Stammzellentherapie für Vierbeiner

Den Körper mit der Kraft der eigenen Zellen heilen und regenerieren. Das ist nicht nur in der Humanmedizin eine große Hoffnung. Auch in der Veterinärmedizin wird zunehmend auf solche regenerativen Behandlungen gesetzt.

In der Veterinärmedizin werden Stammzellen aus dem Fettgewebe des Tieres gewonnen. Im Gegensatz zur Humanmedizin dürfen Stammzellen daraus nicht nur entnommen, sondern auch vermehrt werden, erklärt Tierarzt Gebhard Anker. In seiner Praxis in Hall bietet er als erster in Westösterreich Stammzellen-Therapie für Hunde und Katzen an. „Ich bin davon überzeugt, dass solche regenerativen Behandlungen in der Veterinärmedizin die Zukunft sind. Denn damit werden nicht nur die Symptome behandelt, sondern man kann die Ursache selbst bekämpfen.“

Älterer Golden Retriever

pixabay/couleur

Hunden, die an Gelenksentzündungen leiden, könnte eine Stammzellentherapie helfen

Stammzellen aus Fettgewebe

Das Prozedere für eine Stammzellentherapie klingt eigentlich sehr einfach. Bei einem kleinen Eingriff wird dem Tier Fettgewebe entnommen. "Es wird an ein Labor geschickt, das daraus die Stammzellen extrahiert und vermehrt. Der Tierarzt injeziert die körpereigenen Zellen dann punktgenau an die erkrankte Stelle. Weil Stammzellen in der Veterinärmedizin wie gesagt auch vermehrt werden können, ist die Therapie besonders wirksam. Sozusagen hilft ein ganzes Heer an Zellen, entzündetes oder schadhaftes Gewebe, aber auch Knochen und Knorpel, zu reparieren.

Gelenks-Arthrose beim Hund im Modell

Tierarztpraxis Anker

Im Modell ist das Hüftgelenk eines Hundes mit deutlicher Arthrose gut zu erkennen

Vielseitig einsetzbar

Einsatzmöglichkeiten für die Stammzellen-Therapie gibt es viele. Eine Entzündung im Körper bringt die Zellen auf Hochtouren, sie beginnen ihre Reparaturarbeit. Besonders erfolgsversprechend werden Stammzellen in der Tiermedizin bei Gelenksentzündungen eingesetzt, aber auch bei Sehnen- und Bänderverletzungen, Knorpelverletzungen, Ellbogen- oder Hüftdysplasien, aber auch zur unterstützenden Therapie zum Beispiel nach einer Kreuzbandoperation oder einem Knochenbruch, erklärt Tierarzt Gebhard Anker.

Nur körpereigene Zellen wirken

Wirkungsvoll sind nur die Stammzellen des eigenen Körpers. Fremde Zellen einzusetzen würde nichts bringen. Je jünger das Tier ist, das behandelt werden soll, desto besser. Stammzellen in einem jungen Körper sind besonders wirkungsvoll. Aber auch bei älteren Hunden und Katzen wirkt die Reparatur im eigenen Körper, es dauert nur länger.

Junge Stammzellen fürs Alter

Es klingt nach Zukunftsmusik, aber die Möglichkeit besteht in der Tiermedizin bereits. „Man könnte einem jungen Hund oder einer jungen Katze bei einem Routineeingriff wie einer Kastration Fettgewebe entnehmen. Die daraus gewonnenen Stammzellen können aufbewahrt werden. Hat das Tier dann im Alter zum Beispiel Probleme mit den Gelenken, könnten die junggebliebenen Zellen besonders wirkungsvoll im Körper arbeiten,“ sagt Gebhard Anker.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
2. 9. 2017 ab 10.00 Uhr

Kosten der Stammzellentherapie

Eine Stammzellen-Therapie ist nicht billig. Sie ersetzt aber möglicherweise andere Behandlungen und Medikamente, sagt Gebhard Anker. "Die Behandlung beim Tierarzt, die auch die umfassene Voruntersuchung beinhaltet, kostet zwischen 1.500 und 1.700 Euro. Sollten weitere Injektionen notwendig sein, kostet eine dann etwa 150 Euro.“ Wegen der doch recht hohen Kosten wird die Stammzellentherapie nur bei Haustieren mit einer höheren Lebenserwartung wie Hunden und Katzen, aber auch bei Sport- oder Zuchtpferden eingesetzt. Bei Pferden ist die Behandlung entsprechend teurer.

Tierarzt Gebhard Anker mit einer Katze in seiner Praxis

Tierarztpraxis Anker

Tierarzt Gebhard Anker setzt in seiner Praxis in Hall auch auf regenerative Behandlungen wie Stammzellentherapie für Hunde und Katzen

Keine Nebenwirkungen

Weil die Zellen aus dem eigenen Körper sind, gibt es keine Nebenwirkungen wie Abstoßungsreaktionen. Das wichtigste bei einer Stammzellen-Therapie: Bei der Injektion mit einer Spritze muss absolut steril und sehr genau gearbeitet werden. Das sei aber eine Grundvoraussetzung für jeden medizinischen Eingriff, betont Gebhard Anker. Weil der Körper für die Regeneration der erkrankten Stelle Zeit braucht, tritt der Erfolg auch nicht schon am nächsten Tag ein, sondern erst nach ein bis zwei Monaten. Schadhaftes Gewebe oder entzündete Gelenke müssen sich ja erst wieder regenerieren können. Anstatt nur Symptome, wie zum Beispiel Schmerzen zu behandeln, wird bei Arthrose zum Beispiel die Entzündung, also die Ursache des Übels bekämpft. Das erspart zum Beispiel die Kosten für langfristige Medikamente und Behandlungen.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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