Raubtier Wolf: Warum wird er geschützt?

Der Wolf kehrt zurück nach Westeuropa. Immer wieder gab es in den letzten Monaten Sichtungen oder Vorkommnisse mit Wölfen. Warum wird Raubtier geschützt wird, wollten zwei Schülerinnen im ORF Tirol Redhaus wissen.

Lange galt der Wolf in Westeuropa als beinahe ausgerottet. In den letzten Monaten sorgten Wölfe aber in Tirol, Südtirol und Bayern immer wieder für Schlagzeilen wegen Sichtungen oder auch gerissener Schafe und gerissener Kälber. Das verärgert besonders die Bauern, die ihre Nutztiere vor dem Raubtier schützen wollen. Der Wolf selbst ist eine geschützte Tierart in Europa - aber ist es sinnvoll, den Wolf zu schützen? Das fragten Raphaela und Rebecca von der Fachberufsschule für Holztechnik Absam im letzten ORF Tirol Redhaus vor der Sommerpause.

Wolf Alpenzoo

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Im Innsbrucker Alpenzoo leben derzeit zwei Wölfe

Wolf als „Gesundheitspolizei“

Im Alpenzoo Innsbruck leben bereits seit vielen Jahren Wölfe. Kurator Dirk Ullrich hat eine Erklärung, warum der Wolf in Europa streng geschützt wird. Der Wolf sei eine wichtige Tierart, die im biologischen Kreislauf notwendige Aufgaben erfülle. Wenn der Wolf im Freiland Rotwild oder andere Wildtiere jage, selektiere er stark aus, erklärte Ullrich. Der Wolf suche sich kranke oder schwache Tiere, die leichter zu erbeuten sind. „Er vertilgt auch das Aas, er ist also eine Art Gesundheitspolizei“, schmunzelte Ullrich. Da es in Mittel- und Westeuropa wegen der Ausrottung durch die Menschen keine Wölfe mehr gibt, mache es deshalb Sinn den Wolf zu schützen.

Wolf

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Dirk Ullrich vom Innsbrucker Alpenzoo kennt den Schutzstatus der Wölfe genau

Die Rückkehr des Wolfes sorgt aber auch für Probleme und Konflikte, weil der Wolf auch Nutztiere wie Schafe oder kleine Rinder reißt. Martin Janovsky, der Tierschutzombudsmann des Landes Tirol, ist dafür zuständig, Maßnahmen für ein möglichst ungestörtes Zusammenleben mit dem Wolf zu erarbeiten. Wie viele Wölfe sich rund um Tirol und vielleicht auch in Tirol wieder ansiedeln, sei derzeit noch unklar, erklärte er. Besonders wichtig für die Sicherheit sei es, Wölfe nie zu füttern, damit sie die Scheu vor den Menschen nicht verlieren.

Der Wolf kehrt zurück

Von Problemen wegen der Rückkehr des Wolfes haben die Schülerinnen viel gehört. Sie wollen wissen, warum der Wolf trotzdem geschützt wird.

Abschuss als Lösung?

Weidetiere müssen dagegen bewusst geschützt werden. Dazu gebe es bereits Erfahrungen im Alpenraum, um Weidetiere mit Zäunen und Hirtenhunden zu schützen. Das sei nicht einfach, der Schutz sei auch nicht zu 100 Prozent möglich, man könne das Risiko für Schafe durch solche Schutzmaßnahmen aber minimieren. Viele Bauern fordern dagegen den Abschuss der Wölfe. Ob das nicht auch eine Lösung wäre, wollen Rebecca und Raphaela weiter wissen.

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Tierschutzombudsmann Martin Janovsky ist für Maßnahmen zur Rückkehr des Wolfes zuständig

Die Forderung sei verständlich, weil die Wiederansiedlung des Wolfes eben nicht einfach sei. Gesetzlich sei der Abschuss aber durch europäische Gesetze nicht erlaubt, erklärte Janovsky. Auch langfristig gesehen sei der Abschuss einzelner Wölfe keine Lösung, da sich Wolfsrudel frei bewegen und auch vermehren.