Zahnvorsorge bei Haustieren

Nicht nur für Menschen auch für unsere Haustiere sind gesunde Zähne wichtig. Ganz von allein geht das nicht. Vorsorge und Pflege spielen eine große Rolle, damit unsere Tiere ein schönes Gebiss behalten.

Zahnvorsorge bei unseren Fell-Kumpels - das ist doch eine übertriebene Vermenschlichung - höre ich Sie schon einwerfen. Wölfe und Luchse gehen ja auch nicht zum Zahnarzt. Stimmt, sagt die Jenbacher Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr. Aber die ernähren sich ja auch anders.

Gebisskontrolle bei einem Rhodesian-Ridgeback

Kleintierpraxis am Kasbach, Jenbach

Eine regelmäßige Zahnkontrolle beim Tierarzt ist ein wichtiger Baustein für die Gesundheit des Vierbeiners

Vom Jagen und Reißen zum Futternapf

„Bei wildlebenden Raubtieren spielt der Speichelfluss eine große Rolle. Schon durch die Jagd, aber auch durch längere Hungerzeiten wird er angeregt. Dieser Speichel schützt die Zähne,“ erklärt die Tierärztin. „Außerdem werden Ablagerungen beim Zerlegen und Zerreißen der Beute und beim tiefen Eindringen der Reißzähne ins Fleisch entsprechend abgerieben.“ All das fehlt bei unseren häuslichen gewordenen Raubtieren. Sie bekommen ihr Futter im Napf einfach vor die Nase gesetzt.

Abgesehen davon, können auch Wildtiere massive Zahnprobleme haben - und gehen elend daran zu Grunde, weil sie verhungern oder leichte Beute werden. Weil wir unseren geliebten Haustieren das ersparen wollen, ist das richtige Futter bei unseren Fleischfressern ein gute Zahnvorsorge.

Struktur im Futter zur Zahnpflege

Je strukturierter und kau-intensiver das Futter ist, desto besser ist es für die Zähne. Das gilt für Trockenfutter genauso wie für Nassfutter. „Wenn die Brocken beim ersten Bissen auseinanderfallen, haben sie zu wenig Struktur. Wenn der Hund oder die Katze sie mit einem Happen verschluckt ohne zu kauen, könnte man sich nach einem anderen Futter umsehen.“

Zahnarzt Wilhelm Sixt, Rhodesian-Ridgeback Barongo und Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr in der Tierarztpraxis am Kasbach in Jenbach

Kleintierpraxis am Kasbach, Jenbach

Beim Prachtgebiss von Rhodesian-Ridgeback Barongo strahlen Besitzer, Zahnarzt Wilhelm Sixt aus dem Zillertal und Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr

Kauprodukte genau prüfen

Wir Menschen haben hauptsächlich mit Karies zu tun. Bei Tieren sind es mehr die Zahnablagerungen, also Plaque, die Probleme machen können. Durch kräftiges und langes Herumkauen sollen sich die Ablagerungen von den Zähnen lösen. Den Zahnschmelz beschädigen dürfen sie aber nicht. Wenn Kaustangen zum Fressen zu schnell hinunter geschlungen werden, erfüllen sie nicht ihren Zweck. „Man kann auch auf tierische Produkte wie getrocknete Schweineohren oder Rindersehnen zurückgreifen.“

Verschiedene Zahnpflegeartikel für Haustiere

Kleintierpraxis am Kasbach, Jenbach

Im Fachhandel gibt es eine Vielzahl von Zahnpflegeartikeln für Haustiere. Wer sich unsicher ist, kann seinen Tierarzt um Rat fragen

Im Fachhandel gibt es auch eine ganze Reihe von Kauprodukten zum Spielen, die von Tierärzten allerdings nicht alle empfohlen werden. Wie aber findet man die richtigen heraus? "Ich empfehle Produkte, die einen Abdruck hinterlassen, wenn man mit dem Finger hineindrückt. Außerdem sollten sie biegsam sein. Hochwertiger Hartgummi ist gut geeignet. Schlecht für Hundezähne sind die allseits bekannten Tennisbälle, warnt die Tierärztin. „Der Stoff, mit dem diese Bälle beschichtet sind, wirkt wie Schmirgelpapier auf dem Zahnschmelz. Außerdem kann die Farbe auf den Bällen giftig sein.“

Achtung Splittergefahr

Steine sind zum Spielen gänzlich ungeeignet, auch wenn so manche Hunde-Wasserratte sie zum Beispiel ständig aus dem Bach herausfischt. „Die Steine können die Zähne splittern lassen.“ Auch ein Hirschgeweih eignet sich entgegen der landläufigen Ansicht nicht als Hunde-Kauspielzeug. „Es ist ebenfalls zu hart,“ sagt Melanie Bertignol-Spörr. Auch sehr harte Knochen können die Zähne beschädigen.

Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr mit einer weißen Perserkatze

Kleintierpraxis am Kasbach, Jenbach

Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr mit einer Patientin. Ob sie wegen der Zahnkontrolle so skeptisch dreischaut?

Zahnbürsten für Hunde

„Ja, Zahnebürsten zumindest beim Hund machen Sinn,“ sagt Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr. „Viele Tierbesitzer wehren sich dagegen, obwohl es kein Problem ist, wenn man seinen Hund daran gewöhnt hat. Mit der Zahnbürste kann man gut für den notwendigen Abrieb im Gebiss sorgen und die meisten Hauswölfe lassen es sich auch gefallen.“ Hunde-Zahnpasta mit Leberwurst- oder Lachsgeschmack sorgt für die kulinarische Akzeptanz.

Bei Katzen sieht das etwas anders aus. Es ist offenbar unter ihrer Würde, sich die Zähne putzen zu lassen. Selbst die routinemäßige Zahnuntersuchung beim Tierarzt kann zu einem erbitterten Kampf werden. Jeder Kleintier-Veterinär kann vermutlich ein Lied von Zähnen und Klauen der Stubentiger singen und fasst lieber einem Kampfhund ins Maul als einer Katze.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
20. 5. 2017 ab 10.00 Uhr

Nager kommt von Nagen

Bei den Kleintieren wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamstern oder Chinchillas spielen die Zähne ebenfalls eine überaus große Rolle. Ihre Nagezähne wachsen ständig nach, eigentlich eine geniale Erfindung der Natur. Außer die Knabberlustigen haben zu wenig Möglichkeit, sie abzuwetzen. Hartes Brot oder Getreide sind dafür nicht geeignet.

Braunes Kaninchen mit Heu

Tierheim Mentlberg

Heu ist das Hauptfutter für Kaninchen und sollte immer zur freien Verfügung stehen

"Vielmehr brauchen die Heimtiere immer hochwertiges Heu zum Knabbern, außerdem Grün- und Wiesenfutter. Das ist das Strukturfutter ihrer Wahl. Rinde und Hölzer, am besten von Obstbäumen und nicht harzenden Gehölzen gehören in jede Heimtier-Unterkunft. Im Zoohandel angebotene Nager-Sticks, die mit viel Honig oder Zucker und Getreide hergestellt werden, empfehlen Tierärzte dagegen nicht.

Wenn Nager nur mehr wenig oder gar nicht fressen, oder ihre Zähne deutlich überstehen, besteht bereits Lebensgefahr. Anders als Raubtiere, die zur Not auch einige Tage ohne Fressen auskommen, müssen Nager immer Nahrung zur Verfügung haben. Der Tierarzt muss zu lange gewachsene Nagezähne abschleifen, damit sie wieder nach Herzenslust knabbern können.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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