich einige wie Pipi Langstrumpf die Welt so machen, wie sie ihnen gefällt.“

Die Angst vor Jobverlust

Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth kritisierte in seiner Rede den „demokratiefeindlichen“ Stil der Bundesregierung: „Das neue Gesetz ist nichts anderes als Lohnraub unter dem Deckmantel der Flexibilisierung. Die Freiwilligkeit ist in der Realität nicht umsetzbar, zu groß ist die Angst vor dem Jobverlust. Schritt für Schritt schafft diese Regierung die Mitbestimmung der Betriebsräte ab. Wir werden uns das nicht gefallen lassen.“

AK-Zangerl: „Der türkise Virus“

Man kämpfe, so AK-Präsident Erwin Zangerl (ÖVP), „dass sich dieser türkise Virus nicht weiter ausbreite“.

Mit groß angelegten Betriebsversammlungen werde man den Regierungsvertretern zeigen, was man von ihren Plänen halte, so Wohlgemuth: „Wenn ein Regierungsvertreter zu Beginn meinte, man werde sich noch wundern, was alles möglich ist, dann können wir heute sagen: Die Regierung wird sich noch wundern, was die Gewerkschaft noch alles möglich macht“. Es ging es um die Vorgehensweise der ÖVP/FPÖ-Regierung, die Sozialpartner bei diesen Plänen ignoriert zu haben. In die Kritik der Gewerkschaft stimmten neben christlich-sozialen Gewerkschaftern auch AAB-Obfrau Beate Palfrader (ÖVP) und AK-Präsident Erwin Zangerl ein. Am Mittwoch soll es mit Betriebsversammlungen weitergehen.

Beate Palfrader bei Betriebsrätekonferenz

ÖGB Tirol

Auch ÖAAB-Obfrau Beate Palfrader nahm an der Konferenz teil

Eingriff in die Lebensgestaltung

Kritisiert wurde vor allem der Eingriff in die Lebensgestaltung der Beschäftigten durch die Ausweitung der Arbeitszeit. „Ein 12-Stunden-Tag bringt Probleme für Familien und ist ein unverschämter Griff in die Geldbörsen der Arbeitnehmer, insbesondere bei Gleitzeit und All-in-Verträgen, wenn es um die Bezahlung der Überstunden geht. Bei einer 60-Stunden-Woche bleibt kaum Zeit für die Arbeit in Vereinen wie der freiwilligen Feuerwehr. Es geht aber auch um den Schutz der Beschäftigten und um die Gefährdung der Gesundheit durch überlanges Arbeiten und erhöhte Unfallgefahr“, so der Tiroler ÖGB-Chef Wohlgemuth abschließend.

FPÖ Tirol kontert

FPÖ Tirol-Chef Markus Abwerzger sprach am Mittwoch von einem "Affront gegen die Bundesregierung und gegen seinen Bundeskanzler Sebastian Kurz“. Er forderte sowohl Zangerl als auch Palfrader auf, aus der ÖVP auszutreten: "Es sei befremdlich, dass die ÖVP-Landesrätin sich bei ÖGB Veranstaltungen tummelt, genau jene Organisation, die jahrelang für Reformverweigerung steht, und die sich nur um ihre eigene Pfründe und die Versorgung ihrer Mandatare und Funktionäre kümmert“, so Abwerzger.

Zu Zangerl meinte er, „dieser habe die SPÖ-Rhetorik übernommen, und führe die Tiroler Arbeiterkammer in das linke politische Eck.“ Zangerl und Palfrader seien "Reformverweigerer im eigenen Interesse“, so die FPÖ Tirol.

Volle Unterstützung für die Proteste gegen den 12-Stunden-Tag kam am Mittwoch hingegen von den Tiroler Grünen. Arbeitssprecher Georg Kaltschmid sprach von einem „schwarz-blauen Generalangriff auf Arbeitnehmerrechte und sozialem Kahlschlag": „Kurz und Strache agieren wie billige Handlanger von Wirtschaft und Industrie und haben einseitig den erfolgreichen österreichischen Weg der sozialpartnerschaftlichen Kooperation verlassen“, so der Tiroler Grüne Kaltschmid, der sich mit der Protestbewegung solidarisierte.

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