Demenz bei Hunden und Katzen

Auf der täglichen Gassirunde schaut sich der Hundesenior plötzlich ratlos um und weiß nicht mehr wo er ist. In der Nacht schreit der Kater wie wild und wirkt dabei völlig verstört. Diese Verhaltensweisen könnten auf eine Demenz hinweisen.

In freier Natur überleben wildlebende Hunde und Katzen vielleicht fünf bis maximal acht Jahre. In menschlicher Obhut werden sie bis zu 20 Jahre alt. Eigentlich haben sie ihre natürliche Lebenserwartung also weit überschritten, sagt der Haller Tierarzt Gebhard Anker. „So wie beim Menschen ist Demenz auch bei Tieren eine Alterserkrankung, die Hirnleistung lässt massiv nach.“ Dass unsere Haustiere so alt werden, liegt an der guten medizinischen Versorgung und dem großen Angebot an ausgewogener Ernährung. Mit dem Alter kommen freilich auch die Beschwerden.

Katze liegt auf einem roten Handtuch

Tierarztpraxis Anker

Demenz betrifft viele alte Katzen ab einem Alter von etwa 15 Jahren.

Demenz beginnt schleichend

Rund die Hälfte aller Katzen über 15 Jahre sind von Demenz betroffen, auch bei älteren Hunden beginnen sich schleichend Symptome zu zeigen. Nur wer sein Tier gut kennt und sein Verhalten ein Leben lang aufmerksam beobachtet hat, wird die Veränderungen erkennen, so Gebhard Anker. Wenn ein Hund auf einer seit Jahren bekannten Gassirunde plötzlich sichtlich nicht mehr weiter weiß und sich nicht mehr auskennt, könnte das ein Warnzeichen sein. Auch ein Hund, der auf der falschen Seite der Tür, also bei den Scharnieren wartet, dass sie aufgeht, kann an Demenz erkrankt sein. „Es kann auch passieren, dass die Katze an die Wand starrt, ihren Fressnapf in der Wohnung nicht mehr findet, oder nicht mehr stubenrein ist, weil sie nicht mehr zum Kisterl kommt.“

Ein weiteres auffälliges Symptom, das eine Demenz anzeigen kann, sind heftige Lautäußerungen ohne erkennbaren Grund. Also lautes Miauen oder Bellen und Jaulen, oftmals mitten in der Nacht. Das Tier wirkt verängstigt und verstört. Solche Angststörungen sind vor allem bei Katzen häufig, sagt Gebhard Anker.

Zwergpudel

privat

Der 13 jährige Zwergpudel Alegro weiß plötzlich nicht mehr wo er ist.

Erkennen im Ausschlussprinzip

Der Tierarzt wird zunächst eine genaue Untersuchung durchführen, damit Schmerzen und andere Erkrankungen ausgeschlossen werden können. Im ausführlichen Gespräch mit dem Tierbesitzer lässt sich dann eine Demenz eingrenzen. "Es ist Aufgabe des Tierarztes, die Besitzer gezielt nach Symptomen zu fragen. Oft sind veränderte Verhaltensweisen ihnen bereits aufgefallen, aber sie konnten sie nicht zuordnen, oder haben sie anders interpretiert.

Nicht heilbar, aber gut zu behandeln

So wie beim Menschen ist Demenz derzeit nicht heilbar. Mit Medikamenten lässt sich die Krankheit aber hinauszögern, bzw. werden Symptome abgemildert. Bei einer guten tierärztlichen Begleitung können die vierbeinigen Patienten weitere Jahre mit relativ geringen Beschwerden leben. In der Regel müssen sie täglich zwei Medikamente bekommen, die die Symptome abschwächen und den Verlauf der Krankheit verlangsamen, erklärt Tierarzt Gebhard Anker. Vor den Kosten dieser Medikamente müssen sich Tierbesitzer nicht fürchten. In der Regel kosten sie umgerechnet weniger als einen Euro pro Tag.

Tierarzt Gebhard Anker mit Katze

Tierarztpraxis Anker

Tierarzt Gebhard Anker mit einer Patientin.

Mit dem dementen Tier leben lernen

Zuhause können die Besitzer einiges unternehmen, um das Leben ihres dementen Seniors zu vereinfachen. Grundsätzlich sollten Veränderungen und Stress vermieden werden. Ein dementer Hund muss grundsätzlich an der Leine geführt werden. Für einen Oldie, der ja ohnehin nicht mehr Spielen und Herumtollen will, ist das nicht so schlimm, wie es sich im ersten Moment anhört. Im Gegenteil: die unmittelbare Nähe zu seinen Zweibeinern gibt ihm Sicherheit, auch wenn er sich einmal nicht mehr auskennt und er kann vor allem nicht verloren gehen.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
9. 5. 2015 ab 10.00 Uhr

Auch mit dem Freigang der alten Katze sollte es vorbei sein, empfiehlt der Tierarzt. Zu groß ist die Gefahr, dass sie nicht mehr nach Hause findet. Einen Streuner kann man freilich nicht von heute auf morgen einfach einsperren. Aber man sollte zumindest dabei sein, eine kurze Runde mit ihm im Garten drehen und ihn dann wieder mit ins Haus nehmen. Auf dem Balkon kann der Senior die Sonne genießen und das Leben beobachten wie früher. Auf die Jagd wird er ohnehin nicht mehr gehen.

Liegende Katze

dpa

Die große Jagd ist vorbei, im Garten in der Sonne dösen will der Katzensenior aber immer noch gern.

Im Haus, vor allem wenn es mehrere Stockwerke gibt, können zusätzliche Futter- und Wasserstellen angeboten werden, bei Katzen weitere Kistchen. Was die dementen Vierbeiner überaus stresst, sind junge Tiere, die plötzlich mit im Haushalt leben und alles auf den Kopf stellen. "Davon rate ich dringend ab,“ sagt Tierarzt Anker. Denn so alte Tiere leiden sehr darunter.

Demente Senioren brauchen Rücksicht, viel Zuneigung und Aufmerksamkeit. Aber nach vielen langen Jahren des Zusammenlebens, der Freude und gemeinsamen Abenteuer werden ihre Besitzer ihnen diese Zeit sicher gerne schenken.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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