Schilddrüse ok - alles ok

Das Fell der sonst so seidig glänzenden Katze wirkt fettig, der bisher vor Energie überschäumende Hund blickt traurig vor sich hin: Wenn solche Symptome das Glück mit unseren Haustieren trüben, könnte eine Erkrankung der Schilddrüse vorliegen.

Eine Erkrankung der Schilddrüse hat nicht unbedingt mit dem Alter zu tun. Aber das betroffene Tier sieht deutlich älter aus als es ist, erklärt die Jenbacher Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr. Interessanterweise ist die Art der Störung bei Hunden und Katzen sehr unterschiedlich - und damit auch das Krankheitsbild.

Kleiner Hund in einer Tierarztpraxis

Tierarztpraxis am Kasbach

Ein unerklärlich betrübter oder trauriger Blick kann ein Warnsignal sein

Hunde leiden an Unterfunktion

Hunde, die an einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) leiden, nehmen ohne erkennbaren Grund zu. Sie springen nicht mehr freudig herum, sondern werden zunehmend träger. „Was die Besitzer deutlich erkennen, ist der traurige Blick, den ihre Schützlinge bekommen,“ weiß die Tierärztin. "Es ist, als würde ihre Lebensfreude immer mehr verlöschen. Wenn das mit zunehmendem Alter geschieht, wird das oft falsch interpretiert. Dabei strahlt ein rüstiger Hunde-Senior durchaus noch viel Energie aus, wenn er gesund ist. Beim nächsten Routinecheck in der Tierarztpraxis sollte also an eine Überprüfung der Schilddrüsenfunktion gedacht werden. Ein Blutbild gibt darüber Auskunft.

Entzündetes Ohr eines Hundes

Tierarztpraxis am Kasbach

Immer wieder kehrende Hautinfektionen oder Ohrenentzündungen können ebenfalls auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hinweisen

Rassetypisch vorbelastet

Bei Hunden spielt auch die Rasse eine wichtige Rolle, manche sind anfälliger für Schilddrüsen-Erkrankungen als andere. „Gehäuft können sie bei größeren und schwereren Hunden auftreten.“ Melanie Bertignol-Spörr nennt als Beispiele etwa Retriever und Labradore, auch Huskies sind häufig betroffen. Aber auch bei mittelgroßen Rassen wie den Beagles oder Möpsen treten solche Funktionsstörungen immer wieder auf.

Katzen leiden an Überfunktion

Bei Katzen liegen keine rassetypischen Veränderungen vor. Egal ob Rasse- oder Bauernkatze, sie leiden im Gegensatz zu den Hunden an einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose). Entsprechend anders sieht auch das Krankheitsbild aus. Betroffene Katzen magern stark ab, obwohl sie einen guten Appetit haben. Sie wirken hyperaktiv und unruhig, manchmal werden die Schmusekatzen auch ungewohnt aggressiv. „Ein ebenfalls deutliches Krankheitsmerkmal ist das fettige, struppige Fell,“ sagt Melanie Bertignol-Spörr.

Struppige getigerte Katze beim Tierarzt

Tierarztpraxis am Kasbach

Diese Katze ist deutlich abgemagert, hat kaum noch Muskeln und ihr Fell wirkt struppig und fettig: Symptome einer Schilddrüsen-Überfunktion

Die gute Nachricht: Es gibt Hilfe

Die Symptome sind eindeutig, die Diagnose über ein Blutbild ebenso und es gibt Hilfe durch Medikamente. „Schilddrüsen-Erkrankungen können gut mit Medikamenten behandelt werden. In der Regel genügt täglich eine Tablette. Sie muss allerdings das gesamte Leben gegeben werden. Hier ist die Konsequenz der Besitzer gefragt." Sind die Tiere gut eingestellt und werden tierärztlich immer wieder überprüft, verschwinden die Krankheitssymptome so gut wie ganz." Wir haben also wieder jenen Wonneproppen bei uns, den wir von früher her kannten.“

Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr mit Perserkatze

Tierarztpraxis am Kasbach

Die Gesundheit ihrer Tiere fest im Blick: Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr mit persischer Schönheit

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
12.8.2017 ab 10.00 Uhr

Der Kampf mit der Tablette

Während Hunde in der Regel mit einer Tablette im Futter kein Problem haben, sie beim Hinunterschlingen sogar kaum bemerken, kann die tägliche Medikamentengabe den Katzenbesitzern einiges an Raffinesse und Erfindungsgeist abverlangen. Irgendein unwiderstehliches Stückchen Feinschmeckerkost wird herhalten müssen, denn es ist absolut notwendig, dass die Katze die ganze Tablette und damit die volle Dosis zu sich nimmt und das jeden einzelnen Tag. Wer seine Stubentiger und ihre Möglichkeiten des Widerstands kennt, wird manchmal beinahe verzweifeln. Aber die Hartnäckigkeit des Besitzers wird sich lohnen. In diesem - und wohl nur in diesem Fall - müssen wir den widerspenstigen Geschöpfen unseren Willen aufzwingen - und damit basta!

Der Erfolg ist sichtbar

Ist das Tier mit dem Medikament gut eingestellt, wird sich auch sein Äußeres wieder verbessern. Katzen werden wieder zunehmen, Hunde ihre überflüssigen Pfunde bei angemessener Ernährung und Bewegung verlieren. Das Fell wird glatt und glänzend und die Augen sprühen wieder voller Lebenslust. Das ist es uns doch wert, oder nicht?

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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